McToni im Gatsch

24.11.2011
tags: salon

Ja, natürlich ist das polemisch, aber weil ich den Toni Mörwald seit seinen ersten Schritten mit eigener (Gerer)Handschrift in Feuersbrunn kenne und er außerdem eine Person des öffentlichen Lebens ist und nicht einfach „nur“ ein Koch, kann ich das, was da mit dem McDonalds-Engagement wirksam wird, nicht einfach so übergehen. Es ist mir ehrlich gesagt wurscht, ob ihn die Geldnot antrieb oder was immer noch Beweggrund gewesen sein mag - ich sehe vor allem ein falsches und unverantwortliches Signal eines Mannes, der doch um die Geschmacksschulung des Landes bemüht sein sollte - Stichwort BÖG-Präsident. Zum Beispiel Kinder lehren, wie sie sich mit wenigen Griffen ein schmackhaftes Essen selbst zubereiten, anstatt den Eindruck zu erwecken, dass System-Fast Food Qualität haben könnte.

Diesen aber nützt McDonalds in seiner Hauben-Kampagne schamlos aus, gestern kam mir zufällig der TV-Werbespot unter. Doch genau da fehlt es, bei der Qualität. Da hilft kein Verbrämen mit McTafelspitz und Surf&Turf, auch mit ein bissl Sesam drauf wird das Brot nicht knuspriger und das Fleisch nicht saftiger. Vor allem wenn die Zubereitung so beiläufig und lieblos geschieht wie zum Beispiel in der Filiale Innsbruck Altstadt.

Klebrig - glitschig - gatschig
Im komplett flachgedrückten Laber ein Riesenteller total trockenen Fleisches (Kinder, kommt und sehet, Tafelspitz so gehet...), der Salat eine lächerliche Ansammlung von groben Eisbergstückerln und ein paar Alibi-Karottenfäden, die Röstischeibe ist eine gatschige Angelegenheit; nur die Apfelkrensauce bewirkt so etwas wie ein leicht differierendes Geschmackserlebnis - aber die Größe des Burgers und die Schichtung der Zutaten macht ein dezentes Essen gänzlich unmöglich, alles glitschte auseinander, schon nach 2 Bissen klebten Mund und Hände. Geschmack? Null. Wie die Kuriermannschaft zu teilweise doch so vorsichtig wohlwollenden Befunden kommt, erschließt sich mir nicht wirklich, aber vielleicht arbeiten ja die Migranten an den Turntables Grillplatten im Osten motivierter als die Innsbrucker Kollegen im niedrigen Gewölbeschlauch.

Der zweite Versuch in Kufstein (Surf&Turf) sah zwar rein optisch etwas vorteilhafter aus, das Weckerl nicht ganz so gequetscht, das Fleisch einen Hauch rosig, aber ohne Fleischqualität dahinter nützt das gar nichts. Die Garnelen, ohnehin schon in ihrer kreisrunden Fix&Fertig-Form, viel zu glasig, das ist ja keine Frischfang-Qualität, dürfen die so sein? Und Eisberg statt der angekündigten Rucola, das rosige Fleisch zwar erträglich im Biss - will heißen es bröselt ein bissl weniger als wenn es durch wär, ist aber von schmackhaft weit entfernt; dass es erstaunlich wenig gewürzt ist, könnte man ja schon fast als Mut zur Offenlegung deuten. Die möglicherweise für Geschmack zuständige Sauce tropft rasant aus dem Burger, die schon bekannte Verschiebung tritt auch hier ein, die Tomaten bleich und die Gurkenscheiben schlichtweg grauslich, alt wohl. Dass so ein Trumm € 6 kostet, ist wahrlich eine Zumutung.

Was man also eh vorher schon wusste - dass so schnell Dahingeknalltes nicht gut sein kann, und der ganze Marketing-Zinnober eine unverfrorene Frozzelei ist - bestätigt sich im masochistischen Selbstversuch. Und lässt einen Spitzenkoch, der eigentlich etwas für die heimische Esskultur tun will (das unterstell ich ihm jetzt einfach), ganz schön im Gatsch stehen.