Durst, Herrgott und Gemischter Satz (Dtd 6)

13.01.2013

Wenn sich fünf Frauen treffen, kann der Durst groß sein. Wenn auf einer Flasche „Durst“ steht, kann der Wein groß sein. Zumindest spannend. Und so war der Einstiegswein in die Ress-Riesling-Runde kein Irgendwie-Geplätscher, sondern der 2010 Gemischter Satz Herrgott, Weinhaus Durst. Der Winzer: Andreas Durst, „Fotograf der Weinszene und Weinmacher im Quereinstieg“. Einer, der sich von vornherein nicht mit Herkömmlichkeiten abgegeben hat, dafür für lustvolle Bekömmlichkeiten wie den Riesling „Großer Durst“ sorgt. Und 2010, dem allgemein sauren Jahrgang, einen bemerkenswerten Exoten geschaffen hat. Vom Schwarzen Herrgott.

Diese Lage im Zellertal, derzeit eher unbeschriebenes Gebiet, überhaupt von Österreich aus gesehen, ist eine zwischen den Gebieten, geteilt zwischen Rheinhessen und Pfalz, zwischen Mölsheim und Zell. Und da gibt es einen alten Weingarten, bestockt mit Riesling, Grauburgunder, Silvaner, Scheurebe. Gefundenes Material für den findigen Winzer, daraus einen Gemischten Satz zu keltern, einen echten. Erstauflage dieses Weines: 300 Flaschen. Eine fand den Weg nach Wien.

Durst Gemischter Satz Herrgott 2010 12% Pfälzer Landwein

Gelbe Früchte, grüne Mandarine, „seifige“ Zitrusnoten, „Wollmispel“ sagt eine Verkosterin, deren Aromen sie im Wein wiedererkannte. Thailändische Gewürzblätter, Tangerinen, und Säure. Er riecht wie beim Rupfen von Kräutern im Garten. Etwas roter Paprika, ein Chiliton. Etwas Botrytis? Frucht, Kräuter und Säure, geschmeidig vom Extrakt, der Grauburgunder wird wohl gute Dienste leisten. Anhaltende Verführung, die Nase tief ins Glas zu stecken, schillernder im Geruch als im Geschmack. Das mag auch am wunderbaren Glas liegen, Zalto Burgunder. Am Gaumen Mineralik und Säure, nicht so füllig wie man erwarten würde. Dafür kernig zu trinken. Ist ja auch  ein Leichtgewicht. Dass er als Landwein klassifiziert ist, darf als Auszeichnung gewertet werden.