Das lyrische Ich::10

10.12.2012
tags: literatur

Rom im November

Die Stare bilden Schwärme über ewigen Dächern,
ziehen Muster ins milde Blau.
Spätsommerwarmer Lufthauch öffnet Mäntel und Krägen,
über den Schanigärten liegt Zigarettenrauch.
Die Orangenallee der Via Barberini verharrt noch im Blassen,
auch bei Prada stöbern die Herren in gedämpften Tönen.
Vor der Villa Hassler eine Menschentraube, d e n Blick zu erhaschen, attore famoso!
An der Fontana di Trevi sehnt man ein Nacht wie bei Elsa und Fred.
Feltrinelli, Piazza Colonna, hält bis 22 Uhr offen,
Tschaikowsky liegt, ethnisch gelistet, beim C.
Der Taschendieb im 452er greift nicht tief genug in die Hose,
ich muss an Pasolini denken und die Peripherie von Rom.
Spigola und Rombo dann, zwischen Brokatwänden und Silberbesteck
bei den alten Herren hinter der Porta Pia,
der Gavi di Gavi macht den Weg in die Nacht
zu tänzelnder Kurzweil.

November 2006