Der Geschmack Europas II

19.08.2018

Lojze Wieser ist ein passionierter Geschmacksreisender in den Regionen Europas. Was immer ihm den Weg kreuzt, verfolgt er mit Akkuratesse und Hingabe. Er fragt, schaut, würdigt. Vor allem Letzteres: die Würde derjenigen, die ihr angestammtes Werk tun, zu offenbaren. 

Ohne Euphorie – einfache Erzählungen sind es, über Landschaften, über Menschen, ihre Beweggründe, ihre Besorgtheiten. Nichts ist „groß“ oder „spektakulär“, sondern selbstverständlich, weil ist, was ist. Das macht die Größe und Gewichtigkeit seiner europäischen Geschmackserkundungen aus. Grenzenlos. 

Damit ist er für mich ein wundervoller, philosophierender Geschichtenerzähler; ich kenne auf diesem Gebiet keinen besseren. Das mag wie eine Liebeserklärung klingen und ist es irgendwie auch – in der Verbindung der Liebe zum guten Geschmack, die uns eint.

Was aber ist guter Geschmack, was der Geschmack Europas? Genau dem geht Lojze Wieser in seinen gewichtigen Bänden nach, in Nachdenken über das Elementare des menschlichen Seins.

Die „weiteren Stationen“ in diesem gewichtigen zweiten Journal mit Rezepten zum Geschmack Europas erstrecken sich von Istrien zum griechischen Norden, von Flandern nach Böhmen und Südjütland mit Fünen, von Sizilien bis in die Südost-Steiermark. So viele Bilder, so viele historische Dokumente – der Aufwand der Buchgestaltung ist beeindruckend. Das geht nicht ohne ein hervorragendes Team, das in Einbegleitung und Ausbegleitung zu Wort kommt; köstlich das Wort von Tonmeister Bertram Knappitsch: „Der Klang Europas!“ Geschmack als Klang – auch da gäbe es reichlich Philosophier-Nahrung.

Jeweils zum Ende eines Regionskapitels sind die Rezepte versammelt, reichlich Stoff für ausgiebige eigene Europaerkundungen auf Geschmacksterroir. Istrischer Bakalar, Jouvarekalia-Suppe von Nikos aus Griechenland; Kalbshirn mit Sauce Tartare aus Flandern, Überraschendes aus Böhmen wie Knödel mit Ei in Gänseschmalz mit Marillen oder Preiselbeer. Smoerrebroed mit dem poetischen Namen „Stjerneskud – Sternschnuppe“, aber auch Flæskesteg = Schweinebraten in Dänemark, Involtini aus Schwertfisch in Sizilien, und schließlich Hadn, also Buchweizensterz, in der Südoststeiermark.

So viel zu lesen, zu vertiefen, zu versuchen: diese Fülle würde ich Ihnen gern ans Herz legen, wenn der Band nicht so schwer wäre ;) Aber auf dem Esstisch macht er sich gut!

Wichtiger Hinweis: vergessen Sie nicht die gleichnamige Serie, die schon seit einiger Zeit erfolgreich auf ORF läuft! 

Der Geschmack Europas. Ein Journal mit Rezepten. Weitere Stationen
Wieser Verlag 2018 ISBN 978-3-99029-250-1

>> Der Geschmack Europas 

 

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