Wein-Adventkalender ::15:: Mission Süßwein

15.12.2014

Heidi Schröcks Herz schlägt für Süßweine, „ganz besonders für jene aus der Freistadt Rust". Die ihren sind denn auch immer ganz wunderbare Exemplare der Aromenverdichtung; „Auf den Flügeln der Morgenröte“, der Ruster Ausbruch, lässt schon im Namen die ganze Poesie anklingen, zu der ein großer Süßwein fähig ist. Aber werden diese Elixiere aus Traubensaft auch wirklich in ihrer ganzen Dimension erkannt und gewürdigt? Bei bei Bewertungen sind Süßweine zwar regelmäßig für Höchstbewertungen gut, im Trinkalltag aber kommen sie kaum vor.

Die Limitierung auf „Dessertwein“ oder allenfalls Käsebegleiter zeugt jedenfalls von magerer Imaginationskraft bezüglich der Kombinationsfähigkeiten von Süßwein. Meint jedenfalls Heidi Schröck, die mit ihren neuen Etiketten zu mutigeren Genussreisen in die Welt der Speisen-Wein-Abenteuer einladen will. Würzigkeit, Schärfe, Säure und Bitterkeit der Zutaten eines Gerichtes könnten ja auch auf die Spuren eines Süßweines führen – und unerwartetes Geschmackserlebnis generieren. Ein paar Hinweise auf derlei Möglichkeiten tragen die neuen Weine von Heidi Schröck bereits auf dem Etikett. 

Ein Kurzbesuch im Sonnhof St. Veit hat zum ersten Selbstversuch mit der Spätlese 2013 geführt. Die Cuvée aus Weißburgunder und Chardonnay – dezente Süße, feine Fruchtaromen – sei gut zu „geräuchertem Wels, Hummer, zur zarten Säure von Tomaten, Marillen, Limetten oder Maracuja, zur Schärfe von Ingwer oder Chilli, zu Fenchel und gereiftem Hartkäse“. Nun, Vitus Winkler hatte bereits ein Saiblingsgericht vorbereitet. Mit Kren als Schärfegeber. Mit Radieschen und Radieschensprossen. Mit Saiblingskaviar und Kräuterchen. Nun gut, das wird sich eher nicht ausgehen, war die Annahme. Und ja, zum Fisch pur war der Wein auch nur als süße wahrnehmbar. Aber: vor allem mit den Radieschen und Sprossen und Kren ergab sich auf einmal ein anderes Geschmacksbild. Die Spätlese entwickelte salzige Noten, und auch wenn das jetzt von perfekt weit weg war: ganz unmöglich war es nicht. 

Freilich: zum Dessert aus Nüssen, Schokolade, Mandarine und Lebkuchen war er dann sensationell. Dezente Süße, sich mit den Mandarinen im Fruchterlebnis neckend und so anregend, dass ein zweites Glas auch noch sein musste. Möglicherweise hätte er aber auch zum Stör im Steirereck vor zwei Tagen gepasst, über Holzkohle gegrillt, mit diesem wunderbaren „Superschmelz“-Kohlrabi auf Buchweizen und vor allem einer herrlichen Schnittlauch-süßsauer Kohlrabi-Sancho Pfeffer-Crème. Das hätte eine Heidi Schröck-Kombi ergeben können!

Edit 3. August 2017: Inzwischen hat sich der Reigen an neuen Etiketten vergrößert; ich habe zwei dennoch "reifere" Fotos hinzugefügt.

 

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