Der Wein im Oktober: Graf 2008, Weingut Sepp + Maria Muster

10.10.2010

Wenn die Tage kühler werden, sehnt man sich nach Wärmendem. Als Weißweintrinkerin flüchte ich freilich nur selten hin zum Roten, denn was wärmend wirkt, ist schließlich auch Auslegungssache. Bei mir wirkt auch kühle Stilistik, so sie ausreichend Seele besitzt. Wie zum Beispiel ein neuer Wein von Sepp und Maria Muster, der Graf 2008.

Ein „Lieblingswerk“, sagt Sepp Muster. An der Vornehmheit dieses „Grafen“ gibt‘s keinen Zweifel, dennoch bin ich irritiert ob der Primäraromen, die da aus dem (natürlich großen Burgunder-) Glas strömen - das bin ich bei den Weinen Sepp Musters nicht gewohnt: er leuchtet dunkelgold, riecht nach reifer Zitrusfrucht und Stachelbeere, roten Früchten und Beeren, aber zeigt auch Mineralität; eine Prise süßes Holz - der Wein ist ja noch jung, in Musterschen Dimensionen gemessen - und eine irritierende Zuckerlnote, Pfirsich und Nespola. Eine Folge der Mazeration, sagt der junge biodynamische Winzer aus dem Friaul, der auch am Tisch sitzt, und nach und nach wird dieses süß-bittere mit Zitrus und Erdbeere verständlicher, das sei keine Technologie, nur die Traube, Sauvignon blanc naturale, reif und nichts anderes, e basta! Und mit der Luft kommt ohnehin immer mehr die Mineralität in den Vordergrund, erst gibt er sich weich, dann immer zupackender, ich beginne zu ahnen, was daraus werden kann. Werden wird.

Hier noch ein paar Vinifizierungs- und andere Details zu diesem Wein:

Im Grunde fließen in ihn die Erfahrungen mit den Weinen Erde 2005 und 2007 ein, die wiederum die Vorläufer des heutigen Amphorenweines sind. Von der Technik her ein maischevergorener Weißwein im Holzfass, in diesem Fall eben Sauvignon Blanc, aus lockeren, kleinbeerigen Trauben hergestellt. Es ist ganz erstaunlich, dass Weißweine, die im Holzfass vergoren werden im Gegensatz zu Rotweinen, die dadurch etwas Schweres in sich tragen, etwas Belebendes, Erfrischendes bekommen. Jedenfalls wurde der Wein nach der Vergärung 2 Jahre in Holzfässern gelagert und dann abgefüllt.

Graf steht damit für einen etwas anderen Weinstil, kommt aus nicht ganz so alten Reben wie die sortenbezogenen Weine der bisherigen Graf-Linie. Der Name für diesen Wein, bei dem das Wohltun (O-Ton Sepp Muster) im Vordergrund steht und der ja auch immer der Hofname war, soll die Wertschätzung gegenüber dem Weingut ausdrücken. Vielleicht wird es für den nächsten Graf eine kleine Namensänderung geben. Dies aber ist noch ein kleines Geheimnis. Denn es gibt schon etwas an Verwirrung unter den Fans der etablierten Graf-Linie: die aber bleibt weiterhin bestehen, in der alten Form, schließlich sind sie die meistverkauften Weine, stammen aus älteren Weingärten und faszinieren durch Feinheit und Komplexität. Aber auch für diese gilt: ja nicht zu früh trinken!

Weingut Muster

Für die Bezugsquellen der Weine folgen Sie bitte den Angaben auf der Webseite des Weingutes. Es wird Ihnen sicher auffallen, dass es leichter ist, diese Weine in Deutschland zu beziehen als in Österreich. Was sagt uns das?

 

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