Die Weingartenvielfalt (Terra Madre 2)

„Wein war gestern, Knoblauch ist heute!“ sagt Alwin Jurtschitsch provokant. Aber wenn Sie einmal aufmerksam durch die Weingärten zum Beispiel des Kamptales streifen, werden Sie sehen, dass die fein säuberlichen Rebzeilen, wo Weinstöcke und nichts anderes stehen, vielleicht auch noch mit bösen Herbizidspuren rund um die Stämme und magerem Grün dazwischen, der Vergangenheit angehören. Rosen, Bäumchen, Pflanzen aller Art beleben nun schon seit einiger Zeit die Weinlandschaft, das kommt freilich nicht von ungefähr. WeinGARTEN plus nennt sich das Projekt, das in Zusammenarbeit von Rober Paget (slow food Wachau), der Arche Noah in Schiltern und den Traditionsweingütern Österreich für neue Flora (und damit auch Fauna) in den Weingärten sorgt.

Was so neu ja gar nicht ist, eigentlich ganz natürlich und so immer gewesen, bevor die beginnende Industrialisierung und Vereinheitlichung auch die Weingärten zu ergreifen begann: denn da wuchsen Reben, Pfirsichbäume, Knoblauch, Kren und sonstige wilde Pflanzen in fröhlichen, einander befruchtenden Durcheinander in den Rieden, der Gemischte Satz war Weinstandard. Von der Reinsortigkeit werden die Winzer nicht mehr wegkommen, aber eine vielfältigere Nutzung der Rebanlagen ist auch so möglich. Für Robert Paget war es eines Tages die Erkenntnis, dass es nicht mehr möglich war, anderen als chinesischen Knoblauch zu bekommen: das setzte in ihm die Idee fest, sich doch seinen Knoblauch selbst anzupflanzen. Sepp Hirsch, der Vater von Hannes Hirsch, stellte eine kleine Fläche zur Verfügung, die Arche Noah hatte die Pflanzen, und so wuchs nach und nach dieses Projekt, das nicht nur auf die Vielfalt an alten Sorten und Pflanzen aus dem Arche Noah-Fundus zurückgreifen kann, sondern das auch mit den Mitgliedern der Traditionsweingüter über die notwendigen Flächen verfügt. Der Durchbruch kam mit einem alten Weingarten am Heiligenstein, den Alwin Jurtschitsch von seinem Vater bekam: mit alten Trockensteinmauern, die wieder restauriert wurden, mit  alten Rieslingstöcken - und nun eben auch mit Knoblauch, der händisch zu den Rebstöcken gestupft wird.

Was aus Knoblauch und Weingartenpfirsich, aus Quitten und anderen Früchten gefertigt wird, kann auf der Terra Madre verkostet werden, die Weine gleich dazu; es gibt auch eine sehr schöne Geschenksbox - und am Samstag 15.10. um 12 Uhr findet eine Schule des Geschmacks zu diesem Thema statt!