VINEUS wine culture awards 2011 - la vie en rose

23.03.2011

Der Galaabend, der am 21. März in der Aula der Wissenschaften das Engagement von Hotellerie und Gastronomie in Sachen Wein würdigte, geriet zu einer eindrucksvollen Inszenierung - der Dank gebührt hier vor allem den Damen Havel & Petz. Der Erfolg für die zweite Auflage des noch jungen Vineus Award wurde - dank überzeugender Performance des Küchen- wie Serviceteams  - auch sichtbar und schmeckbar. Und wenngleich unter den Nominierten einige „alte Hasen“ waren, gab es aufgrund des Publikumsvotings durchaus Überraschungen bei den Auszeichnungen; zwei von fünfen sind zudem - oh yeah - Frauen. And the Vineus goes to ....

nein so hieß die magische Formel zwar nicht, aber die Verblüffung über den unerwartet verliehenen Preis war gleich der ersten Auserwählten in der Kategorie Sommellerie ins Gesicht geschrieben: Ines Hofstadler vom Seerestaurant Saag konnte sich gegen Andreas Jechsmayr/A-Rosa Kitzbühel, Hermann Botolen/ex Meinl am Graben, Michael Wiesinger/Aubergine und Adi Schmidt/Steirereck durchsetzen. Sie scheint tatsächlich die Fähigkeit zu haben, den Gästewünschen sehr nahe zu kommen, denn was sie an ihrem Beruf liebe, sei, „die Freude in den Augen der Gäste zu sehen“.

Für die Hotellerie waren angetreten: Burg Hotel/Oberlech, Sporthotel Stock/Finkenberg, Hotel Rathaus Wein&Design/Wien, Palais Residenz Coburg/Wien, und das Landhotel Forsthof in Sierning - das denn auch, als überaus weinengagierter und gleichzeitig unkomplizierter Betrieb die Publikumsgunst für sich beanspruchen darf.

In der Gastronomie nominiert waren Gut Purbach/Purbach, Restaurant Josef/Linz, Der Seehof/Goldegg am See, Plainlinde/Salzburg und Vinarium Bittermann/Göttlesbrunn. Adi Bittermann war es denn auch, der - aufrichtig überrascht - die Trophäe mit nach Hause nehmen darf und dies auch als Erfolg für die Region sieht, schließlich ist die im Hause installierte Vinothek das Carnuntum-Paradies für Weinfreunde.

Die Weine der Newcomer-WinzerInnen, die sich für den VINEUS beworben hatten und deren Sieger in einer Juryverkostung ermittelt wurde, begleiteten das von Klaus Kellner, des legendären Rudi Kellner Sohn überaus beeindruckend zusammengestellte Menü. Weil aber auch in dieser Kategorie nur einer gewinnen konnte, wurde es eine, nämlich Birgit Wiederstein aus Göttlesbrunn - Doppelerfolg für den Weinort somit! Die vier anderen Auserwählten, nämlich Markus Iro aus Gols, Gerhard Haider aus Illmitz, Patrick Pfneisl vom Weingut Strehn in Deutschkreutz und Josef Andreas Vollath aus Weiden am See konnten immerhin mit ihren Weinen punkten.

Der Preis in der Kategorie Lebenswerk, der aufgrund der Stimmenmehrheit in der Expertenjury ermittelt wird, ging überaus verdient an Franz Mayer vom Pfarrplatz, diesen „Übervater des Weines“. Da er selbst nicht anwesend sein konnte, nahm Sohn Franz-Michael Mayer die Trophäe entgegen, Fritz Wieninger würdigte in seiner sehr persönlichen Laudatio dieses „echte Lebenswerk“.

Der Jesuitensaal in der Aula der Wissenschaften war ganz in rosa Licht getaucht, und so hatte man zumindest einen Abend lang jene rosarote Brille auf, die den Blick auf die Realität in der Gastronomie mildert, die aber in Gesprächen vorher und nachher sehr wohl deutlich wurde: dass das Renommée des Kellners (wie Adi Schmidt die Profession der Servicearbeiter mit diesem schlichten österreichischen Wort bezeichnete) in der Öffentlichkeit zu gering sei, dass der Küchenchef in Restaurantbeschreibungen über allem stünde, der Service kaum vorkommen, es darob überaus schwierig sei, engagierte junge Menschen für diesen Beruf zu bekommen, während es an Kochbewerbern nicht mangele. In diese Kerbe schlägt auch Sommelierverins-Präsidentin Annemari Foidl ein: die Betriebe müssen den Wert eines guten Mitarbeiters anerkennen, in seine Ausbildung investieren, „jedem Haus seinen Sommelier“ sozusagen - und so könnte dieser Preis, dieser VINEUS Award, ein deutliches Signal sein, um die Aufmerksamkeit der allgemeinen Wahrnehmung von den Küchenheroen, die das Ranking bestimmen, mehr auf jene zu lenken, die ebenso das Wohlbefinden in einem Haus bestimmen, und junge Menschen in ihrem Wollen zu motivieren.

Der hedonistische Teil des Abends, für den dem C+C Pfeiffer-Team zu danken ist (und zu dem auch Klaus Kellner sowie eine Riege an Sommeliers gehört, die, im Verein mit choreographisch gut einstudierten Servicekräften, für Freude sorgten), zusammengefasst:

Kleine Häppchen zum Aperitif (Römerquelle, Szigeti) und chilliger Musik von Superfly FM
(gleich zu Beginn stellt man mit Wohlwollen fest, dass an diesem Abend aus Zalto-Gläsern getrunken wird)
Flusskrebse Gut Dornau mit Zwetschkenkernöl (ziemlich heftiger Bittermandelunterton), Belugalinsen und schwarzem Rettich; dazu den Weißburgunder 2010 der Vorjahrsnewcomerin Annemarie Deutsch
Gebratenes Heilbuttfilet (ein Traum von Fisch) mit Bouillabaisseravioli (nein, keine flüssige Fülle, vielmehr köstlicher Krustentierschalentouch), Estragon und Paradeiser; dazu
Sauvignon Blanc 2009 Weingut Vollath und
Pinot Noir Die Diva 2008 Birgit Wiederstein

Roastbeef vom Waldviertler Weiderind mit weißer Mohnpolenta (etwas milchig geraten) und Vogelbeeren; dazu
St. Laurent Herrschaftswald 2009 Weingut Iro, Gols und
Blaufränkisch Joseph 2008 Birii Mittelburgenland DAC Weingut Strehn
Desser- und Käasebuffet mit einem köstlichen
Muskat Ottonel Eiswein 2009 Weingut Haider.

An der Magnum-Bar traf man sich dann noch zu fröhlichem Plaudern, bemerkenswert der Knollsche Pfaffenberg Selektion 06, ziemlich gekocht hingegen Heinrichs Salzberg 07.