Wein-Adventkalender ::21:: Into the Rare: Wine Mosaic #DWCC14

21.12.2014

Kostend über den Tellerrand schauen: Im Rahmen der #DWCC14 gab es dank Wine Mosaic, einem Projekt zur Vinodiversität und dem Erhalt seltener Rebsorten, Spannendes und Beeindruckendes aus Libanon, Serbien und Armenien zu kosten.  

Nein, es ist nicht Chardonnay, was da im Glas so hell schimmert. Frisch, floral, Zitrus und würzige Blüten, etwas Gerbstoff: die Rebsorte heißt Obeidy, ist im Libanon beheimatet und neuerdings identitätsstiftend für den libanesischen Wein. Ein Projekt von Joe-Assaad Touma, Château St. Thomas im Bekaa Valley sorgt sich um diese Sorte, die gerne für die Arrak-Produktion verwendet wird. Obeidy, sehr empfindlich gegenüber Sonne und Hitze und auch in der Vergärung nicht einfach, wächst hier auf einer Höhe von 800-1400 Metern.
Das Video dazu.
Bei einer nächtlichen privaten #winelover session nach der Konferenz gab es auch eine Flasche gereiften Obeidy zu kosten: 1957, mein Geburtsjahrang. Das war dann schon beeindruckend.

Ortswechsel: Serbien, Rebsorte Jagoda. „Niemand weiß etwas über diese Sorte“ wird erzählt, aber der Wein selbst spricht ausreichend über sich. 
Jagoda 2012: Erster Eindruck Fruchtsüße, mit Luft Würze, florale Noten, rund, präzise, etwas Kräuterkaramell. Verständlich, aber nicht langweilig. Jagoda ist in der Weinregion Župa  beheimatet, kam früher wohl in alten Gemischten Sätzen vor, ist niemals zuvor aber in die Flasche gefüllt worden. Das hat nun Kosta Botunjac besorgt, ein ungemein sympathischer Winzer, er hat einen ganzen Garten ausgepflanzt. Der Wein ist spontanvergoren und unfiltriert abgefüllt.
Hier ist das Video dazu. 

Absolut beeindruckend war der Wein aus Armenien, ganz abgesehen von der fantastischen Landschaft dort: Areni Noir Karasì 2012 von Zorah Wines. Erst süße Nase, dann sehr straff, mit Gerbstoff, elegant. Areni Noir ist eine der ältesten Sorten der Welt; unbeschadet von Phylloxera und dank der entlegenen Gegend isoliert von der modernen Sowjet-Landwirtschaft, konnte sie sich unverändert in den Weingärten auf 1400m – Bergwein pur! – halten und wurde von Zorik Gahribian in sorgfältiger Vermehrung alter wurzelechter Rebstöcke wiedererweckt. Areni eignet sich perfekt für das kontinentale Klima, die dickschalige Trauben halten die extremen Temperaturschwankungen von Tag und Nacht (bis zu 20°!) gut aus, bewahren Eleganz und Frische und sind gegenüber Krankheiten sehr widerstandsfähig. Ausgebaut wurde der Wein gemäß der mehrere tausend Jahre alten armenischen Weinbautraditon in Amphoren, aber auch Zementtanks und großen, ungetoasteten Holzfässern.
Areni im Video

Weitere Weine der im Rahmen der DWCC14 stattgefundenen Verkostung:
Josef-Marie Chanton, Gwäss (Schweiz)
Domaine Wardy, Obeideh 2012 (Libanon)
Domaine des Rutissons, Verdesse 2013 (Frankreich-Isère)
Domaine Thomas Finot, Etraire de la Dhuy 2011 (Frankreich-Isère)
Domaine Nicolas Gonin, Person 2012 (Frankreich-Isère)
Mustafa Chamlija, Papaskarasi 2012 (Türkei-Thrakien)

70% der Weine weltweit werden aus nur 30 der ca. 2000 für den Anbau geeigneten Rebsorten (von geschätzten 10.000!) produziert, deutliche Zahlen zur Bedrohung der Wein-Diversität. Wine Mosaic hat es sich zur Aufgabe gemacht, ein Netzwerk zu bilden, eine sich über die Welt erstreckende community an Rebwissenschaftlern, Produzenten, Händlern, Sommeliers, Journalisten und Bloggern, Konsumenten und vor allem Winzern und Weingütern, um alte, fast schon verschwundene Rebsorten zu entdecken, zu bewahren, zu propagieren. Es unterstützt dabei die Weingüter in ihren Projekten mit autochthonen Weinen.

 

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