Genussfestspiele mit Herzkraft

31.08.2011

Wenn Herwig Ertl ruft, dann kommen sie: der Kaffeeröster aus Kötschach, der Bierbrauer aus Mauthen. Der schwefelfreie Weinmacher aus der Weststeiermark. Der verwegene Kräuterbauer aus Niederbayern, der stille Winzer aus dem slowenischen Karst. Die „Genussfestspiele“, vor 10 Jahren ins Leben gerufen und mittlerweile eine grenzüberschreitende Institution innerhalb des leicht überstrapazierten Begriffes von „Alpe trifft Adria“, zeigen freilich überzeugend dessen Gültigkeit, machen ihn zum schlüssigen Motto: zwei oder drei oder auch vier Mal im Jahr kommen zwischen dem Gailtal und Istrien lokale, in ihrer Arbeit bemerkenswerte Produzenten zusammen und präsentieren diese einem verantwortungsvoll-genussfreudigen Publikum. Herwig Ertl, der die Selbststilisierung auf ironische Spitze zu treiben versteht, ist trotz Hang zum großen Auftritt ein demütiger Diener der guten Sache in den guten Sachen.

Sein Spürsinn für Qualität in Nischen macht ihn zum Jäger bemerkenswerter, lebensmittel“echter“ Handwerkskunst. Und weil allein das Renommé seines „Gemischtwarenladens“ in Kötschach nicht ausreicht, um die Kunde vom wertvollen Wesen der nahrhaften Dinge zu verbreiten, dienen diese kulinarischen Festspiele der Vertiefung in den Genussgedanken - allerdings eben nicht auf einer rein hedonistischen Oberfläche, sondern dank markanter Proponenten in nachhaltige Tiefen gehend. Wobei so ein Fest ja auch alle Vorzüge lustvoller Begegnungen in sich trägt.

Das jüngste fand vergangenen Samstag, 27. August, in absolut stimmiger Kulisse statt: die seit langen Jahren als Leitbetrieb der Region fungierende „Kellerwand“ von Sissy und Stefanie Sonnleitner ist in ihrem gar nicht so neuen, aber forciert bekundeten Selbstverständnis geradezu logischer Platz für ein solch regional verankertes Festspiel, wobei die Region freilich als größeres Ganzes, als es politische Grenzlinien vorgeben, gesehen werden muss. Der plötzliche Wettersturz mit empfindlicher Temperaturreduktion zwang zwar leider in die Innenräume, dort aber konnte man umso intimer kosten und schmecken, was mitgebracht worden war - sehr verwegen mit dem Motorrad durch eiskalten Regen über die Berge gekommen war etwa Marko Fon aus dem slowenischen Karstgebiet, mit drei zweiradtauglichen Magnumflaschen seiner Weine im Gepäck.    

Und da der Regen dann doch nachgelassen hatte, gab es die große Eröffnungsshow doch noch im Garten, verbunden mit der kurzen Vorstellung des zweiten Buches von Herwig Ertl: Herzkraft. In diesem gelungenen Kompendium über das „köstlichste Eck Kärntens“ werden all jene Menschen gewürdigt, die auf ihre Weise zum Funktionieren eines nachhaltigen lokalen wirtschaftlichen Gefüges beitragen - da sind zukunftsgerichtete Visionäre ebenso darunter wie leidenschaftlich Besessene oder jene ganz schlicht bodenbezogenen Menschen, die nichts als ihre Arbeit tun und gerade auch deshalb Aufmerksamkeit verdienen.

Dass Herwig Ertl nicht nur ein begnadeter Redner, sondern auch ein echter Kärntner Sänger ist, bewies er bei seiner Show eindrücklich:

Und auch der eloquenteste Mann findet eine Frau, die sich davon nicht allzu sehr beeindrucken lässt ;)