Post Bezau und die Weinfrauen

Seit dem Umbau vor etwa zwei Jahren zeigt das Hotel Post in Bezau eindrucksvoll Architekturkompetenz. Die genügt aber nicht für ein Alleinstellungsmerkmal in einer architektonisch so reichen Region wie dem Bregenzerwald, und auch mit einem Gourmetrestaurant wie dem „Irma"-Stübchen lockt man in einer gastronomisch so dichten Destination die Gäste nur bedingt an. Deshalb hat sich Susanne Kaufmann, die stilsichere Chefin des Hauses, zum Ziel gesetzt, auch entsprechende Weinkompetenz zu vermitteln. Und da hat sie einen guten Mann zur Hand: Dietmar Alge, eigentlich in der Computerbranche beheimatet und ein Freund des Hauses, lässt seine persönliche Weinpassion und jahrelange Erfahrung nun intensiv in das Weinangebot einfließen. Nicht dass bislang nichts da gewesen wäre - aber die Weinkarte war, wie es ja auch löblich ist, vor allem sehr österreichlastig. Das mag zwar Touristenwünschen genügen, deckt aber keineswegs den eigenen Anspruch an ein spannendes, etwas anderes Sortiment.

Um zu zeigen, wohin die Reise geht, luden Frau Kaufmann und Herr Alge zu einem Wochenende mit sieben Weinfrauen, zu einem „Gipfeltreffen" von Winzerinnen. Gekommen waren: Eva Clüsserath aus Deutschland, Elisabetta Foradori aus dem Trentino, Chiara Boschis aus dem Piemont, Anna Barbara von der Crone aus dem Tessin, Sara Pérez aus Spanien, für Petra Unger, die krankheitshalber verhindert war, stand Petra Bader am Tisch, und da Champagner auch nicht fehlen darf bei einem solchen Auftritt, war es Anne Deraisme für Henriot. Bei einer nachmittäglichen Tischverkostung am 11.11.11 (sieh an, es wurde an dem Tag nicht nur geheiratet, sondern auch einfach nur Wein getrunken) war ausreichend Platz und Zeit, um sich ausgiebig mit den Weinen wie auch den Ideen dahinter zu beschäftigen.

Und auszusuchen, denn, erstaunlich selbstlos von Hotelseite her, konnten die Besucher direkt bei den Winzerinnen ihren persönlichen Vorrat bestellen ... Zwei der Winzerinnen, nämlich Eva Clüsserath und Sara Pérez, waren mit Familie gekommen. Beider Männer, obwohl selbst namhafte Winzer (Philipp Wittmann und René Barbier), blieben dennoch gekonnt dezent im Hintergrund und kümmerten sich um Kind(er), damit die Frauen in Ruhe ihre Präsentation machen konnten - das nenn ich mal beispielhaftes Geschlechterverhältnis!

Verkostet wurde übrigens aus den wunderbaren Zalto-Gläsern, Josef Karner von der feinen Glasmanufaktur war selbst mit dabei. Und Erich Wagner, der zwei der sieben Damen in seinem Programm hat. Aber vor allem auch Beate Mayr, die beste Spanien-Vinothekarin des Landes! Nach der Verkostung gab es ein ganz lockeres Beisammensein an der Bar des Hotels, mit köstlichem Fingerfood aus der Post-Küche von Marius Ackermann, untermalt von der unglaublich mitreissenden Performance der Gruppe Soul Department - funky soul passt sehr wohl zu Wein! Und mit einer Blindprobe von Moric Alte Reben Neckenmarkt 06 konnte Dietmar auch eine wissende Weinfrau wie Sara Pérez überraschen...

Beim Samstagsprogramm, einer Weinkenner-Herausforderung mit Blindprobe und tollen Preisen sowie dem Galamenü am Abend konnte Ihre Salon-Dame nicht mehr dabei sein, da war die rasende Frau Deutsch schon wieder anderswo. Aber vielleicht gibt es ja nächstes Jahr wieder Ähnliches, und dann sind auch Sie dabei?

Hotel Post