So schmecken Wildpflanzen. by dreamteam Seiser/Neunkirchner

22.12.2011
tags: cookbook

Kaum beginnt der Winter so richtig, ist er den meisten Menschen (zuminderst all jenen, die ihre Leidenschaften nicht an weißen Berghängen auszuleben wissen) auch schon wieder zu lang gewesen. Also her mit Frühling und Sommer, meinetwegen auch Herbst! Zumindest als Vorgeschmack darauf vermag die Lektüre des beispielhaften Bandes „So schmecken Wildpflanzen“ nicht nur von der bescheidenen Wintergemüseeinseitigkeit abzulenken (wir lehnen ja als vorbildlich saisonal-regionale Konsumenten jeglichen Exotenimport ab, nicht wahr?), sondern auch lusterweckend rechtzeitig darauf vorzubereiten, wenn die Natur plötzlich wieder zu sprießen beginnt. Meinrad Neunkirchner, der Aromenmeister als Ausführender am Herd, und Katharina Seiser, einfühlsame Foodbloggerin und hier kundige Autorin, zeigen anhand von 30 Wildpflanzen von Kräutern bis Wurzeln, welche kulinarischen Entdeckungen quer durch die Jahreszeiten in unseren Wiesen und Wäldern möglich sind und wie man sich nicht nur aktuell durch die Frische kocht, sondern auch mittels rechtzeitig angelegter Vorräte im Winter von der Fülle der anderen Jahreszeiten zehren kann.

Normalerweise verliere ich ja nicht viele Worte zur Gestaltung eines Buches, aber in diesem Fall komme ich nicht umhin und muss einfach ins Schwärmen geraten: da sind die Fotos von Thomas Apolt, die sowohl bei den Gerichten selbst wie bei den Pflanzen (in Nahaufnahme) von natürlicher Klarheit sind, da sind das elegante Schriftbild und der großzügige Umgang mit Platz, und absolut begeisternd ist außerdem die intelligente Ordnung im Buch: die Pflanzen nach Saisonen geordnet und ausführlich vorgestellt, mit ein bis vielen Rezepten dazu, gefolgt von wichtigen Grundrezepten zu Fonds, Teigen etc.; es folgen Bezugsadressen und Wildpflanzenliteratur und dann, ganz essentiell fürs effiziente Arbeiten mit einem Kochbuch, erst das Rezepteverzeichnis nach Speisenkapiteln (innerhalb der Kategorien von Salat bis Vorrat alphabetisch) und schließlich ein Stichwortverzeichnis, das auf Rezepte verweist. Ach ja, die Wildpflanzen sind auch noch mal in einem eigenen Verzeichnis alphabetisch gelistet. Und in einem dem Buch beigelegten Heftchen in Hosentaschengröße noch mal mit den wichtigsten Eigenschaften samt Saisonkalender aufgeführt - damit man es auch immer dabei hat, wenn man‘s braucht, beim Sammeln. Es ist nicht nur den Autoren, sondern wohl auch dem Verlag loewenzahn für sorgfältige Arbeit zu danken! Kein Wunder, dass das Buch den Preis als bestes österreichisches Themenkochbuch bei den Gourmand World Cookbook Awards eingeheimst hat.

Ich werde es jedenfalls nie, nie aus der Hand geben, aber jedem ans Herz legen. Und mein einziges Problem wird nicht das Auftreiben der Brennesseln sein, sondern des Huchens, den ich für das Rezept auf Seite 38 benötige. Hoppala, stimmt nicht ganz: wie erkenne ich Klettenwurzel und Haferwurzel, ohne ganze Gelände umzugraben?

Meinrad Neunkirchner, Katharina Seiser: So schmecken Wildpflanzen. 144 Rezepte vom Meister der Aromen.
loewenzahn 2. Auflage 2010  € 29,95  ISBN 978-3-7066-2463-3
Eine Vorschau gibt es hier

Und hurra, für mac-afficionados ist auch eine Wildpflanzen-App fürs iPad verfügbar! Für € 9,99 ein Schnäppchen - aber werde ich WiFi im Wald haben??