Ein Sonntag in Eichelwang

30.08.2015
tags: reden

Plötzlich, an diesem auch am Bach schon milden Augustsonntagmorgen, sah ich klar: Eichelwang war immer Familienort gewesen.

Meine Großeltern Czuma, also jene mütterlicherseits, hatten nach Flucht aus Brünn und erstem Nachkriegsleben in Kaprun (der Großvater wirkte als Techniker beim Bau des Moserboden mit) ihre erste Kufstein-Zuflucht in Eichelwang gefunden. Untermiete im Dachgeschoß eines kleine Holzhauses mit großen Garten und viel Wald rundum. 

Dort verbrachte ich mein zweites Lebensjahr; die äußerst bescheidenen Einkommensverhältnisse meines Vaters in Wien reichten hinten und vorne nicht, meine Mutter konnte in Kufstein als Schneiderin tätig sein. Ich denke, ich hatte ein glückliches Eichelwang-Jahr, bis meine Schwester hier auf die Welt kam und wir wieder zurück nach Wien zogen, in einen Gemeindebau in Erdberg.

Dass ich Jahre später – 1990, als ich Wien nicht mehr ertrug und nach Tirol flüchtete – ausgerechnet wenige Schritte von jenem Haus meiner frühen Kindheit Hals über Kopf in einer Liebes-Familienabenteuergeschichte mit Bernd landete, der damals genau in diesem Eichelwang lebte, das ist allerdings bemerkenswert.

Nach 7 Jahren gemeinsamen (in idyllischer Gartenlage in Kufstein) und mittlerweile 25 Jahren fortgesetzten Familienlebens mit all seinen Turbulenzen, aber auch allen gemeinsamen Weihnachten und Ostern bin ich nun zurückgekehrt nach Eichelwang, an den Kaiserbach ins Künstlerhaus von Bernd, der mir hier Unterschlupf gewährt. Hier entwickeln wir gemeinsam mit dem wunderbaren „ägyptischen Kind“, unserer Tochter Franziska, die zu meiner Pflege gekommen ist, nun ein etwas anderes Familienleben. 

Es gibt keine Zufälle. Auch wenn immer Fragen bleiben.