Eselböcks Herbstselektion – sans chichi!

24.10.2014

Evelyn Eselböck und Eduard Tscheppe machen sich regelmäßig auf die Suche nach Weinen, die es nicht überall gibt, die vielen gefallen könnten, doch die auch die höchstpersönlichen Ansprüche an Qualität erfüllen. Weshalb sie auch immer sehr anders sind als das, was fröhliche Weine für jeden Tag (Zusatzbonusqualität: preislich moderat) gemeinhin ausmacht: die ihren sind vorzugsweise aus biodynamischer Bewirtschaftung, hochgradig naturbelassen, aus handwerklicher Produktion. 

In der Herbstselektion sind drei Franzosen aus dem Süden bzw. Südwesten zu finden: weiß aus dem Roussilon, rot aus Languedoc und noch mal rot aus Cahors.

Maccabeu 2013
Domaine Ledogar, Roussillon  € 14,99

Keine Angst vor jungem Jahrgang: dieser Maccabeu (bei dieser Rebsorte habe ich immer die Aussprache von Dominik Huber aus dem Priorat im Ohr: „makabö:“) ist ein herrlicher Schmeichler und ein geschmeidiger Herbstweißer. Mit nur 12% lädt er geradezu ein zu mehr als nur Kostschlucken; reife Blüten in der Nase, viel gelbe Frucht, feiner Zitrus und überraschende Säure, saftig und dank einigen Gerbstoffes auch immer anregend, so gefällt Weißwein aus dem Süden. Über vier Tage verteilt getrunken, blieb die Frische bis zuletzt präsent, eine feine Würze tat sich zunehmend hervor, alle Komponenten fügten sich immer harmonischer zusammen, unaufgeregt, smooth, süffig. Schmeckte zu Karfiol, funktioniert auch mit scharf Gewürztem. 

Das weit 4 Generationen existierende Weingut von Familie Ledogar nahe Carcassonne wird seit 10 Jahren von Xavier und Mathieu biodynamisch bewirtschaftet, als Arbeitskräfte wurden auch Pferde und Esel eingestellt ;). Auf 22 Hektar ist die ganze Sortenvielfalt des Roussillon zu finden.

Sans Chichi 2010
Cosse Maisonneuve, Cahors  € 13,99

Sehr dunkle Farbe und viel dunkle Süße, das ist der erste Eindruck. Und viel Gerbstoff. Na ja, das ist Cahors, auch ohne Tannat, sondern mit Merlot und Malbec. Geben Sie dem Wein Luft und Zeit, denn er zeigt dann gerne seine saftig-fruchtigen Seiten: Brombeere, Zwetschke, etwas Kokos, dunkle Beeren; dazu das Spiel aus dem Fruchtweichen und dem Gerbstoffkantigen, sehr anregend, salzige Noten, feine Säure, passt zu scharfer Tomatensuppe ebenso wie zum Zwetschkenknödel. Schräg, finden Sie? Na ja, das war das, was die Freundin gekocht hatte ;) Und mit den Fruchtknödeln war der Wein auch viel weicher; als Solist ist er dann doch eher von der ganz straffen Art.

Weinmacher sind Catherine Maisonneuve und Matthieu Cosse, die seit 1999 auf inzwischen 17 Hektar biodynamisch mit vorwiegend Malbec, aber auch Merlot, Gamay und Cabernet Franc arbeiten. 

Léandre 2011
Domaine Adéléandre, Languedoc € 19,99

In der Blindverkostung unter Sommeliers waren viele bei Cabernet Franc von der Loire. Ziemlich kühle Ansage also für diese Cuvée aus Cinsault und Carignan, die im ersten Moment mit derb-erdigem Geruch, etwas Gummiabrieb, Teer und etwas Brett nicht gerade die einladendsten Aromen verströmt. Doch wenn man das mag, dann ist es ein Wein zum Hineinfallen, mit Luft kommen die Fruchtnoten: wilde dunkle Beeren, Zwetschke/Pflaume, Hollerkoch, reife Erdbeere, Schlehe, ein Wechselspiel aus süßen und herben Früchten, fermentierter Tabak. Dunkel, rund und weich am Gaumen, fleischig und erdig, viel Würze, gute Säure, etwas alkoholischer wirkend als er mit seinen 13% ist. Wilder Wein für Wild in jeder Form!

Der schöne Name der Domaine assoziiert ein Zwitterwesen, tatsächlich sind darin die Kinder von Sébastien Abonneau vereint. Biodynamischer Anbau auf 1 Hektar nahe Montpellier, das ist wahrlich Kleinproduktion; alte Rebstöcke, einige so um die 70n Jahre; außer Cinsault und Carignan wächst hier auch Grenache. 2007 war der erste Jahrgang dieses Quereinsteigers, der zweite Wein heißt, ganz logisch, Adèle. 

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