Burg & Ornellaia: Löffelweise Leidenschaft

10.02.2011

Der erste löffelweise-Abend im Burg Hotel Oberlech war dem Weingut Ornellaia gewidmet. Axel Heinz, seit dem Jahrgang 2005 auf Ornellaia tätiger Kellermeister, präsentierte zu einem „Ganz Nah!“-Menü aus der Burg-Küche die Jahrgänge 1997 bis 2003. Ausgeschenkt wurde aber keineswegs chronologisch, sondern sehr überzeugend abgestimmt zu den einzelnen Gängen, in enger Zusammenarbeit mit Hermann Lankmaier, dem Sommelier auf der Burg, und Christoph Geschwendtner, dem Küchenchef.

Ein Menü, in dem die Produkte der Region im Fokus stehen, ganz und gar auf Rotwein abzustimmen, ist eine Herausforderung; einen großen Wein wie Ornellaia in sieben Jahrgängen zu verkosten schieres Vergnügen. Und so begleiteten einander: 

Ornellaia 2001 - Kompott vom Hirschkalb mit Kerbelwurzel
Zum ersten Gang eine Fanfare an Wein: kräftig, aber nicht zu gereift. Der Jahrgang selbst: ein großer im Bolgheri, ein Meilenstein. Große Reife, üppige Frucht, und das rechte Maß an Frische und Geradlinigkeit. Noch jung, sich zur Trinkreife hin bewegend, im ersten Kontakt fast weich und samtig, sich dann aber mit Kraft Platz machend; mit dichter dunkler Frucht und würzigem Nachhall perfekt zum kraftvollen „Kompott“ alias Ragout vom Hirschkalb

Ornellaia 2002 - Signalkrebserl auf mariniertem Karfiol mit Süßwasserfisch-Kaviar
Rotwein und Fisch, gewiss kein unmögliches Unterfangen, und der „kleine“ Jahrgang 2002 macht hier in seinem Frühstadium ungemein Spaß. Freilich steht er nach wie vor im langen Schatten des 01er, doch er ist charmant zu trinken, kommt weicher und runder daher als der 01er; die angenehme Frische, hinter der sich gleichwohl Kraft und Würze verstecken, und die weichen Tannine können gut mit dem überaus komplex gewürzten Krebsgericht.

Ornellaia 1997 - Gerolltes Leberpaillard vom Ländle Kalb mit Apfel-Selleriepüree und geschmorten weißen Zwiebeln
1997 - der erste Jahrgang, der vor Augen gehalten hat, wie gut die Toskana sein kann: spektakulär von Beginn an, inzwischen in der anfänglich überschwänglichen Rezeption (so gefiel der Wein - wen wundert‘s - in den USA besonders) auf ein Normalmaß geschrumpft und wird mittlerweile sogar kontrovers in seiner Bedeutung diskutiert. Fest aber steht, ein großer, reifer Jahrgang, der sich jetzt in wunderbarer Trinkreife präsentiert: ganz zart, rauchig und elegant kommt er daher. In Zusammenhang mit der zarten Leber, dem fruchtigen Püree und dem Thymian ein umwerfend feines, berückendes Essen, eine Idealkombination!

Ornellaia 2000 - Mit hausgebeiztem Alplachs gespickter Waller aus dem Gewürzobers auf glacierten Roten Rüben und Kren
Ein gutes, aber nicht opulentes Jahr, nicht so dicht wie im Bordeaux - und damit als Fischwein gut geeignet. Die strenge Herbe, mit der er sich präsentiert, ergibt mit der klassischen Kombination Waller - Rote Rüben - Kren gerade auch dank des Kümmels eine überzeugende Einheit.

Ornellaia 1999 / 1998 - Duett vom Reh mit Birne und Rhabarber
Zwei Jahrgänge zum Hauptgericht in zwei Gängen: 1998 war nicht überall und unbedingt groß, aber im Bolgheri kraftvoll; der Wein gibt sich überaus angenehm, reif und präsent mit dezent herben und kantigen Noten, die zur Fruchtsauce in süß-sauer-Balance großartig passt.
1999 ist wesentlich straffer, gerbstoffreicher, mit herber Preiselbeerfrucht; zur Rehkrone in Rhabarberkruste und einer sehr reduzierten Sauce erhält er freilich ein paar säuerliche Nuancen.

Ornellaia 2003 - Gratinierter „Edwins Münster Käs“ auf Spitzkraut-Senf
2003, das außergewöhnliche Hitzejahr, in dem die Weine von überreifem Charakter geprägt sind. Zum intensiven Bergenzerwälder Münsterkäse mit süß-pikantem Kraut verliert er leider einiges von seiner Kraft, bekommt sehr kräutrige Aromen - das muss einem Käse mal gelingen, dass er einen großen Wein in den Schatten stellt! Eine gewagte Kombination, die den Wunsch nach dem zarten Süßeschmelz eines entsprechenden Weißweines aufkeimen lässt.

Alles in allem aber war es ein begeisterndes Menü mit einer ebenso begeisternden Weinfolge, abgerundet noch von „Bio-Schafmilch“ in vier Texturen mit einem roten Süßwein, einem Aleatico 2008 aus der nördlichen Maremma.

Axel Heinz ist seit 2005 auf Ornellaia tätig. Im gebürtigen Münchner manifestierte sich dank französischer Mutter schon früh die Liebe zum Wein; er studierte und arbeitete in der Folge im Bordeaux, eher er in die Toskana ging. 2005 war sein erster Jahrgang, doch so wie er all die vorhergehenden erklären und beschreiben kann, hat man den Eindruck, er wäre immer schon da gewesen. „Ornellaia ist so gut wie es der Jahrgang erlaubt“ sagt er, das macht auch deutlich, mit welchem Respekt vor den Naturgegebenheiten hier gearbeitet wird. „Weinmachen hat viel mit Intuition zu tun“, meint er, und deshalb gäbe es sicher einen eigenen Touch in den Weinen ab 2005, auch wenn man nach der Stilistik des Gutes zu arbeiten trachtet - gerade bei einem Wein wie Ornellaia, der die Philosophie und den Charakter des Weingutes widerspiegelt.

Die nächsten Löffelweise-Termine:
Dienstag 15. Februar  Hotel Montana: Hummer & Co
Freitag 18. Februar Hotel Kristiania: Dieter Koschina, Vila Joya, und Gerhard Hämmerle
Samstag 19. Februar Restaurant Fux: Midnight Tasting - Grand Puy Lacoste 1982-2000
Samstag 26. Februar Hotel Almhof Schneider: Gantenbei & Gantenbein, Graubünden

 

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