Wurst, Gin, Löchl.

20.05.2014

Der Lifeball ist wieder für 1 Jahr Geschichte, Gaultier traf Conchita (zumindest wurde dies von den ORF Kommentatoren als sein Wunsch kolportiert), und auf dem Laufsteg tummelte sich mehr als nur ein Phönix. Dass auch ein Tiroler Wirtshaus vom Wurst-Hype profitieren und etwas Conchita-Glamour in die dunkel getäfelten Stuben bringen will, ist nur zu verständlich, zumal das Team des Auracher Löchl in Kufstein ohnehin für Extravaganzen bekannt ist.  

3 Wurst-Gänge auf Bestellung also, Tanzmusik für den Gaumen, so zumindest ist diesen Conchita Wurst-Special angelegt, sehr im Gegensatz zu den üblichen Deftigkeiten, die beim allerdings vorzüglichen dry aged beef eher in den Beilagen für Unersättliche bestehen. 

Wie auch immer, Küchenchef Alfred serviert Apfelradel, Blunzen und Scampi auf Krautsalat, geselchte Bratwurst auf Zwiebelpüree sowie Schoko-Salami in Erektions- und Konfetti-Stilistik zum wirklich mehr als guten Preis von € 18,88; wer dazu auch noch den ConGINta Cocktail, eigens von Stollen 1930* Barchef Tom entworfen und mit Wassermelone, Limejuice, Cranberry Saft und – gewagt, gewagt – gebratenen Speckstreifen (verzichtbar, aber irgendwie geht doch immer alles zusammen) um € 8,88** gestellt, der spendet genau diesen Betrag an die HOSI Wien.  

Wie viele Tiroler Lederhosen sich für diese Schwulenorganisation erwärmen können, sei dahingestellt; das Menü selbst ist eine nicht nur kecke, sondern auch durchaus wohlschmeckende Alternative im Löchl-Standard. Eine Chorizo-Bohnensuppe hätte es auch noch gegeben, aber viel ist hier einfach wirklich viel, das gilt auch für die selbst handgefertigte Schokosalami. 

Blut- und Bratwurst erfahren einiges an Verkleidung, gegen die Fleischpracht der üblichen Gerichte hier eine geradezu delikate Etüde. Statt Bart trägt die in Apfel gehüllte Blunzen halt Scampi-Hörndl, zwischen vorzüglichen himmelwärts ragenden Bratwurststückerln machen Saucerln einen auf Konfetti-Regenbogenparade. Will das der gemeine Wirtshaus-Gast und Conchita-Fan? ist die Frage, die man sich in den dunklen historischen Stuben der dunklen Römerhofgasse unterm Festungsberg gar nicht stellen muss, wird doch das Paket nur auf Bestellung serviert. Der Küchenchef hat seine Freude dran, eine gute Tat ist auch damit verbunden, und die Herren Hirschhuber und Gasteiger haben ihre Presse. 

Laut Falstaff hat ein Metzger aus Tom Neuwirths Heimatort Bad Mitterndorf inzwischen alle Hände voll zu tun, die Nachfrage nach der schon vor Jahren kreierten Conchita-Wurst zu befriedigen. Vielleicht ließe sich aber doch eine Kooperation mit Kufstein starten?

*Viel Pressewirbel gab es für die Eröffnung der weltweit größten Ginsammlung im Stollen 1930 direkt im Haus unterm Festungsberg. 313 verschiedene Sorten sind es derzeit, kombinierbar mit einer Vielfalt an Tonics und vom kreativen Barteam auch täglich zu neuen Cocktails gemixt. An der Erweiterung wird gearbeitet – im Auracher Löchl trägt man Ambition!

** All die Achter – Zeichen für Unendlichkeit – sollen dem Vernehmen nach das Glück für Mme. Wurst vermehren.