Warum ich heute lieber nicht alleine wäre

10.05.2015
tags: reden

Als ich Kind war, war der Muttertag eine schwierige Angelegenheit. Er bedeutete lächerliche Gedichte, die meinem Sprachgefühl widersprachen, auswendig zu lernen. Und dann auch noch vorzutragen. Ohnehin schon geschädigt durch das Ansinnen meines Vaters, die Talente der Kinder zur Schau zu stellen, vor den Eltern-Freunden, mit allerlei SingSangSpiel, setzte dieses Mama-ich-hab-dich-lieb-Gestammel noch eins drauf. Und dann die Basteleien. Peddigrohrgeflechte für Tabletts (nicht tablets) zu produzieren, das tat in den Händen weh und sah bestenfalls bemüht aus. Oder Blumentöpfe bemalen. Die wurden dann im großen bemalten Bauernkasten verborgen, mit allen anderen Objekten. Vier Kinder, das summiert sich!

Irgendwann gab es Taschengeld. Und die vermeintliche Souveränität über das Geschenk. Ha! Mit 5 Schilling pro Woche kam ich nicht weit, denn ganz ohne Eigenbedarf war ich schließlich auch nicht. Ich erinnere mich noch so gut an die Vergißmeinnicht-Staude, ein struppiges hässliches Ding, im Blumenladen am Simmeringer Markt gekauft. Die ich auch noch gut, weil mit so schöner Bedeutung belegt, fand. Das verzagte Gesicht meiner Mutter habe ich allerdings auch noch vor mir.

Dann wurde ich selbst Mutter. Die Werkstunden meiner Kinder gerieten  wohl kreativer, ich fand alles immer super. Aber wer zum Teufel hat in die Welt gestreut, dass den Müttern an diesem Tag das Frühstück ans Bett zu bringen sei? Ich hasse Brösel im Bett, ich schlief am Sonntag gern länger, und meine selbständigen Kinder haben sich ohnehin immer selbst ihr Frühstück gemacht. Eine Schüssel, Kelloggs, Milch. Fertig. So rührend vieles sein mag, am allerschlimmsten waren die Muttertagsfeiern im Kindergarten. Steif, bar aller Natürlichkeit. Und wieder diese unsäglichen Gedichte. 

Aber jetzt dazu, warum ich heute, an diesem Muttertag, lieber nicht alleine wäre. Die Kinder sind erwachsen, stehen gut in ihrem eigenen Leben. Nur mein Leben hat gerade wieder zu wackeln begonnen. Auch in unserem super Gesundheitssystem funktionieren die Dinge nur, wenn man sie selbst in die Hand nimmt. Z.B. auf einem Blutbefund bestehen, weil keiner zuhört bei der Schilderung der Beschwerden, die nicht weniger werden. Dann aber beginnen alle zu laufen. CT, Diagnose, Schock. Auch wenn das letzte Wort noch nicht gesprochen ist. Und wohl noch sehr lange nicht sein wird. Ich will hier niemanden überfordern. Der zugehörige hashtag ist #BCSM. Kein -D- ;) living with mets der neue Zustand. Ja und weil sich der Muttertag heute als der erste eine Reihe von letzten anfühlt, musste das hier raus aus mir (vier Tage nach Kenntnis der Diagnose muss solche Melodramatik erlaubt sein). Die Kinder sind entschuldigt, für sie ist der heutige Tag böser als für mich. Ich wollte das einfach nur mal im Reigen von all den Gefühlsduseleimuttertagspostings gesagt haben.