Immer schon vegan

20.07.2015
tags: cookbook

Was wir natürlich immer schon wussten: Frau Seiser wird nie und nimmer vegan. Das geht schon allein aus geschmacklichen Gründen nicht, ich sage nur: Buttersemmerl zum Frühstück! Der gute Geschmack ist, neben Bio, eine der obersten Prioritäten ihrer Arbeit als Autorin, ob im eigenen Foodblog, ob in ihrem Kochbüchern, ob in Magazintexten. Also auch wenn Tier, dann nur mit höchstem Respekt: wissen wie und wo gewachsen, gepflegt, genährt. Keinesfalls herz- und hirnlos zu Ware greifen, sondern mit Aufmerksam- und Achtsamkeit den Lebensmitteln begegnen, vom kleinsten ins größte. Vom Salzkörndl bis zum ganzen Tier.

Aber wie es nun mal so ist mit Herausforderungen, die auf einmal im Raum stehen: Frau Seiser wollte es wissen. Wie denn das sei mit vegan. Und startete 2014 im frühen Frühjahr einen Selbstversuch für einen Artikel. Auf ihrem Blog esskultur.at konnte man auch kommentierend daran teilhaben. Den täglichen Kampf mit dem (fehlenden) Geschmack mitverfolgen. Am Ende dieser drei Wochen stand nicht nur die Geschichte im Heftl, sondern auch die Idee des Tierfreitags. Googeln Sie einmal #tierfreitag! Eine ganz schöne Sammlung an Ideen, Rezepten, Geschichten, die da mittlerweile zu finden ist und als fixe Einrichtung auch weiterläuft in den social media. Mit eigener Sammelstelle

Schließlich wurde daraus dieses auch aus meiner Sicht wichtige Buch „Immer schon vegan“ geboren. Es wundert mich  nicht, dass der Christian Brandstätter-Verlag seine Spezialistin für die „Vegetarisch“-Reihe auf das Trend-Thema „Vegan“ ansetzte. Oder war es gar Frau Seisers Idee? Wie auch immer, dieses Buch wurde zu einer Anleitung des sinn stiftenden Kochen ohne Tier, aber auch ohne Ersatzprodukte! Beim Geschmack in die Vollen greifen, ohne Einbuße an Lebens- und Esslust aus verwaschenen ethischen Motiven heraus. Dafür mit dem Bewusstsein für das Wesen des guten Essens und mit verantwortlicher Haltung. Das immer schon werden Sie, wenn Sie ihr eigenes Essverhalten durchwandern, auch bei sich selbst finden. Mir jedenfalls ging es so. Ganz viele Kindheitserinnerungen. Dass daraus nichts Ausschließliches wird, liegt allein am Geschmack (zu dem ich auch Biss und Textur zähle). 

Es entstand nicht einfach ein Kochbuch, sondern ein ganzes Universum an köstlichen Rezepten, die Genussfreude widerspiegeln, aber keinen Zeigefinger brauchen. Beispiele gefällig? Wildkräuterpastete aus Griechenland. Seidentofu mit Zitrussauce aus Japan. Gegrillte Paprika mit Salzzitrone aus Nordafrika. Marillenröster mit Estragon aus Österreich. Auberginenröllen mit Walnüssen und Granatapfelkernen aus Georgien. Ribollita aus Italien. Kushari aus Ägypten. Orangensalat mit Zimt und Orangenblütenwasser aus Marokko.

Kochen Sie aber nicht nur nach, werden Sie selbst kreativ! Dem Buch liegt nämlich auch ein schönes Poster bei, auf dem vermerkt ist, was saisonal grad interessant wäre oder was jederzeit an frischen Zutaten verfügbar ist.

Großartig wie in jedem Seiser-Buch: Inhalt. Einleitung. Diesmal mit dem Bonustrack Geschmacksnuancen, Texturen. Und zum Schluss: Glossar, Mehrfachregister, Literaturverzeichnis, Dank. An so viele Menschen. 

Immer schon vegan. Traditionelle Rezepte aus aller Welt. Christian Brandstätter Verlag, ISBN 978-3-85033-856-1