Hirsch goes Music. Cleveland Musicians for Charity.

tags: musik

Vor zehn Jahren kam Owen Kotler, New Yorker Klarinettist mit Wiener Familienbackground, zu Johannes Hirsch, um Wein zu verkosten. Als er den hellen neuen Verkostungsraum mit Blick auf die großen Lagen betrat, formulierte sich der erste Satz wie von selbst:„Das ist ein Raum zum Musizieren!" Und erst dann folgte „Let's taste wine" .... Doch es bedurfte noch einiger Besuche und einer Zeitspanne von 10 Jahren, bis diese Idee, am Weingut ein Konzert zu veranstalten, endlich umgesetzt wurde. Dafür nicht einfach nur als kleines, feines Kammerkonzert, sondern - eine Idee von Sandra Hirsch - als Benefizkonzert zugunsten von Kindern mit Lippen-Kiefer-Gaumenspalten in Asien, die vom Salzburger Spezialisten Dr. Peter Schachner ehrenamtlich operiert werden. Weil Owen ein gutes Netzwerk an Musikern hat und das Cleveland Orchestra gerade in Grafenegg gastierte, kam ein wahrlich hochkarätiges Ensemble zusammen, um zwischen Weinversteigerung und Chill out im Garten bei Lagenweinen, Höllerschmidt-Würsteln und Paget-Käse ein kleines, feines Konzert voller Preziosen zu spielen.

Bartok, Schubert, Mozart, mehr oder weniger bekannt; dass nicht alle Gäste mit dem Konzerthabitus vertraut sind, war am begeisterten Klatschen zwischen den einzelnen Sätzen zu hören. Abgesehen davon, dass mit Eintritt, Spenden und Versteigerung eine beträchtliche Summe für die Arbeit von Dr. Schachner zusammenkam (15.000€ wurden noch am selben Abend kolportiert), war das Konzert vor allem aufgrund des Ortes und der Ausübenden bemerkenswert:

Ein milder Septemberabend, der noch lange von der Sonne aufgewärmt wurde, stilles Licht über stiller Landschaft. Fast vermeinte man das nach großer Sommerhitze erleichterte Aufseufzen der Trauben, sich nun geruhsamer ins letzte Reifen begeben zu können, aus den fernen Hängen von Gaisberg und Heiligenstein zu hören. Als Konzertsaal diente die Füllhalle, überzeugend in der Akustik und bei geöffnetem Tor den Blick auf die Weinberge mit einbeziehend. Irgendwann sah man draußen Kinder im späten Abend am Feldrand spazieren, pures ländliches Friedfertigkeits-Idyll, während ein Schubertsches Allegro ertönte; Hirsch-Zwillinge versuchten sich kurz an hereinlugendem Schabernack, und im langsamen Dunkeln umwoben die Klänge von Mozarts Klarinettenquintett KV 581 die gut 150 Zuhörer. Absolut brillant an der ersten Geige: William Preucil, Konzertmeister des Cleveland Orchesters, der zu Beginn mit seiner nicht minder famosen Tochter Alexandra einige kleine Violinduos von Béla Bartók aufspielte; im Menuett, dem dritten Satz des Quintetts, ließ er solchen Schmelz, vorsichtige Verzögerungen und ziehendes Seufzen vernehmen, als wäre er der geborene Wiener. Aber auch Aloysia Friedmann, Viola (extra von einem großzügigen Sponsor eingeflogen!), und Mark Kosower, Cello, ach überhaupt alle trugen zu einem bemerkenswerten Musikerlebnis bei, für das man den Goldenen Saal jederzeit links liegen ließe. Bitte mehr davon!

Das Ensemble: Owen Kotler, Klarinette/Alexandra Preucil, Violine/William Preucil, Violine/Stephen Rose, Violine/Aloysia Friedmann, Viola/Mark Kosower, Violoncello.
Das Programm: Béla Bartók, eine Auswahl aus „44 Duos für zwei Violinen, Sz. 98"/Franz Schubert, Streichtrio in B-Dur, Deutsch-Verzeichnis 471, Allegro/W.A. Mozart, Quintett für Klarinette und Streicher A-Dur, KV 581.
Der Ort: Weingut Sandra und Johannes Hirsch, Hauptstraße 76, 3493 Kammern/Langenlois