Paznaun, der Heilige Jakob und die Heidelberger Hütte

25.08.2010

Der Jakobsweg, so eine der Definitionen, sei ein Weg zu sich selbst. Wenn die Paznauner nun schon zum zweiten Mal einen Kulinarischen Jakobsweg vorschlagen, dann scheint der geradewegs zum eigenen Bauch zu führen.

Allerdings, was immer man für sich selbst als Definition findet - die Wanderwege zu den vier ins Projekt eingebundenen Alpenvereinshütten sind schon einigermaßen anspruchsvoll, ein wenig Schwitzen und Kämpfen gegen innere Hunde aller Arten bleiben da nicht erspart. Wundervolle Landschaft, die dem Gehen einiges an Erbaulichkeit hinzufügt, und spezielle kulinarische Genüsse, die über das Standardangebot der jeweiligen Hütte hinausgehen, sollten freilich reichlich Entschädigung bieten.

Ein paar Wochen hoffentlich strahlender Spätsommer- und Herbsttage ist ja noch Zeit, sich das ein oder andere Ziel zu erwandern und herauszufinden, ob der Inhalt des Projekts, die Zusammenarbeit von angestammten Wirten und internationalen Spitzenköchen sowie der kreativere Zugang in der Verarbeitung regionaler Produkte, hüttentauglich ist und dem Alltag am Berg standhält.

Die Heidelberger Hütte in wanderbarer Reichweite von Ischgl ist eines der vier Ziele und stellt eine Besonderheit dar, ist sie doch die einzige deutsche Alpenvereinshütte, die auf Schweizer Gebiet steht. Das idyllische Fimbatal, an dessen Ende die große Hütte liegt, wird nämlich aus etwas komplizierten historischen Gründen von der Grenze zwischen Österreich und der Schweiz regelrecht durchschnitten. Ganz schön kompliziert auch für Familie Huber, denn da direkte Anbindung nur ins Paznaun besteht, wird auch dort eingekauft - und das zieht mühsame Zollformalitäten nach sich.

Als Sohn Thomas es sich vor zwei Jahren in den Kopf gesetzt hatte, die Gastronomie auf dieser Hütte zu übernehmen, zog die ganze Familie mit. Der ältere Bruder, der im Winter bei Martin Sieberer im Trofana Royal kocht, hat im Sommer die Küchenleitung über, ihm wurde Ivo Adam aus Ascona, ein ehrgeiziger wie erfolgreicher junger Schweizer Koch, zugeteilt. Das gemeinsam erarbeitete Gericht der geschmorten Kalbsbackerl mit Brotknödeln und Bitterschokolade ist keineswegs Fremdkörper im an sich ganz traditionellen Speisengefüge, aber auch nicht gerade das am meisten bestellte. Denn, so Vater Huber, die meisten Gäste sind Mountainbiker, die diese ziemlich herausfordernde Route mit solcher Verbissenheit auf sich nehmen, dass ihnen weder Zeit zum Betrachten der durchfahrenen Landschaft noch Zeit fürs Essen bleibt. Schnell muss es gehen, eine Suppe, Pommes frites, vielleicht Salat, und schon wird weitergefahren, die Tagesetappen wollen vollendet sein.

Wenig Jakobsgedanken also, aber es gibt schon auch die gemächlicheren Wanderer, viele Schweizer vor allem, die das etwas andere Angebot der Sommer neuerdings zu schätzen wissen. Und wenn man sich Zeit nimmt, bevor man wieder ins Tal absteigt (man könnte ja auch übernachten heroben!), dann kann man dem Hüttenwirt einiges an Geschichten übers Fimbatal entlocken. Und ein Haselnussschnapsl trinken.

Detailinformationen:
Kulinarischer Jakobsweg
Heidelberger Hütte