Das lyrische Ich::28

28.12.2012
tags: literatur

süchtig

Der Mann liegt neben der Frau. Er streichelt sie, wieder und wieder. Kann nicht anders als seine Hände stetig über ihre Haut gleiten zu lassen, angezogen von einer Sanftheit, die, als er sie das erste Mal berührt hatte, so unerwartet und überraschend gewesen war.
- Ich muss damit aufhören, sagt er, ich bin süchtig danach. Das wird gefährlich.
Die Frau lächelt.
- Was dich süchtig macht, sagt sie, ist, dass du das, wovor du dich anderswo fürchtest, bei mir nicht finden kannst. Überall sonst fürchtest du, was du suchst und gleichzeitig meidest. Bei mir bleibt dir nur das Suchen. Das macht dich süchtig.

September 2006

 

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