Wein-Adventkalender ::7:: Blaufränkisch vom roten Hang

07.12.2014

Vom Roten Hang kennt man normalerweise Riesling. So jedenfalls habe ich es vor Jahren im Weinakademie-Seminar gelernt. Doch auf einmal tauchten Stimmen auf, die von einem vorzüglichen, exzellenten Blaufränkischen dort redeten. Von jenen Parzellen, die für den Riesling zu heiß geworden waren; die Klimaveränderung tut ihr Werk. Es bedarf freilich eines findigen Winzers, daraus Gutes zu holen: Felix Peters ist der Mann hinter dem Wein!

Seit 2006 ist er am Weingut St. Antony in Rheinhessen tätig. Ein Mann mit Visionen, in Blaufränkisch auch deshalb geschult, weil drei Jahre auf Schloss Halbturn derlei Spuren hinterlassen können. Weshalb er auch mit Klonen aus alten Populationen und alten Mutterweingärten in Österreich arbeitet und nicht mit württembergischen, auf eine einzige Genetik reduzierten Lemberger-Klonen. Also zum Beispiel Südburgenland, Reihburg. Oder Mittelburgenland, Dürrau. Auf alte Unterlagen mit hoher Pflanzdichte gepfropft. Vergoren im Edelstahltank, gereift in gebrauchten Barriques auf Voll- und Feinhefe. Eigenständiger Charakter durch die roten Schieferböden; selbst Parzellenunterschiede weiß Felix Peters zu definieren. Die Wahl von Blaufränkisch hat nämlich mit der Fähigkeit der Rebsorte zu tun, immer für jeweilige Standort-Authentizität zu stehen.

Definitiv ein nobler Roter. Aus Deutschland. Ja, das schmeckt auch in Österreich. Wir haben diesen Blaufränkisch 2012 nicht in Isolation verkostet. Nicht nach möglichst abenteuerlich klingenden Aromennuancen gesucht. Sondern da hingestellt, wo ein Wein zu sein hat: auf den Esstisch. Und getrunken. Zu zwei vorzüglichen Gängen von Benny Parth. Waldschnepfe und Reh. Selbst zu den bekannt intensiven Saucen – Pedro Ximenez zur Schnepfe! – bestand der Wein. Ein dunkler Blaufränkischer, der mit enormer Frische überrascht. Rund und gleichzeitig sehr wach, mit Tiefe, viel Pfefferwürze, Heidelbeeren, Laub. Präzision, über den Gaumen tanzend, eine Primaballerina mit Muskeln. Er riecht nach Österreich, sagen die Mittrinker. Weißer Pfeffer, erfrischende Frucht, pfeffrige Geschmeidigkeit, wie rauer Samt. Zum Essen bleibt die Säure als belebende Kraft im Hintergrund. Das Beste, was einem bei Wein passieren kann: weitertrinken wollen. Aber irgendwann ist die Flasche leer …

Erhältlich bei K&U um € 16,00
Dank an Sarah Falch und Peter Ladinig für vorzüglichen Weinservice, an Benny Parth für das herrliche Menü, an Maria, Alfons und David Parth für Gastfreundschaft und Tischgesellschaft im neu gestalteten Yscla-Stüva!

 

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