Essen, was wir retten wollen: slow food Tirol präsentiert die neuen Arche-Produkte

Gerade erst zu Arche-Produkten geboren und schon in Tirol auf dem Teller: die neuen Passagiere der Arche des Geschmacks waren am 9.3. high noon eben erst bestätigt worden, und bereits Tags darauf zeigte in einem Abend zum Thema „Essen, was wir retten wollen“ das slow food Convivium Tirol diese Produkte in einigen ihrer Möglichkeiten: Uhudler, Roter Veltliner, Hirschbirne als „flüssige“ Passagiere, Waldviertler Waldstaude und Pielachtaler Dirndl als fast der Vergessenheit anheim gefallenen Raritäten unserer regionalen Vielfalt an Nutzpflanzen.

Alle fünf in einem Menü vereint, das war Stoff genug für einen vergnüglichen wie informativen Abend. Der hohe Jugendanteil der im Crumble zusammengetroffenen Gäste ist der regen Tätigkeit des Youth Movement von slow food zuzuschreiben - engagierte Studenten von Südtirol bis Mexico, die solche Entdeckungsreisen in die Landschaften und deren biologischer Vielfalt sehr genießen.

Elisabeth Senn, Conviviumsleiterin in Tirol, hat perfekt organisiert, Jürgen Schmücking war für die unterhaltsame Moderation zuständig, und Nina Rettenbacher oblag es, aus der sperrigen Waldstaude ein geschmeidiges Risotto (mit Wurzelgemüse und gereiftem Außerferner Ziegenkäse) und aus dem Dirndlmus saftige Dalken zu machen.     

Der Uhudlersekt zum Aperitif gab gleich reichlich Anlass für Gesprächsstoff, war doch die offensive Walderbeeraromatik nicht nach dem Geschmack aller. Die Einführung von Jürgen Schmücking ins Phänomen Uhudler machte deutlich, wie sehr Weinwirtschaftsstrategien und EU-Reglements die Existenz einer regionalen Besonderheit - in diesem Fall eben der vor allem im Südburgenland beheimatete Direktträger - bedrohen können. Und auch wenn Wein oder Schaumwein aus der Isabellatraube nicht der gewohnten Eleganz eines Qualitätsweines entsprechen mag, eine Bereicherung der Weinlandschaft ist er allemal.

Zum kernigen Risotto vom Waldviertler Waldstaudekorn, mit reichlich Wurzelgemüse zu Sämigkeit gebracht und durch den gereiften Ziegenkäse auch von intensiver Pikanz, wurde der Rote Veltliner 2009 von Mehofer als leichter, filigraner Begleiter ausgeschenkt. Es ist den intensiven Bemühungen einiger Wagramer Winzer zu verdanken, dass der Rote Veltliner, eine in dieser Region wieder intensiv gehegte Rebsorte, nunmehr als zweiter Wein in die Arche des Geschmacks aufgenommen wurde. Ein Mus aus der Kornelkirsche, in Österreich auch Dirndl genannt, gab den zu flaumigen Dalken gewordenen Palatschinken etwas Farbe und Süße; zwei Versionen eines Hirschbirnenbrandes waren dann willkommener Abschluss. Die Hirschbirne, eine alte Obstsorte, deren Bäume sich schon von jenen anderer Birnenbäume unterscheiden, ist besonders im Pöllautal bei Hartberg zuhauf zu finden, und so wurde die Pöllauer Hirschbirne denn auch Arche-Produkt. Der Obsthof Retter arbeitet seit langen Jahren damit, das bewies der klare Hirschbirnenbrand von 1992, privatkellergereift und immer noch von packender Wucht, mit dezenter, herber Birnenfrucht und, trotz einiger Schärfe in der Nase, doch einer den Jahren angemessenen Geschmeidigkeit am Gaumen. Da hatte es der junge Brand aus dem Akazienfass schwer, mit seiner holzgefärbten Statur dagegen zu bestehen.

Weil der Abend ein solcher Erfolg (mit Warteliste) war, wird slow food Tirol im Juni einen zweiten Abend zu diesem Thema veranstalten. Details dazu folgen auf der Webseite.