Mainzer Börsentreff. Die junge Generation des VDP.

19.04.2011

2007 ist es gewesen, da lief ich auf der ProWein geradewegs in eine Sonderpräsentation des Jungen VDP.  Mir, die ich damals dem deutschen Wein gerade in seiner VDP-Präsenz einige Ehrfurcht (die zu einem guten Teil auch der noch verhaltenen Auseinandersetzung damit geschuldet war) entgegenbrachte, kam dies gerade recht - mit strahlenden jungen Menschen, die da ihren eigenständigen, gleichwohl in Familientraditionen verankerten Weg vorstellten, schien mir die Kommunikation leichter als mit renommierten Weinmachern, deren purer Name mir schon Respekt abnötigte. Der Stolz, mit dem alle ihren eigenen Wein präsentierten und der durchaus anders sein konnte als das gewohnte Erscheinungsbild des Weingutes, gefiel mir. Dass ich nur wenige Jahre später auf dem Mainzer Börsentreff, DEM Jahresevent des VDP „Junge Generation“, losgelöst zu wilden Rockriffs tanzen würde, war damals nicht voraussehbar ☺. Zeigt aber deutlich, was die Gruppierung der Nachwuchsgeneration auszeichnet: kommunikativ zu sein in alle Richtungen.

Der Weinbörsen-Event kommt nicht von ungefähr: 2006 war aus dem Wunsch, „etwas zusammen machen zu wollen“, anlässlich der Weinbörse in Mainz die erste konstituierende Sitzung für das neue Netzwerk zustande gekommen; wesentliche Antriebskraft dabei: Melanie Stumpf, selbst VDP-Tochter und als (bis vor kurzem noch aktive) Mitarbeiterin im Verband immer auf Tuchfühlung mit dem Vorstand. Die Grundideen: aus dem Schatten der Väter zu treten, der Öffentlichkeit zu zeigen, dass der VDP kein geschlossenes System ist, sondern ein lebendiges Gebilde, in dem sich einiges bewegt. Auch für gut gehende Betriebe stellt sich ja immer wieder die Frage: Wie geht es weiter? Sowohl bei Weingütern, die relativ neu - und damit „jung“ - im Verband sind wie z.B. Philipp Kuhn, wie jenen, die seit Jahrzehnten dabei sind, wo aber inzwischen die Kinder mit neuem Ansatz arbeiten, war das Bedürfnis entstanden, über Ländergrenzen hinweg Synergien zu erzeugen, einen modernen Netzwerkgedanken zu verfolgen. Während sich die Eltern seit Jahrzehnten kennen, wurde ein solches Netzwerk für die jüngere Generation wichtig, um übergreifend kommunizieren zu können, offen zu sein ohne Konkurrenzdenken.

Für Matthias Stumpf vom Regionalverband Franken ist gerade zu einem Zeitpunkt, wo man allein zu arbeiten beginnt, eine solche Plattform von großer Bedeutung, so wie auch die Tatsache, dadurch bei jenen Themen mitreden zu können, die man „an der Backe“ hat - etwa die neue Lagenklassifikation. Ja, auch die Junge Generation wird gefragt, hat einiges Mitspracherecht. Denn, so Matthias: „Die Jungen sind fast ein bissl weiter als die ,Alten‘, die noch sehr im Geist des Gesetztes von 1971 hängen, und nehmen alles etwas lockerer. Aber man muss sich auch gegenseitig überzeugen, Individualisten gibt es überall.“ Désirée Eser verkürzt auf „Ich mag ja meine älteren Kollegen, aber es tut manchmal gut, mit denen gleichen Alters über die ähnlichen Probleme zu reden“. Franziska Schätzle, (noch) nicht VDP-Weingut, aber im Verband für Kooperation und Marketing ebenso wie für die Organisation der Abendveranstaltungen (wie eben dieses Börsentreffs) zuständig, fasst kurz und bündig zusammen: „Superwichtig!“ Diese junge Dynamik tut dem VDP einfach gut, nach innen wie nach außen; vielen sei ja gar nicht bewusst, wie viele junge Winzer bereits hinter den Weinen stehen. Und das dem Publikum zu zeigen ist eine der Aufgaben dieses Netzwerkes.

Eine Präsentation wie damals auf der ProWein ist freilich nicht mehr machbar, denn, so Carolin Diel, für all die Söhne und Töchter ist mittlerweile am eigenen Stand genug zu tun. Zum damaligen Zeitpunkt wurde die Generationsfrage gerade erst brisant, und es gab eine unglaublich rasche Entwicklung. So ist nun dieser Börsentreff jene wunderbare Gelegenheit für ein Zusammentreffen aller, nicht nur der jungen WinzerInnen, sondern auch für deren Fans mit dem Vorsatz, gemeinsam Weinkultur zu leben - mit erheblichem Spaßfaktor! Die heurige Location  - das neue „Bootshaus“ von Frank Buchholz am Winterhafen - war zusammen mit blühendem Frühling und Vollmondnacht perfekt gewählt; die Weinkarte des Abends brachte die Namen der jungen WeinmacherInnen so sehr ins Bewusstsein, dass man am zweiten Tag der Mainzer Weinbörse unwillkürlich danach suchte - insofern ist dieser Eventtermin ziemlich klug gewählt, auch wenn der ein oder andere von einem leichten Formtief gezeichnet sein könnte. Aber Feiern macht auf jeden Fall glücklich, junge Rieslinge, Silvaner und Burgunder wurden gut unterlegt von der Buchholz‘schen Klassik-Küche, und es durfte hemmungslos gerock‘n‘rollt werden!

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