Krötenliebe

28.02.2017
tags: literatur

Alma, Kokoschka, Nähe und Ferne.
Versuch einer Annäherung an das Buch von Julya Rabinowich.

Alma Mahler-Werfel faszinierte mich schon als Jugendliche, ich las ihre Erinnerungen an Gustav Mahler und ihre Autobiographie, nahm alles für wahr. Erst viel später, in Konfrontation mit den Lebenserinnerungen meiner Großmutter, lernte ich jene Filter kennen, die Menschen einbauen in die Erzählungen über sich, um sich nicht selbst an sich zu stoßen. Mahler war neben Bruckner zu dieser Zeit meiner Jugend mein Lieblingskomponist, seine Musik fährt mir noch immer direkt in die Seele. Grund genug jedenfalls damals, mich in Alma zu vertiefen. Den Namen wählte ich mir viele viele Jahre später als Pseudonym in einem Chatroom, conalma wurde zu meinem ersten Blognamen, als portugiesische Seele.

Kokoschka hingegen gehörte meinen Eltern, vor allem auf meinen Vater schien er eine große Faszination auszuüben, so meine Erinnerung. Ich habe – wieder Jahre später – das Kokoschka-Museum in Pöchlarn besucht, die expressionistische Geste liegt mir. Mit seiner Person aber hatte ich mich nie näher beschäftigt. Doch dann kam Julya Rabinowich mit ihrer „Krötenliebe“ und erzählte mir neue Geschichten, Kokoschka-Geschichten, Alma-Geschichten, viel Faszinierendes, Grausames und doch auch Süßes, wiewohl trügerisch. Der „magische Transitraum Bett“. „Bitteres Vergessen im Genuss“, dieser bitteren „Süße des Lebens“.

Sie führte mich in die Welt des Biologen Paul Kammerer, eine gänzlich neue Figur für mich, tragisch verstrickt mit den anderen beiden. Der Krötenmann. Rabinowichs Verknüpfungen machen mich immer wieder atemlos, bringen mich auf Spuren zu mir, meinen getunten Erzählungen über mich. „Sich selbst Fürstin genug“ – auf mich angewandt: welche Anmaßung!

Die vielen Tode im Alma-Universum treffen mich mit mehr Wucht als mir gut tut. Täglich mit eigenem Sterben in ungewisser Zukunft unterschwellig konfrontiert, ertappe ich mich auch hier bei Rührseligkeiten, die den Blick und den Tag trüben. Ich habe die Puppe nicht erwähnt, sie ist mir fremd. Ganz im Gegensatz zu den Familientraumata. Doch das gehört zu meinen Erzählungen über mich.

Julya Rabinowich: Krötenliebe. Deuticke Verlag  ISBN 978-3-552-06311-2

Zu Paul Kammerer ist 2016 ein Buch von Klaus Taschwer erschienen.