Weingut Lageder: Die Bündelung (bio)dynamischer Kräfte

05.04.2013
tags: weingüter

45 Ernten sind ebenso viele Jahre. Jahre, in denen Luis von Dellemann, Önologe, Kellermeister und zugleich Schwager von Alois Lageder, die Entwicklung von einem großen Südtiroler Weingut zum großen biodynamischen Südtiroler Weingut begleitet und mitgetragen hat. Doch irgendwann ist auch im intensivsten Miteinander der Zeitpunkt für Ruhestand und Abschied da. Dass Georg Meißner der Nachfolger würde, war nicht von langer Hand geplant, sondern einer jener Zu-Fälle, wie sie eben geschehen müssen. „Er war einfach da, als wir nach Ersatz für Luis Dellemann zu suchen begannen“ sagt Alois Lageder. Der Diplom-Önologe und Spezialist der biodynamischen Landwirtschaft, Wissenschaftler und Lehrbeauftragter an der Hochschule Geisenheim, wird nicht nur die önologischen Agenden in Margreid übernehmen, sondern in sämtlichen Arbeitsprozessen vom Weingarten über den Keller bis zur Flaschenfüllung involviert sein - die Verantwortung für die gesamte Produktion soll nunmehr in nur einer Hand liegen.

Die Idee zu dieser Zusammenarbeit erwuchs einem Vortrag von Georg Meißner am Weingut vor über einem Jahr, zu dem 100 Bauern gekommen waren. Bauern, die teilweise seit Generationen ihre Trauben an Familie Lageder liefern, eine überaus enge Zusammenarbeit. Und diese Bauern wuchsen mit, zeigen sich im Kontakt mit der Biodynamik offen für neue Ideen; viele von ihnen nehmen an der Arbeitsgruppe teil, die Georg Meißner seit 2012 alle zwei Monate begleitet. Im Sommer 2012 wurde der Entschluss zu dieser Zusammenarbeit gefasst, eine Entscheidung, die spürbaren Auftrieb verleiht: „Es ist nun realistisch, dass wir das ganze Sortiment auf biodynamisch umstellen können. Eine Utopie wird Wirklichkeit“ (Alois Lageder). Seinem großen Ziel, seiner Vision ist er damit einen Schritt näher: Cason Hirschprunn zu einem Ort der Begegnung und des Austausches für Biodynamie und Anthroposophie zu machen.

Doch was bewegt Georg Meißner, der seine Forschungstätigkeit in Geisenheim deshalb nicht aufgeben wird, sich auf das Abendteuer Südtirol einzulassen? „Ich war neugierig. Es sind die schönsten Weingärten hier!“ Freilich weiß er um die Größe dieser Aufgabe. Der Betrieb ist riesig, es wird einige Zeit dauern, um alle Abläufe zu verstehen, um „den Keller ansatzweise zu durchschauen“. „Dellemann muss noch dabei sein“ sagt er selbst, und: „Wir sind die Edelpraktikanten“ und meint damit auch Lageder-Sohn Clemens, den er in Geisenheim kennengelernt hatte und der, zumindest für einige Zeit, nach Hause zurückkehrte, um diesen Übergang mitzugestalten. Auch die Unternehmensphilosophie hat Georg Meißner gereizt, dieses langfristige Denken, neben vielen anderen Verknüpfungspunkten wie der Musik, die in Margreid auch eine wichtige Rolle spielt. Er steht vor offenen Türen, vielen Ideen und vielen Möglichkeiten. Und doch muss man "Schritt für Schritt gehen und sehen, was möglich ist".

Was anderen so unmöglich scheint, nämlich als Betrieb mit vielen kleinen Zulieferern eine große Sache wie die Umstellung auf biodynamisches Wirtschaften voranzutreiben, scheint hier zu gelingen. „Es entsteht eine neue Dynamik mit unseren Bauern“, sagt Alois Lageder, überhaupt sei es innerhalb Südtirol zu einer neuen Dynamik gekommen, das Bewusstsein für die Kulturlandschaft und die Verantwortung, die man dafür trägt, wächst. Dieser gerecht zu werden ist oberstes Anliegen. Die Gedanken machen Sprünge: „das Obstbaummeer im Tal - auch hierin liegt eine mögliche Zusammenarbeit!“

Der Ausgangspunkt für Georg Meißner: 30 von 120 Hektar sind umgestellt, das ist die Fläche von 10 Lieferanten; 30 weitere sind bei den Seminaren dabei. „Die Umstellung muss ein freier Willensprozess sein! Ich will zeigen, wie man anders denken kann. Es muss ein Prozess hin zum Selbstverständlichen sein, das ist wichtig für Betriebe, die umsteigen wollen.“

Die nächsten Jahre werden zeigen, wie stark die Impulse sind, die von Cason Hirschprunn ausgehen.

Weingut Lageder