Döllerer Wirtshaus

17.12.2012

„Die Kollegen in der Stadt müssen sich warm anziehen“, wird gemunkelt, „wenn es um Preis-Leistung geht, kommt an den Döllerer niemand heran. Bei diesem Menüpreis ist sogar die Zugfahrt drin, und dem Weingenuss steht auch nichts im Weg!“ sagt einer, der es wissen muss. Dabei war das Wirtshaus immer schon gut, sehr gut, aber jetzt ist ja alles neu, geräumiger, größer, da ist auch die Aufmerksamkeit neu. Wobei die angestammten historischen Stuben geblieben sind und der Durchbruch ins Nebenhaus stilistisch stimmige Gewölberäume hinzugefügt hat.

Der Familientradition des Hauses als Gasthof und Metzgerei ist zu verdanken, dass man auch an Döllerers Wirtshaustischen ums Fleisch nicht herum kommt: Würste, Gulasch, Innereien, Rindsroulade; selbst in der Kohlrabisuppe liegt Beinschinken. Aber Andreas Döllerer und seine wunderbare Küchenchefin Sandra Winter schaffen erstens Leichtigkeit in allem und auch Gegengewicht: Forellen und Saiblinge aus dem Bluntautal, saisonal Rauriser Reh und anderes Wild. Eine Kategorie „vegetarisch“, die ohnehin eher den Charakter einer Alibihandlung hätte, gibt es gleich gar nicht, dafür firmieren unter der doch sehr unerwarteten Bezeichnung „Pasta“ karamellisierte Krautfleckerl. Die Ravioli aber sind dafür wieder mit Kalbshaxe gefüllt, eine fröhliche Alpenüberquerung, aber schließlich wird auch im Restaurant mit ähnlichen Zutaten großen und kleinen Wanderungen gehuldigt.

Drei Gänge um € 28, das ist natürlich nicht wenig, aber inhaltlich bekanntermaßen viel und vor allem mit freier Wahl aus dem Tagesangebot verbunden. Für € 42 kann man sich gar in sechs Gängen durch das Wirtshausangebot essen, das ist mehr als fair. Oder man wählt, ganz nach Tagesverfassung, frei aus der Karte, belebende Rindsuppe Döllerer zum Beispiel mit reichlich Gemüse und perfekten Grießnockerl, während der Wartezeit auf die Milchkalbniere im Ganzen eine kleine Portion Kürbisforelle, mit knackigen Kürbiswürferl aus delikatem Sud und Kürbispüree.

Und dann die Niere, ein seltenes Prachtstück, mit einem Püree, das nach richtig guten Erdäpfeln schmeckt, und hochintensiver, vielleicht einen Tick allzu reduzierter Basilikum-Senfsauce. Mit dem passenden Wein ist das jedenfalls pures Vergnügen! Die Desserts knüpfen zwar, außer Apfelradl und Mohr im Hemd, weniger an Traditionen an, aber das stört nicht, wenn man aus der Restaurantküche die Kostprobe einer Traube-Nuss-Interpretation bekommt, die halt auch ein bissl leichter ist als Gebackenes. Die Getränke? Allgemeiner Döllerer-Standard. Also sehr hoch. Salonzufriedenheit: extrahoch. Ach und die Toiletten sind immer noch dort, wo sie auch vorher waren. Im ersten Stock. Aber es gibt neue Tapeten. Bei den Damen jedenfalls.

Wirtshaus Döllerer