Der Wein im November: Kalterersee Manincor zu Gansl und Maroni

15.11.2010

Kalterersee - der Name allein verursacht schon Ganslhaut, gilt er doch immer noch als Schreckenswein par excellence, dünnes Wasserl mit ein bissl Farbe, aus dieser zu vernachlässigenden Traubensorte Vernatsch alias Schiava (wie, schiava, bedeutet das nicht Sklavin?).

Keine guten Voraussetzungen für jene, die guten Wein daraus machen wollen und keine guten Voraussetzungen für den guten Wein, den es daraus gibt. Immer schon gab, vor Jahrzehnten war man weit entfernt von solcher Pejoration. Doch die Gestade des Château Lac Froid, wie Adi Werner diesen Wein gern zu nennen pflegt, wurden irgendwann von allzu vielen Kolonnen an Touristen heimgesucht, die auch gern das eine oder andere Flascherl mit nach Hause genommen haben, und was vor Ort noch als anständiger Trinkwein erkannt wurde, entpuppte sich daheim oft als unanständiges Gesöff, nicht mal mehr als Getränk zum Essen würdig. Denn mit der Gier ist gut Geschäfte machen, und was auf den eigenen Tisch kommt, muss noch lange nicht in den verkauften Kartons landen!

Weit entfernt von solcherlei Tun und Treiben erlebt der Kalterersee wieder eine kleine Renaissance, und wenn die Traube gar in die Hände eines sorgsamen Weinherren (Winzer passt mir hier nicht, Weinmacher ebenso wenig) wie Michael Graf Goëss-Enzenberg vom Weingut Manincor gelangt, so darf man schon so etwas wie richtigen Wein erwarten. Nichts großes, das ist auch nicht so gedacht, aber er liegt dem Grafen am Herzen und ist so ein Wein für jeden Tag, der an manchen Tagen besser passt als an anderen, zum Gansl ohne Gänsehaut oder zu den Maroni, weil das Törggelen auch daheim Vergnügen macht und der Durst nicht gleich mit schweren Kalibern bewältigt werden muss. Ein kleiner Teil der Vernatsch-Flächen gleich unterhalb des Gutshofes und der neuen Kellerei ist noch in alter Pergola-Erziehung bestockt, die Rebstöcke sind zwischen 20 und 75 Jahre alt.

Dort weiden auch Schafe, und die Vernatsch-Trauben kurz vor der Lese zu kosten bereitet großes Vergnügen, sie sind recht weichschalig und süß. Der Wein daraus ist hell und klar im Glas, auch so süffig wie ihm nachgesagt wird, was aber nicht gleichbedeutend ist mit simpel, er zeigt vielmehr zarte Eleganz und ein wenig Erdbeerverspieltheit samt Bittermandelnoten, ist frisch und anregend: unkompliziert von früh bis spät, möcht‘ man fast sagen!

Kalterersee Keil 2009 Weingut Manincor

in Österreich erhältlich bei Gottardi in Innsbruck um € 10,-

anderswo siehe Bezugsquellen unter Manincor

 

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