Wein-Adventkalender ::9:: Durst auf Dorf

09.12.2014

Andreas Durst ist Fotograf. Und Minimengenwinzer. Macht großartige Weine unter einem herrlich reduzierten Label. handle with care steht normalerweise drauf. Und dann vielleicht Grosser Durst. Das ist Riesling. Nur der Dorf hat ein ganz anderes Etikett. Da steht hinter dem Namen Ein Name, kein Programm. Und dann Spätburgunder 2011, Pfälzer Landwein. 

Den ersten Schwall an Frucht erst mal über Nacht beiseite legen. Auch wenn die dunklen Himbeeren recht reizvoll sind. Aber die Belohnung ist ungleich mehr Straffheit, sofort. Beim ersten Schluck, am nächsten Tag. Im kleinen Glas mehr Waldbeeren in der Nase. Ich trinke dennoch lieber aus meinen Zalto Bordeaux. Pfeffrige Noten. Saftigkeit. Bittere Säure. Würzige Klasse. Eine gewisse kühle Strenge ist ihm nicht abzusprechen, aber das macht ihn zu der Sorte Wein mit dem „Ich kann nicht aufhören zu trinken“-Anhängsel. Für einen „Gutswein“, dessen Name „Dorf“ schon was Keckes hat, also für einen Jeden-Tag-Wein ganz schön anspruchsvoll-vergnüglich. Und auf jeden Fall ganz wunderbar für das Motto des Adventkalenders „weil advent ist und der durst nicht kleiner wird“ geeignet. Der Prototyp sozusagen.

Schraubverschluss. Spätlese. "Offene Maischevergärung, 18 Monate GFK-Tank, 6 Monate gebrauchtes Barrique, unfiltriert, freie SO2 bei 25, keine Schönung, kein Quatsch, keine BSA Bakterien, nur Trauben und Schwefel. Und den auch noch so knapp wie möglich." (O-Ton Durst)
Um € 9,50 bei 225Liter zu bekommen. Wenn der nächste Jahrgang da ist. Denn das war glaub ich die letzte Flasche in München. Aber so oder so viel Wein um das Geld. Ist übrigens ein echter Garagenwein. Denn formvollendeten Keller gibt es in Bockenheim keinen.

Ich hatte ihn zu einem Weiße Bohnen-Wurzelgemüsegulasch. Wenn ich derzeit Schwein äße, gefiele er mir auch ausnehmend gut zu einem BOA-Braten. Oder zur Rehzunge von Max Stiegl in Gut Purbach. Ja das wär auch was. Mit den Rübchen. Wie ich sie im Mai 2013 hatte.

 

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