Alexander Koblinger - Bester Sommelier Österreichs 2011

Die Österreichische Sommelier-Staatsmeisterschaft ist gewiss kein lockerer Spaziergang durch Weinlandschaften und Stile, auch wenn der perfekte Altweibersommertag und die Rebzeilen rund ums Gelände einen solchen nahegelegt hätten - der Wettbewerb fand ja im Loisium Hotel in Langenlois statt. Aber der Sieger hat das Ticket für die nächste Weltmeisterschaft der Sommellerie in der Tasche, die 2013 in Japan stattfinden wird, der Zweitplacierte fährt in eben demselben Jahr zur Europameisterschaft nach San Remo: um sich mit den Besten weltweit messen zu können, müssen auch die Anforderungen im nationalen Wettkampf entsprechend hoch sein. 17 KandidatInnen haben sich diesem vorbereitungsintensiven Tagesmarathon gestellt, der mit dem abendlichen und öffentlichen Finale für die vier Besten im Rahmen eines Galamenüs und der Kür des Allerbesten endete.

Zunächst blieben alle Teilnehmer mit einer gezogenen Nummer anonym, mussten zwei ziemlich tricky ausgewählte Weine (inmitten einer Weißweinregion denkt niemand an Rueda, und ein Late bottled Vintage quasi zum Frühstück wird auch nicht erwartet) blind beschreiben und dann einen kniffligen Fragebogen bearbeiten, der mit Fragen nach Vergisson oder Solutré-Pouilly, Zelen und Pinela, aber auch zu Teeherkünften oder einer Weinbegleitung zu zuvor ausgewählten Käsen bei Laktoseintoleranz gespickt war. Eine namhaft besetzte Jury mit Mitgliedern aus den Sommeliervereinen der Länder und anderen Weinfachleuten wertete die Antwortbögen aus; danach ging es an den immer noch vor kleiner Jury zu vollziehenden Praxistest.

Die Aufgabenstellung: wenig Zeit beim Business-Lunch, ein Rotwein soll in 5 Minuten präsentiert und optimal serviert werden. Bereit stand ein Pinot Noir Jahrgang 09 aus der Thermenregion mit Drehverschluss - es war interessant zu beobachten, wie sehr oder wie auch nicht die einzelnen Kandidaten sich auf die gestellte Restaurantsituation einließen, ob sie mit den „Gästen“ kommunizierten oder eher kaum, wie sie den Wein präsentierten und öffneten, ob sie ihn mit oder ohne Begründung belüfteten, welches Glas gewählt wurde. Mir persönlich waren viele viel zu schweigsam, ziemlich witzig war dafür die zwei Mal vorkommende Präsentation des Drehverschlusses auf einem kleinen Teller, wie man‘s normalerweise mit dem Korken macht, und gar das Umfüllen in eine Karaffe über einer Kerze - wie viel Depot aber ist bei einem 2009er zu erwarten?

Nach einer wohlverdienten Mittagspause und einem sonnigen Nachmittag trafen nach und nach die Gäste für die abendliche Gala ein; ein langer Abend, vor allem für die vier Finalisten. Die mussten nämlich zwischen den Gängen ihre letzten drei Prüfungsteile absolvieren. Zuvor aber wurden alle Teilnehmer mit einer Urkunde beglückwünscht, dann die Vier für den Endspurt bekanntgegeben: Andreas Jechsmayr, Alexander Koblinger, Jürgen Witschko und Suwi Zlatic. Während die Gäste mit Räucherforellen.Tartar samt Petersilien.Törtchen & Gewürzecke, Eierschwammerl.Ravioli umhüllt von Riesling-Veltliner.Schaum & roten Rüben, In Weinblättern rosa gebratenem Filet vom Freilandschwein mit Grammelknödel & Gartengurkennudeln sowie Schokoladenterrine im Baumkuchenmantel und Herbstlichen.Früchten bei Laune gehalten wurden - eine wirklich eindrucksvolle Leistung der Loisium-Küche übrigens! - und eine wahrlich in die Tiefe der Jahrgänge gehende Weinbegleitung (Bründlmayer Brut 1989, GV Spiegel 1992 Loimer, Riesling Heiligenstein 1999 Birgit Eichinger, GV Käferberg 2007 Jurtschitsch, Riesling Heiligenstein 2004 Allram, GV Lamm 2003 Hirsch, Riesling TBA Wechselberg Spiegel 2009 Topf, GV BA 2007 Schloss Gobelsburg, außerdem Badia a Passignano Chianti Classico 2007 Antinori und Serre Nuove 2008 Ornellaia) das ihre zur Laune beitrug, warfen sich die wackeren Vier mit sichtlicher Nervosität in die finalen Aufgaben.

Part 1: Blindverkostung von 7 Weinen, Beschreibung, Speisenempfehlung. Wirklich spannend und teilweise absolut überzeugend; es waren ja auch ein Quittenschnaps, ein Armagnac und ein Sake darunter. Außerdem wurden mit einem Petite Arvine aus der Schweiz und einem Lagrein aus dem Eisacktal alle Standarderwartungshaltungen umschifft.

Part 2: Die Korrektur einer Weinkarte. Die große Chance für die Nervosität, die teilweise voll zuschlug: vor einem voll besetzten Saal, die Augen aller auf sich gerichtet zu wissen, und dann noch von der Leinwand ablesen und die Fehler bemerken zu müssen - selbst so simple Dinge wie Süßwein unter Rotwein gelistet blieben da verborgen.

Part 3: Ein Paar im Restaurant, ein festliches Menü, die Bitte um Weinempfehlung zu jedem Gang. Auf Englisch, inklusive Menüübersetzung. Und für die Dame, die sich als schwanger zu erkennen gibt, alkoholfrei (bzw. für einen männlichen Begleiter als Chauffeur). Da war Ideenreichtum gefragt, gerade auch für die weinfreie Empfehlung; es sah so aus, als hätte hier Alexander Koblinger, der sich schon bei der Blindprobe als sehr souverän erwiesen hatte, entscheidende Punkte geholt.

Denn der Beste Sommelier Österreichs 2011 hieß am Ende des Tages ALEXANDER KOBLINGER. Das erste Mal dabei, konnte der 32jährige Salzburger, der seit 7 Jahren bei den Brüdern Obauer für Weinglück bei Tisch sorgt, gleich den Titel für sich beanspruchen. Sichtlich auf den zweiten Platz abonniert ist ANDREAS JECHSMAYR (Arosa Kitzbühel), der zwar in vielen Bereichen ebenso souverän agierte, aber sich letztlich wie vor zwei Jahren schon doch „nur“ für die Europameisterschaft qualifizieren konnte. Das Finale zeigte jedenfalls das enorme Potential, über das österreichische Sommeliers verfügen, und sollte Ansporn für jeden Servicemitarbeiter und Jungsommelier sein.

In kurzen Gesprächen gaben Annemarie Foidl, Präsidentin des Österreichischen Sommelierverbandes, Gerhard Retter, der Sieger von 2009, und Gerhard Elze von der ÖWM ihren Kommentar zur Bedeutung des Wettbewerbs ab.

Hier sind noch mehr Fotos zu finden, die Namen aller Teilnehmer und der Jury finden Sie in dieser Presseaussendung.