Umstandsessen #gegenkrebs #Tierfreitag

28.03.2014
tags: essen, kochen

Besondere Umstände erfordern besondere Maßnahmen. Der Schwere der Diagnose setze ich die Leichtigkeit des Seins im Genuss entgegen, eine seit jeher praktikable Methode bei jeglicher Art von Lebensschwere. So trifft es sich gut, dass wissende Köche und Ärzte in meinem Freundes- und Bekanntenkreis für solch besondere Umstände mit ihren wertvollen Ratschlägen nicht hintanhalten: Glykämische Last vermeiden! ruft der eine, ich google und lande bei der Erkenntnis, mich von Kohlehydraten und Zucker fern zu halten. In ihrer bösen Form. Kurkuma! lässt der andere, ein Gewürzexperte, verlauten, nichts besseres als das!

Mein Gaumen legt mir ohnehin forciertere Geschmäcker nahe, ich konstatiere veränderte Sensorik und Lust. Und kaufe ein: Bio-Kurkuma als Pulver und als Wurzel – eigenes Messer und Schneidebrett sowie Handschuhe seien für tägliche Anwendung empfohlen! Sternanis, Schwarzkümmel, duftender scharfer Paprika. Leinöl und Rapsöl, bio und Kleinproduktion – das Hirn braucht Fett, Ersatzstoff für den Entzug von Kohlehydraten. Das Chemo-Gift in meinem Körper macht mich benebelt genug: chemobrain oder chemofog heißt das, belegterweise; diesen Zustand muss ich nicht willentlich verstärken. 

Was ich vor allem kaufe: Gemüse. Gemüse Gemüse Gemüse. Ohnehin seit jeher von mir mehr geliebt als Obst, wird es zum Hauptbestandteil meiner Mahlzeiten. Das Eiweiß liefern Hülsenfrüchte und Nüsse, der Verzehr von Mandeln wird zur Manie. An Fisch, vor allem aus dem Meer, läge mir viel, doch guter (nach meinen Kriterien) ist selten in den Bergen, ich traue vor allem der Frische nicht; die Eismeersaibling/Alpenlachs/Kaltwasserforellen-Alternative ist im kleinstädtischen Ambiente genauso wenig spontan verfügbar. Also tobe ich mich aus in Sachen Gemüse. Lustvoll, oft auch gewürzintensiv, auch die Winterkargheit schreckt mich nicht.

Eine solch famos vegetables Genussleben legte den Gebrauch des V-Wortes* nahe (V-Ernährung wurde mir ja auch von spezifischer Kochseite nahegelegt), doch es wäre mir weder früher und schon gar nicht jetzt in den Sinn gekommen, mich damit zu „schmücken“. Vielmehr danke ich meiner Kollegin Katharina Seiser, die geniale Idee zum #Tierfreitag gehabt zu haben: denn tierfrei sind viele meiner spontan aus dem Handgelenk geschüttelten Rezepte ganz ohne Plan und Absicht.

Wer für sie allerdings ein man nehme erwartet, den muss ich enttäuschen: Spontaneität in der Zubereitung ist meine Stärke, und manchmal schmeckt das auch richtig gut! Zum Beispiel:

Salatherz
in Olivenöl gebraten, mit Kurkumawurzel, Radieschenscheiben (erste Tiroler Radieschen), Pfeffer (Kurkuma braucht Öl und Pfeffer, um auch wirklich wirkungsvoll verfügbar zu sein!), Cedro. Kurz abgelöscht mit einem Tropfen Balsamapfelessig, zuletzt mit etwas Rapsöl beträufelt.

Cedrosalat
mit Stangensellerie, Fenchelpollen (Pinterits), Pfeffer, Leinöl. As simple as that.

Zweierlei Fenchel
als Salat mit Orangen-Rapsöl-Verjus-Dressing und in Rapsöl gedünstet mit Kurkuma, Ingwer, Sternanis, Paprikarestl, Pfeffer, Fenchelpollen.

Wirsing farbenfroh
mit rotem Spitzpaprika, orangegelbem Paprika, Kreuzkümmel, Waldviertler Kümmel, Schwarzkümmel, Kurkuma, Pfeffer, Rapsöl, ein Schuss Saft von Bio Halbblutorangen (so waren sie tatsächlich angeschrieben im Biohof!).
Das mit den Farben hat mir eine benachbarte Malerin in den Kopf gesetzt: ihre Arbeit bei einem Malkurs mit an Krebs erkrankten Frauen habe gezeigt, dass Dunkelblau und Beige (schon klar, am Körper getragen) sich ungünstiger auf die Prognose auswirken als kräftige Farben wie Orange, Rot, leuchtendes Gelb … Schwarz stünde für Erdung, meinte sie. Was also spricht dagegen, auch leuchtend bunt zu kochen?

Zuckerhut
in Rapsöl gebraten mit Schalotten, feinen Karottenscheibche, Kurkuma, Petersilie, Pfeffer. Ich liebe Bitter.

Fagioli con Sedano
Pasta e Fagioli hab ich früher für die Kinder gerne gekocht. Pasta fällt derzeit aus, also gab es Fagioli nur mit Stangensellerie und Tomatensauce. Dafür ist Habanerochili drin, Olivenöl diesmal, ein Hauch Bio-Oregano, Pfeffer, Kurkuma dezent.

Für die Komplettheit der Angaben kann ich nicht garantieren, es gibt keine Niederschrift. Salz ist natürlich in jedem Gericht, und da und dort vielleicht auch noch Habanero, die hatte ich zuletzt immer daheim. Dennoch: Bon Appétit!

*V=vegan. Nein, keiner bringt mich dazu, so definiert zu essen. Never ever. Aber das wäre eine andere Geschichte.

 

Kommentare  

# Sunny 2014-07-15 07:42
Inge alles alles gute und lass bloß das rapsöl weg!
Antworten
# katha 2014-03-28 23:08
danke, dass du dabei bist!
ich find' die salat- bzw. gemüse-/hülsenf ruchtkombis sehr attraktiv, wurscht ob tierfrei oder gegenkrebs oder whatever!
Antworten