knoten. mein leben mit einer diagnose |1|

08.01.2018

als ich am abend des 2. jänner 2014 mit meiner tochter auf der couch saß, angeschlagen mit schmerzenden nebenhöhlen – ja die völlerei, eine der todsünden, lässt sich gerne auf der nasenwurzel nieder! – und zu nichts anderem mehr fähig als sinnlos fernzusehen, kreuzte ich meine arme schützend vor der brust. und war plötzlich hellwach, als ich ein ding ertastete, das bislang nicht da war, nicht bewusst wahrgenommen jedenfalls, kugelartig, etwa 2,5 cm groß. dass mich die gier, eine andere todsünde, mit ungewohnt exzessivem verlangen nach süßem schon über längere zeit verfolgt hatte, wurde mir erst nach der diagnose erklärbar.

da ist etwas, sagte ich unwillkürlich mit hörbarer stimme, das kind erschrak. meine gedanken rasten und schienen doch federleicht im irgendwo. nachts kein traum, keine beklemmung, ich lag unter dem dachfenster, doch ob da ein nachthimmel zu sehen gewesen wäre, weiß ich nimmer zu sagen. eines aber wusste ich: der nächste tag war freitag zwischen den jahren, das krankenhaus musste der erste morgenweg sein. der diensthabende arzt, kompetent und ruhig, wechselte rasch von ultraschall auf mammographie trotz rezenter untersuchung; wir einigten uns auf sofortige biopsie. wie ich die darauffolgenden tage verbracht hatte, ist in den archiven meines körpers verschwunden. 

montag war dreikönig, dienstag begann der postfestive alltag, am mittwoch 8. jänner 2014, vor genau 4 jahren, war die diagnose da. bösartige neubildung, invasives karzinom, Ki67 20%, Her2neu-score 0. damit war ich in einem anderen leben angekommen. wie sehr anders, manifestierte sich erst im jahr darauf in aller deutlichkeit.

 

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