Der Blaufränkischmann: Thomas Schwarz

30.11.2011
tags: winzer

Rohrwolf und Eisner sind Weltklasse, die überfordern den österreichischen Markt. Solche starken Sprüche sind bei Tom Schwarz keine Seltenheit, mit ihm verkosten zu dürfen ist schlicht ein allsensorisches Vergnügen. Mit Markt meint er wirklich den Markt und nicht eine Handvoll auserwählter feiner Gaumen, die auch zu verstehen imstande waren (und noch sind), was da passiert(e), denn der Spruch bezieht sich auf den Jahrgang 2006; Rohrwolf und Eisner sind zwei Lagenblaufränker, die vom Start weg durch ihr markantes, kompromissloses Wesen auffällig wurden. 2006 war die 0-Linie, sagt er, da gab es später auch eine Verkostung dazu, Blaufränkisch gegen Elio Altare, in der seine Weine sogar gewonnen haben, die derben Hund werden die Gewinner sein! Auf dem Tisch steht aber Jahrgang 2009, vor kurzem erst gefüllt, der Tisch steht bei Max Stiegl, der ein wilder Hund sein kann, wenn es ums Kochen geht.

2005 hat Thomas Schwarz angefangen, biologisch zu arbeiten, ein bissl blind, wie er selbst eingesteht, und ist damals auf die Goschn gfall‘n. Aber mit etwas Organisieren wurde es dann schon, man muss halt schauen und beobachten, kapieren, wie die Pflanze denkt, wie sie von selbst arbeitet oder nicht. Es gelingt, wenn‘st a G‘fühl für die Pflanzen hast, was a Bledsinn is oder ned. Manchmal wünscht er sich, er hätte früher damit angefangen, aber das wäre ohnehin nicht so einfach möglich gewesen, das ging erst nach der Übernahme des Betriebes, mit 2005 eben. Und Hand in Hand mit der Arbeit im Weingarten ging auch jene im Keller: seit 2004 nur mehr mit eigenen Hefen bei den Rotweinen, ohne Heizen und Kühlen, die Vergärung erfolgt je nach Wein in Bottichen, offenen Holzgärständern,Tank. Und die Standzeiten haben sich von zwei Wochen auf 79 Tage gesteigert, der Saft bleibt so lang auf der Maische stehen, bis ma‘s zwida is. Untergestoßen wird nur bei der Hauptgärung, und die braven Weine gar nicht, wegen des unnötigen Gerbstoffes, den es zu vermeiden gilt. So kommt der Wein dann ins Fass, da muss er nur liegen und es passt.

Bereits das zweite Jahr wurde schon mit Verwirrung in den Weingärten gearbeitet, ein Quantensprung - man ist die Botrytis mit einem Schlag los! Die Perhomondrähte erzeugen eine Pheromonwolke, die den Männchen erzählt, dass hier lauter Weibchen seien - und so finden die Männchen die echten Weibchen nicht. Bei so einem betreuten Traubenwickler gibt es keine Eier, also keinen Wurm, also keine Botrytis. Und überhaupt legt der Sauwurm die Eier nicht auf dem Blaufränkischen, der sitzt ihm zu locker, sondern lieber dort, wo‘s verzwickt ist, wie bei Grauburgunder, Weißburgunder, Chardonnay oder Zweigelt, da wo kein Licht ist und er geschützt vor Sonne und Temperatur ist - und dorthin kommen auch die Spritzmittel nicht.

Deshalb aber zu unterstellen, der Blaufränkische sei ihm die leichtere Arbeit, wäre ein Irrtum. Denn so einfach macht es sich der Herr Schwarz nicht. Schon gar nicht in den Lagen. Von Rohrwolf und Eisner gibt‘s in g‘schissenen Jahren vielleicht nur 500 l, sagt er, aber die Linie möchte er, in 10 oder 20 Jahren, schon einmal aufgestellt wissen. Im Zuhören kann man sehen, wie er die Jahrgangsschwankungen liebt: 07, 08 waren recht garstig, von 05 will i gar ned reden, der war bestialisch! Wobei das Garstige und das Bestialische einfach die gnadenlosen Gerbstoffe sind, die von keiner Fruchtkonzentration und keinem Alkoholgedröhne überspült werden; da darf Säure stehen, da dürfen Kanten und Ecken ans Zahnfleisch stoßen, das hat alles eine Lebendigkeit, die ein Bequemtrinker erst einmal aushalten muss! Und alles gilt natürlich für alle Weine, mehr oder weniger, denn es gibt nicht nur Blaufränkischen in Purbach bzw. Donnerskirchen, die Weingärten sind ja entlang des Leithaberges verstreut. Was auch Charakterunterschiede ergibt: in Donnerskirchen ist der Boden etwas lehmiger, in Purbach sandiger, da wünscht man sich manchmal mehr Wasser. Aber die Rebstöcke lernen ...

Hier nun ein Schnelldurchlauf der Roten von 2009, gemischt mit ein paar Varianten aus früheren Jahren; kommentiert vor allem von Tom Schwarz und garniert mit ein paar Formulierungen meinerseits (die natürlich nicht an die Wortkraft des Winzers herankommen).

Nepomuk - einer der ehemaligen Schutzheiligen des alten Klosters
Der „Mittelwein“, 50/50 SY und BF, aus Fässern ab 1300 l
Frucht und Würze, a guads Mäul voll, grünnussig, anregend, es kommt sofort der „will trinken“-Reflex, saftig-süffig, ohne ins Verspielte abzugleiten, gehobene Alltagstauglichkeit

Pinot Noir Reserve - ausnahmsweise, jahrgangsbedingt, in komplett neuem 500l Fass Stockinger Eiche
Sehr viel Würze, ätherisch. Beim Pinot Noir erfolgt der Säureabbau erst im Fass und nicht wie bei den anderen auf der Maische. Laut Tom Schwarz ist das Holz bei dieser Rebsorte sehr förderlich, bringt sie zur Geltung - für den BF brauch ich‘s nicht.
Mit dieser Adstringenz spielt er sich selbst aus, da ist wenig Frucht.
2010 war dann ein Pinot-Jahr, da ist die Frucht intensiver. Und 2011 wirdfinster und bös, ein Eierreisser - das Tannin ned patschert!

Der Pinot steckt ja Jahrgangsschwankungen nicht so weg, der Blaufränkische hält da mehr aus - aber genau über den Pinot Noir ist Tom Schwarz zu seiner Blaufränkisch-Stilistik gekommen.

Leithaberg - aus 20-25jährigen BF-Reben
Hier kommt teilweise neues 500l-Fass zum Einsatz, aber ab diesem Wein wird alles von Art und Zeit her gleich vinifiziert, also 75-79 Tage auf der Maische; die Ernte erfolgt ohnehin so spät wie möglich.
So gehört Leithaberg: Eigenständigkeit, Trinkspaß und Potential - den kann man im Keller vergraben!
Intensive Nase, zunächst Fruchtverführung, dann Würze und langer würziger Nachhall, viel Spannung.
So wie im Jahrgang 2009 hatte er sich diesen Wein immer vorgestellt; anfangs hatte er Angst, dass der Wein eine fade Partie würde, doch er zog sich am Gatsch immer mehr in die Länge. 2010 und 2008 waren Ausreißer in die schlanke Richtung mit 12%, 2011 wird einer in die kräftige mit 14% plus.

Fünf Meter daneben und doch so verschieden:

Eisner - ältester und kühlster Weingarten, am engsten gesetzt, von 1958
Mineralische Nase, viel kühler Boden; zunächst eine weiche Empfindung, aber der Wein ist hinterhältig, öffnet sich, wird am Gaumen wirksam, geht hinein; innere Festigkeit und Ruhe, dehnt sich, schlank. Am Schluss Weinbeerln. Wie der Saft des eingekochten Herzkirschenkompotts von der Großmutter. Fester, langer Gerbstoff, salzig-mineralisch.
In ururalten 500l-Fässern ausgebaut.

Rohrwolf - der zweite Lagencharakter, aus der heißesten Lage, der breiteste Garten, aus dem Grund komplett neutrales ganz großes Holz.
Voll, Frucht, dennoch kühle Mineralik, Würze, dahinter wieder Fruchtsüße, fest und kompakt am Gaumen, „So jetzt bin i da“, roher, gewalttätiger, nicht so feingliedrig, komprimiert, man muss noch warten.

Syrah - „Wein aus Österreich“ - 6 Mal bei der Prüfnummer durchgefallen.
Stinkt richtig, wie Syrah eben gehört; dunkel, rauchig, pfeffrig, nicht charmant, sondern rau, ein wilder Wein, ist pure Traube, söcht und speckelt, ohne Röstaromen, nur Weinbeere, Gerbstoff, strange, aber saftig, fleischig.
Aus dem 1300 l-Fass.

Antonius - der zweite Heilige, der meistverkaufte Wein, die „Hausmarke“
In diesem Jahr 60% CS, 20% ME, 20% SY. Der Anteil von CS und ME wechselt je nach Jahrgang; der SY dient dazu, den Wein fleischiger zu machen. Diesen Wein gibt es seit 20 Jahren, früher war auch BF drin. Ein z‘sammgschütteter Wein, der „europäische Parkplatz“. Gebrauchte 500l-Fässer.
Dunkle Frucht, leichtes Cassis, viel Würze, Pfeffrigkeit, Pikanz; großzügiger Wein, großes Auftreten, große Geste, mit herrlicher mineralischer Würze und Gefasstheit.

Megalith - Gemischter Satz! Aus einem ehemaligen Pachtgarten, der dann gekauft wurde; da war ursprünglich auch Weißwein drin, zwischen den rote Stöcke gesetzt wurden. CF, CS, ME, BF - die weißen wurden dann herausgerissen. Es ist der als letzter gelesene Garten, ein steiniger Hain, er plagt si jed‘s Jahr so vü, da kommt dir des Rean!
Kein fixer Wein, wird nur in besonderen Jahren gemacht: 00, 03, 07, 09 - 11 wird auch wieder einer sein. 36 Monate neues Holz.
Süße Nase, verwirrende Frucht, dann aber total irre Würze, sehr gerade; Kraft und Gerbstoff; vielschichtig, auch florale Noten, spannend, straff, eher schlank, Kräuternoten (durch Trockenstress) - so guad, wäu er so a Krüppi is!

Leithaberg 2007 - 12,5%
Runde, weiche Frucht, Gerbstoff kräftig, a ehrliche Haut, Charmeur is er kana - dieser Satz klingt nach Qualtinger, der war Stammgast bei uns im Wirtshaus! 2007 waren die Säurewerte nicht mehr gut, also zuviel. Kleine Beeren, wenig Süße, viel Tannin, das leicht Angedörrte ist auch drin. Extrem, ein Wein mit Grip.

10  Leithaberg 2002 - Erstausgabe, 50 BF, 25 ZW, 25 CS
Anfänglich weich, in der Nase relative Süße, verträglicher Gerbstoff, geradlinig, Röstaromen- und Fruchtsüße, sehr fleischig - das kommt vom Eisen. Mineralisch, herrlich zu trinken - damals aber war der Wein eine Watschen, da explodierte grad Carnuntum.

2003 war der Leithaberg nur mehr BF, in kleinem Holz; der erste Vereinswein entstand 2004. Nehrer war der erste gewesen, der mit einem Leithaberg herauskam; Tom Schwarz hat angefragt, ob er auch einen machen dürfe, das war Nehrer sogar recht. Ja und dann nahm die Leithaberggeschichte ihren Lauf ... Ein Gebiet, das nicht als eigenständiges gesehen worden war, bei dem die Wahrnehmung von außen nicht gepasst hat, ist genau daraus gewachsen.

Die Weißweine trinken wir dann einfach zu Max Stiegls Tartare und zur Halaszle - dabei setzt die Notierung aus. Nur die Anmerkung zum Muschelkalk 2010, der relativ fett wirkt, blieb im Gedächtnis: ein Bravwein - deswegen ist er auf die Welt gekommen.

Doch der Thomas Schwarz ist sicher nicht auf die Welt gekommen, um Bravwein zu machen!

Thomas Schwarz -
Weingut Kloster am Spitz

Waldsiedlung 2, A-7083 Purbach
Telefon Weingut: +43 (0) 676 960 88 75
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