ÖTW Erste Lagen. Notizen vom Preview Silent Tasting

31.08.2017

Die Kulisse von Schloss Grafenegg ist ein fast schon dramatischer Platz für etwas, das sich Silent Tasting nennt: eine Weinverkostung in aller gebotenen Konzentrationsstille. Die ÖTW, also die Österreichischen Traditionsweingüter, haben auch dies zur Tradition erkoren. Notizen zur Preview-Verkostung.

Intro: 1992 wurde der Verein der Österreichischen Traditionsweingüter gegründet mit der Zielsetzung, die herausragenden Weinbergslagen im Donauraum zu klassifizieren. Mit der „Klassifikation 2010“ wurde das erste Ergebnis der jahrelangen Analyse-Zusammenarbeit vorgestellt: 53 Weingärten als „Erste Lage“ gekennzeichnet. Die ÖTW mit den Appellationen Kamptal, Kremstal, Traisental haben die dreistufige Pyramide von Gebietswein über Ortswein bis zu Riedenwein vorbildlich umgesetzt und gehen damit konform mit den STK, den Steirischen Terroir & Klassik Weingütern, sowie den VDP Traditionsweingütern. Die Ersten Lagen der ÖTW machen 15% der Riedenwein-Spitze aus; an den Großen Lagen wird in den nächsten Jahren intensiv gearbeitet werden – die sind dann mit nur 5% die absolute Spitze.

Vor wenigen Tagen war es jedenfalls wieder so weit: die Verkostung der Ersten Lagen des Jahrgangs 2016 stand an, liebevoll „Silent Tasting“ genannt. Ganz so mönchisch ist es dann ja doch nicht, denn die Kommunikation mit den eigenhändig die bestellten Flaschen zu den Tischen schleppenden WinzerInnen wurde ja doch geführt. Perfekt eingerichtete Verkostungsplätze mit ausreichend Raum für auch elektronisches Gerät samt Steckdosen unterm Tisch, jedem sein Spucknapf, Zalto-Gläser – besser gehts kaum.

Ich hatte mich vorbereitet, mir jene Weine markiert, die ich auf jeden Fall kosten wollte; dass es dann doch weniger wurden, lag an meiner instabilen Gesundheitskraft. Teilweise gerieten meine Kurznotizen zu sehr persönlichen Eindrücken, Bewertungen zu notieren lag hingegen nicht in meiner Absicht – aus diesem Rennen habe ich mich verabschiedet. Doch für Michi Moosbrugger und vor allem die Winzer füllte ich doch die anonyme Extraliste aus, sie ist für deren Analysearbeit wichtig. Ich kostete nicht rebsortengetrennt, sondern nach Regionen und Weinbergen, Veltliner und Riesling also kreuz und quer. Bodenunterschiede, Winzerhandschrift – vieles lässt sich so herausschmecken.

Es gibt Lagen, die ich seit jeher liebe wie Seeberg, Kogelberg, Gaisberg, während Lamm oder Grub nicht so ganz die meinen sind. Doch so wie beim Heiligenstein zeigt sich: es kommt auf den Winzer an. Reicht das Gütesiegel 1. Lage also nicht aus, um die Qualität eines Weines zu bestimmen? Die Analysearbeit der Weingüter möcht ich jedenfalls nicht machen müssen! 

In meinen Beschreibungen bleibe ich deshalb an den Kamptal-Lagen hängen, weil diese die bekanntesten Namen tragen; da tun sich Kremstal und Traisental schwer. Und zitiere jetzt einfach drauflos aus meinen Aufzeichnungen, möchte nur ein Stimmungsbild geben dessen, was künftig von 2016 zu erwarten sein könnte – noch ist das, was ins Glas kommt, viel zu jung!

frucht und stein, wirkt federleicht, spielt mit salzigen noten, das verlangten nach dem 2. glas wächst, mit hellgelber steinfrucht ein wein zum spielerisch für sich trinken. (Hirsch Riesling Gaisberg)
pfirsich und bodenkraft, nur nicht lang rumspielen mit oberflächlichkeiten. länge, ausdruck, balance. kraft, ohne dass es des alkohols bedarf. (Bründlmayer Riesling Heiligenstein)
sehr gelbe nase, satter gaumen mit sofortigem mineralischem grip. rasse, zart fruchtunterlegt. lässt sich nicht beirren, ein wein, der einfährt. braucht noch jahre :) (Bründlmayer Riesling Heiligenstein Lyra)
blüten, reife gräser, bunt. am gaumen lässt er den weingarten bildlich entstehen; straff, gerade, ein klein wenig spielend, reizvoll, gut, um in gesellschaft getrunken zu werden. (Jurtschitsch Riesling Heiligenstein)
gelb, einladend,  viel frische und kühle, kernigkeit, inspiriert! bleibt haften. sehr fein, jetzt schon. nicht überlang, balance. (Brandl Grüner Veltliner Kogelberg)
hohe reife, holzton, sofort aber schießt mineralik daher. keine chance für frucht. so bleibt er auch, braucht noch viel zeit. (Bründlmayer Grüner Veltliner Spiegel Vincent)
marille, orangenblüten! viel frucht auch am gaumen, paart sich mit mineralik und straffheit, ein paarlauf von güte, elegante kraft ohne schwere. länge. (Bründlmayer Riesling Steinmassl)
vielfruchtig. vielviel, wäre da nicht der ausgleich durch den boden. und der dominiert dann hinten. kein tänzer, mehr ein schreiter. mit ordentlichen schuhen ;) (Loimer Riesling Steinmassl)
dichte frucht, sofort auch stein, komplex, kein gefälliger wein. länge mit mineralischem ausklang. doch auch die frucht bleibt haften! (Salomon Undhof Riesling Steiner Kögl)
steinobst, zuschlagend in aller eleganz. also in balance. einnehmend, very riesling. ja das wollen wir! (Fritsch Riesling Mordthal)
tiefe frucht. weich, geschmeidig. und doch die strenge präzision eines großen weines. keine langeweile, immer spannung. (Ott Grüner Veltliner Rosenberg)
Das ist nur ein kleiner und sehr subjektiver Ausschnitt dessen, was ich notieren konnte; ich werde hoffentlich nach und nach ergänzen können.  Was mir auffiel bei den Grünen Veltlinern 2016 (nicht so sehr meine Rebsorte wie der Riesling): eine unerwartet verführerische Blütenaromatik. Also kosten Sie, kaufen Sie und lagern Sie dann!

Ich danke der Sommelierunion Austria und den ÖTW für die Möglichkeit der Teilnahme an dieser Verkostung.

 

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