samstag im krankenhaus

04.03.2018

der tag ist trüb, feucht und dunkel, gänzlich unziemlich für einen dreizehnten september. in den gängen ist es auch um neun uhr noch ruhig, die ambulanzen auf notfall geschaltet, die besuchszeit kommt erst. selbst die visite hat sich vom gesammelten weißkittelschwarm auf einen sanften wochenend-diensthabenden reduziert.

die bettnachbarin stammt eigentlich aus der wachau, arnsdorf. beim frühstück erzählt sie von früheren blindverkostungen im heurigen der nichte, 'geh du bist tiroler', sagten sie zu ihrem lebensgefährten, 'hol drüben wein', und immer stachen die vom rechten ufer jene der prominenten namen von drüben aus.

die blumenhändlerin, die ich beim meinl-espresso in der cafeteria treffe, fragt, ob ich aus dem burgenland sei, weil doch am op-tag ein strauß vom taubenkobel geordert worden war. die rosen in rosa-varianten halten noch immer, eine sonnenblume hat sich gestern dazugesellt, von einer alten schulfreundin, schwieriges verhältnis des auch schon alten verhältnisses mit meinem damalsmann und kindsvater wegen.

der bub kam abends direkt vom zug, strahlend, hat genau zum richtigen zeitpunkt die perfekte wohnung in wien gefunden, nach einem jahr familien-wg mit gelegentlicher anwesenheit von onkel, großvater und mutter eine befreiung!

ich lese mich durch sz und, eher widerwillig, weil mit der so aufgesetzt originell wirkenden sprache kämpfend, einen geliehenen krimi; freilich, ich könnte ja auch arbeiten, webfrei am airbook, damit es mich nächste woche nicht so strudelt, na vielleicht am nachmittag.

morgen kommt der doc, mein doc, auf dem rückweg von wien, um nach mir zu sehen, in seiner freizeit; 'so wie er schaut keiner auf seine patienten' sagt jene schwester, die selbst wie keine andere sich um die sonderwünsche kümmert und immer lacht.

so habe ich auch hier maßgeschneidertes #gegenkrebs essen, gemüseplatte nur halbfad (gewürze hatte ich ja mitgebracht), melone und manchmal toten fisch. mit den kulinarischen zuwendungen der freundinnen lässt sich so eine woche schon aushalten. nur die eingeschränkte bewegungsmöglichkeit beginnt zu nagen.
also auf, tief atmen am teich (wenn's grad nicht regnet) und dankbarkeit durch den ganzen körper rinnen lassen.

geschrieben im september 2014
und heute hervorgeholt: eine erinnerung  an die post-op-tage damals, die als notiz ganz versteckt auf facebook schlummerte

im jahr darauf war alles anders ... die metastasen sind seither sattelfest.

 

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