Sommerfest mit Machherndls

08.08.2017

Familie Machherndl lädt alljährlich zu Sommerfest, seit vier Jahren bereits. 2016 war’s ein heißer Tag gewesen, die Terrasse des Weingutes konnte voll bespielt werden. Mit einem Wetterumbruch wie am 6. August 2017 aber hatte niemand ernsthaft gerechnet, das war an den Kleidchen und Sandälchen, an den Shirts und Kurzhosen der Gäste abzulesen. Nutzte halt nur nix – Wind und satter Regen kühlten die Sommerlaune ordentlich runter. Aber da ohnehin Erwin Windhaber und Hartmuth Rameder mit von der Partie waren, spazierte die bunte Gästeschar über die Gasse ins historische Gebäude der Hofmeisterei in die barocken Räumlichkeiten des ersten Stockes.

Ja und dann – wurde gearbeitet. Ach Sie dachten, es handle sich um ein Fest-Fest? So mit Musik und Tanz und ein wenig Gelage und näherrückendem Beisammensein zu den späteren Stunden? Nun, zusammengerückt wurde dann auch, als die ersten vor Arbeitserschöpfung oder angesichts des zu bewältigenden Heimweges, auch um die mitgekommenen Kinderlein ins Bett zu bringen, die Gesellschaft verließen. Aber erst war die Arbeit zu tun.

Die Aufgabe: einen außergewöhnlichen Wein mitzubringen oder schon vorab abzuliefern, mindestens drei Flaschen oder zwei Magnums oder eine Doppelmagnum, damit es reiche für einen Kostschluck für jeden. Die Weine wurden von Erich Machherndl in zumeist Dreierflights arrangiert, thematisch gruppiert. Wer dachte, er könne locker den von ihm selbst eingereichten Wein entdecken, irrte fast immer. Die werte Gästeschar hatte sich offenbar ziemlich auf Riesling eingeschossen, die Flights mit dieser Rebsorte schienen kein Ende zu nehmen, so oft auch jemand „aber jetzt hamma Veltliner“ auszurufen versuchte.

Vielleicht mag auch die Anwesenheit von Stefan Steinmetz (mir eine persönliche Freude), Moselwinzern wie Daniel Vollenweider (den Namen kannte ich ehrlich gesagt bislang nur als Pedalharfenisten Andreas mit New Age-Attitüde) oder von Kollege Hulst vom Weingut Apostelhoeve aus Maastricht gelegen haben, deren eigenen Weine die Riesling-Front verstärkten, während Familie Donatsch etwas Malanser Raritätenflair beisteuerte. Mit einem großen Menü, das in seinen 7 Gängen zwischendurch auch untergebracht werden musste, wuchs der Abend zunehmend in seine nächtlichen Dimensionen.

Eine der großen Qualitäten eines Machherndl-Festes: das Zusammentreffen von Menschen, erst verbunden in der Leidenschaft für Wein, dann, wenn nicht ohnehin einander schon länger kennend, im Hineinwachsen in eine wunderbare Freundschaft. Etwas weniger Arbeit und dafür Ideen für Musik und Tanz wären freilich mein zusätzlicher ganz persönlich-eigennütziger Vorschlag für künftige Sommerfeste!

Die Guten fürs Kröpfchen

Zur Begrüßung auf der kalten, nassen Terrasse gab es Peter Lauer, Ayl (Saar) Réserve 88, degorgiert Juni 2017, wow! Und Crémant de Bourgogne Abbatia Blanc de Blancs 2014, Chardonnay und Aligoté. Außerdem noch Kostflascherl eines maischevergorenen Machherndl, 50:50 Grüner Veltliner und Muskateller, erst am Schluss minimal Schwefel zugesetzt. Trüb, saftig. rund, feinstes Aroma – ganz der meine!

Steiler Start, Riesling smart. Allesamt 2015 und die Reife gepachtet. Erst samtiger Smaragd Machherndl, Lage Kollmitz, samtiger Pfirsichhonig, 7,5 g RZ. Dann Vollenweider Wolfer Goldgrube, hochreif mit Salzigkeit, Butterkaramell – mit 8 g stecken geblieben, von ältesten wurzelechten Stöcken! Und schließlich Steilhangswein, Pfirsich und Mandarine, fruchtüppig mit gleichzeitig straffer Eleganz, mineralisch, rauchig, Säure und 7 g RZ. Stefan Steinmetz, Kestener Paulinshofberg. Mit 11,0% vol. der schlankste  der drei.

Flight 2 mit Klarstellung: wenn bei deutschem Wein „Terrasse“ auf dem Etikett steht, sind wir nicht wie in der Wachau an der Basis, sondern im High End-Bereich! Hell, zurückhaltend, jung mit Säure, nur langsam sich öffnend, von Steinmetz der Riesling 2016 Neumagener Rosengärtchen „von den Terrassen“ auf „tiefblauem“ Schiefer, wie er sagt. Beim dritten Glas springt das Aroma einen geradezu an, reife Frucht am Gaumen, Mineralik im Abgang, Länge: Maastricht! Apostelhoeve Riesling 2016, ältestes Weingut der Niederlande, Braunerde-Böden.

Flight 3: Solo für einen Wein. Rauchig-gereift, dunkelgelb, Süße und Salzigkeit zugleich. Die Offenlegung: 15 Liter! TB White, Chardonnay 2007. Thomas Burger hatte versucht, das marode Weingut der Eltern wieder hochzubringen, doch es wollte nicht funktionieren.
Erich Machherndl schob in der Folge so richtige Arbeitsflights ein: gleicher Wein mit unterschiedlichem bzw. ohne Schwefelzusatz. Bei 120 mg SO2 zeigte der Chardonnay die intensivste reife Frucht, no na ned ... ;) Oder unterschiedlich gelagerte Flaschen: liegend / stehend. Immer Korkverschluss. Aber wenn du nicht weißt, worum es geht, kommt nicht mehr als „einladende reife Frucht“ oder „interessante, reif riechende Pfirsichfrucht, Säure“. Es war Weißburgunder, der zweite der stehend gelagerte.

Flight 5 ließ nach zwei Chardonnays (der erste Marian Simcic 2012; geradlinig, salzig, stoffig, grüne Banane) mit einem Chenin Blanc von der Loire alle gespeicherten Geschmacksbilder vergessen: überreif, holzlastig mit 18% neue Eichenfässer. Domaine de la Taille aux Loups 2014 Clos de Mosny Monopole. An diesem Punkt beginnen die Aufzeichnungen immer dünner zu werden, dabei waren es erst 13 Weine bislang; die Akustik im alten Gemäuer erschwert die Informationsaufnahme, und gegessen will auch werden.

Flight 6, endlich Veltliner? Wieder nix. Sylvaner! Paul Weltner Rödelseer Küchenmeister 2016. Reife Nase, Salzigkeit, Spannung, saftig, ein einziges Vergnügen und einer der Weine, die ich wirklich mochte. Noch ein Sylvaner, 2015 Sulzfelder Sonnenberg vom Zehnthof Luckert, Bio. Und dann KEIN Sylvaner, sondern reif, an Banane erinnernd und doch von zarter Eleganz, Filippa Pato. Bical und Arinto, Bairrada D.O.C. 2015. „Sem Maquilhagem“ steht auf dem Etikett, ohne Make-up. Passt wunderbar zum Seesaibling aus Wildkultur mit leicht geräucherten Erdäpfeln und famoser Orangenbutter! Wohlweislich in der Menüfolge vorgezogen vom aufmerksamen Hartmuth Rameder.

Und dann kam als Flight 7 endlich Veltliner. No.2 war ganz der meine (ohne zu wissen wie was woher): angenehme Süße in der Nase, ausgeruht, Länge. Geschmeidigkeit und Struktur. Was war’s? Tatsächlich Veltliner, Looos 2013 Kamptal Reserve, das Klimek-Buchegger-Projekt. Meine letzte Flasche 2011 hatte ich 2 Tage zuvor ausgetrunken, als er grad erst richtig in Schwung kam. Von den anderen beiden Weinen keine Bilder, nur sparsamste Notizen. Nummer 2 der hellste der Runde, Säure, Kraft, anregend. 2013. Nummer drei fiel durch. 

Flight 8 beginnt dunkelgelb im Glas. Ungeschwefelt. Marcel Deiss 2010 Gruenspiel, Riesling, Pinot Noir und Gewürztraminer vom Sandstein. Und dann (endlich meiner! war zu hören), gereift und doch luftig, die Frucht kommt mit der Luft, der ganz normale Riesling Zöbing Hirsch 2006! Sehr beeindruckend, diese Lagerfähigkeit. Mit Drehverschluss! No.3 entpuppt sich als deutscher Riesling, der polarisierte. Ich nahm ihn wahr als gereift, aber mit schöner Säure, die von leichtem Karamell balanciert wird, voller Eleganz und herrlichem Trinkfluss. Dr. Bürklin-Wolf Wachenheimer Gerümpel 2007, da hatten einige schon mit dem Namen so ihre Schwierigkeit ;)

Flight 9 und des Rieslings kein Ende; langsam stellt sich der Kampf mit der Säure ein, da nützen auch Flußkrebsravioli mit glasiertem Kalbsbries und Karfiolcreme nichts. Oha, No.1, reife Nase und ordentlich Süße am Gaumen – mit 15% kein Leichtgewicht: Heymann-Löwenswtein Uhlen 2009 R „Roth Lay“; da müssen so wie beim etwas an Speck erinnernden Riesling Smaragd Achleiten 1992 der Domäne Wachau (damals kam man noch mit 13% aus!) schon die Hendlherzen samt Steinpilzen und Salzzitrone im Pergament herhalten! Daniel Vollenweiders Wolfer Riesling 2015 sprang mit heller Säure und Fruchtkraft locker nebenher.

Runde 10 waren die Steh-Liegeversuche mit Weißburgunder; es wird langsam mühsam. Flight 11 hat ein zu entdeckendes Thema, das sich als „heißer Jahrgang“ herausstellt. Wenig Gemeinsamkeit darüber hinaus: No.1 Toros Friulano 2015, No.2 Hellers Wiener Zuckerl (kennt kaum mehr wer) mit Säure, am ehesten Ananas; es ist Machherndls Weißburgunder Kollmitz 2015 mit nur 1g RZ! Süße Drops im Hochrain 2009, wessen bloß?

Mein Schwächeln nimmt kurz ein Ende, endlich Rot! Flight 12 startet mit tiefdunkler, rubinvioletter Fruchttiefe – „meine“ Josephine von Gut Oggau 2011, die Doppelmagnum 2015 bei der Versteigerung zugunsten des Integrationshauses ersteigert. "Rot" steht auf dem Rückenetikett, keine Rebsortenspezifikation. Zweigelt und Blaufränkisch werden vermutet, doch es ist  Rösler.

Die Dame hat für mich nichts an ihrer Faszination verloren, auch wenn einige meinen, dass sie auf einmal wie die Glawischnig ausschaue. Zweite rote Großflasche: rubingranat, weich, gereift, saftig, mit Grip – NullNeun Blaufränkisch Cuvée 2009. 100% Blaufränkisch aus den besten Fässern der Deutsch-Schützer Sixpack Winzer. Perfekt mit seinen 13,5% und absolut regionstypisch. Große Freude also zum Demeter Ochsen vom Tiroler Grauvieh mit Artischocken, knusprigen Schalotten und schwarzem Knoblauch.

Flight 14 beschert wieder weiß in gemischtem Programm. No.1 der Grüne Veltliner Ried Ladisberg 2015 von Markus Altenburger, der erste Jahrgang! Auf Leithakalk gewachsen, auf der Maische in Beton und Holz ausgebaut. No.2. irgendwie seifig, ein Muscadet Sèvre et Maine von kreidigen Böden, 21 Monate Ausbau auf der Domaine de l’Ecu, die seit 1998 biodynamisch nach Demeter arbeitet. No.3 dann noch spezieller: Completer Spätlese 2015, erfrischend und rassig. Die Rebsorte wird auch „Malanserrebe“ genannt, ist eine autochthone Urrebe in der Bündner Herrschaft. Weingut Donatsch „Zum Ochsen“, Malans.

Auch Flight 15 wieder weiß; rauchig, Feuerstein und Säure, die Frucht kommt mit der Luft: No.1 Warwick Professor Black Sauvignon Blanc aus Südafrika, Coastal Region an den Hängen des Simonsbergs. No.2 in der Großflasche Czamilla, Sauvignon Blanc vom Czamillonberg 2013 aus dem Hause Polz. Säure und alkoholische Kraft, der Jahrgang ist da.

Flight 16 bringt das endgültige Schwächeln zum Vorschein, eine Runde Riesling mit nicht mehr als 2010 / Hirsch 2000 / Machherndl 2014 notiert. Flight 17 immer noch weiß, No.1 sehr reif und kraftvoll, Nikolaihof Im Weingebirge 2006! No.2 ein frischer Grüner Veltliner, Steininger 2011 Grand Grü, und mit Honigkräuterzuckerl-Noten No.3 die Riesling Reserve 2010 von Gritsch Mauritiushof. Mehr schaffte ich nimmer, es ist wohl noch länger weiter gegangen, zusammengerückt.

Im aufwändigen Menü aus Erwin Windhabers genialer Küche gab es als Einstieg Eierschwammerltatar mit Knoblauchbrot und Eierspeis sowie Weiße Paradeisersuppe mit Basilikumflan und zu süßer Letzt die Marillen-Créme Brulée mit großartigem homemade Müsliriegel!

Weingut Machherndl

 

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