Grüner Veltliner und Vietnam: eine Burg-Verkostung

02.02.2012

Thomas N. Burg ist Veltliner-Afficionado. Seine Faktorei für Grünen Veltliner, burgWeine, beschränkt sich ausschließlich auf diese Rebsorte - was andererseits wiederum eine Vertiefung in den „Grünen“ bedeutet, wie sie sonstwo nicht möglich ist. Und so lotet er auch in Themenverkostungen die Möglichkeiten dieser Österreich-Identifikation aus, mit Schokolade etwa oder, nicht minder herausfordernd, mit „Bò Lá Lốt“, einem vietnamesischen special dish. Wobei ja der Ruf des österreichischen Weines, also auch des Veltliners, gut fürs Asiatische zu sein, vorauseilt. Schauplatz der Verkostung vom vergangenen Montag war das Vietthao, klein, aber (einer Kennerinnenmeinung folgend) sehr authentisch. 5 verschiedene Weine zu einer Speise, das ist überschaubar, ebenso ist es das Prozedere.

Mit Schulnoten von 1 - 5 (und der 5 als Bestbenotung) soll nicht der Wein als solches, sondern sein Zusammenspiel mit diesem sehr komplexen Gericht bewertet werden: in das La Lot-Blatt (hierzulande nicht kultiviert, auch als wildes Betelkraut bekannt) gewickeltes Faschiertes, dazu feine Reisnudeln, frische Gurke, frische Ananas, Zwiebel, Blattkoriander und andere spezielle Kräuter (Nuoc Mam) sowie viele andere kleine Zutaten (Erdnüsse), die die aromatische Bandbreite des zu begleitenden Gerichtes bestimmen. Keine leichte Aufgabe für die Veltliner, die auch in hochreifem, botrytislastigem Zustand entweder Mineralität oder Pfeffrigkeit oder beides aufweisen, was mit Chilischärfe oder markanten Aromen eine deutliche Reibung ergibt.

Avviniert wurde mit Golem 2009, einem „einfachen“ Veltliner von Leo Uibel, der eine dem Jahrgang entsprechende Reife und Fruchtsüße zeigte. Die Paarungsweine aber waren (blind eingeschenkt, erst am Schluss enthüllt)

1. Reisenberg Alte Reben 09 Jutta Ambrositsch, Wien
2. Bürsting 08 Ebner-Ebenauer, Weinviertel
3. GV Klassik 10 Brindlmayer, Traisental
4. Smaragd 08 Nikolaihof, Wachau
5. Schenkenbichl 1. Lage Reserve 09 Jurtschitsch, Kamptal

Wenn es darum ginge, welche Weine am besten geschmeckt hätten, dann wäre mein Favoriten der hochmineralische, elegante Jurtschitsch und Jutta Kalchbrenners Rosenberg gewesen. Im direkten Bo la lot-Kontakt aber hatten zwei andere die Nase vorn: der Nikolaihof-Smaragd, teuerster Wein der Auswahl, der sich zur Geschmacksvielfalt dazu schmeichelte und durch die prägnanten Aromen einen Schub an deutlicher Würze- und Pfeffer-Wahrnehmbarkeit erhielt, die durch die Botrytis gepuffert wurde. Mehr oder weniger ex aequo, aber doch letztendlich mit diesem klitzekleinen Vorsprung, der ihm die Favoritenrolle ermöglichte, behielt der günstigste Wein der Runde, der klassische Brindlmayer-Veltliner als recht würziger Typ, eben doch die Nase vorn (und wurde dank seines erstaunlich günstigen Preises zudem zum „Sieger der Herzen“ deklariert), konnte die Ananas ebenso wegstecken als auch mit dem Koriander mithalten. Die Fleischröllchen selbst stellten ohnehin für keinen Wein eine Hürde dar. Recht neutral verhielt sich der Reisenberg, war eher Getränk als Begleiter dazu, der Bürsting manierlich zu den Röllchen, mit dem gesamten Gericht aber schmeckbar kämpfend und viel von seiner reschen Frucht verlierend. Gar nicht (für mich; ein anderer Mitkoster war begeistert) ging der Jurtschitsch: zu mineralisch, zu markant in der Würze, bitter in der Kombination, scharf und hart.

Weil 1 Flasche für 12 Teilnehmer für nicht viele Schlucke reichte, war der Nachhall im leeren Glas noch interessant: 1 - Fruchtzuckerl, 2 - sehr schräg, 3 - viel Würze, 4 - üppig, 5 - prägnant und klar mineralisch.

Das detailliert aufgezeichnete Gesamtergebnis ist dankenswerterweise hier genau zusammengefasst und zeigt sehr schön, wie ein Wein fünf und eins zugleich sein kann. Ach unsere individuellen Gaumen!

 

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