Der Wein im August

18.08.2010

Giorgio Clai, Malvazija Sv. Jakov 2008

Ich fand den Wein auf der Weinkarte des Hotels Cortisen am See, als ich mich eigentlich nach deutschen Weinen umsehen wollte, jedenfalls nach etwas anderem. „Kroatien" aber macht mich hellhörig, der Sommelier ermunterte mich, also saß ich auf der Terrasse am See, vor mir die Flasche dieses, des war ich gewiss, sich außerhalb jeglicher gängigen Beschreibung befindlichen Weines und fand, dass Leben einfach wunderbar zu sein hat.

Bernsteinfarben im Glas, marginaler Blütenduft, bei längerem Stehen von karamelliger Ruhe, im Riechen und Kosten aber von Minute zu Minute sich wandelnd. Da stieg die Würze trockener Kräuter auf heißem Stein auf, der Geruch von Balkonblumen, die zu gießen vergessen wurden, Heu. August eben. Schmeckte auch nach aufgeriebenem Apfel, wie man's aus Kindertagen im Gedächtnis hat; Kindheitssommer, selbst der ist im Wein. Und war er bei den ersten Schlucken noch ein wenig Schmeichler, mit anregender Säure freilich, so rollte er nach und nach an, ließ etwas Gerbstoff spielen, ohne sich aber dick und breit zu machen, und blieb lange und salzig haften - ein abwechslungsreicher Tischgenosse in perfekter Balance, während der Abend zur Nacht wurde. Nicht ganz ungefährlich mit seinen 15%, die aber sind gut verpackt, und das Ehepaar am Nebentisch nahm gern ein Glas davon, verwirrender Kontrast zu deren klassischem Sauvignon von Alois Gross. Dem Sommelier, Herrn Markus, groß anzurechnen: Der Wein kam gut gekühlt und blieb dann einfach so auf dem Tisch stehen, bis zum letzten Glas.

Giorgio Clai

 

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