Wein-Adventkalender ::5:: Mostello

05.12.2014

Ein Teufelszeug, dieser Mostello! Blindkostproben, von meinem Kollegen Jürgen Schmücking gerne bei Süßweinen untergejubelt, ließen meist Verwirrung zurück: Was? Woher? Nun, hier dürfen wir ganz offen sein: Birne und sonst nichts. Also Birnenmost aus vier Mostviertler Sorten, per Spontangärung zum Fruchtweinleben gebracht; die Gärung gestoppt mit hauseigenem Birnenbrand; nach ein paar Monaten Ruhepause im Stahltank Umfüllung in 1x gebrauchte, 225 Liter fassende französische und heimische Rotweinfässer mit medium Toasting – und zumeist für 1 Sommer und 1 Winter im Freien gelagert! „Oxidation ist erwünscht!“ sagt Josef Farthofer, außerdem entsteht dabei eine natürliche Konzentration und der Abbau von Säure. Bei einem Verlust von etwa 8% im Jahr wird immer wieder das Auffüllen notwendig, die Fässer werden weniger, der Stoff intensiver – bis zur (unfiltrierten) Flaschenfüllung. Jahrgangsrein. 

Natürlich gibt es auch eine schöne Geschichte dazu, wie es überhaupt zum Projekt Mostello kam. Beim Kosten eines Portweins, dem kleinen Portugal-Weinhandel eines start up-Beraters zu verdanken, schoss im Jahre 2001 Josef Farthofer auf einmal die Herausforderung ein: das kann ich auch! Und so entstand, nach vielem Experimentieren und Probieren, der Mostello. 

Im November 2014 hatte Josef Farthofer zur ersten großen Jahrgangsvertikale geladen, stolze fünf Ausgaben sind nun auf dem Markt. Die wunderbare Idee für die Verkostung unter dem Titel "Mostello&Friends": der Vergleich zu internationalen gespriteten Getränken, natürlich auch alles bio. Und dazu auch gleich das passende Gericht aus der Küche des Bärenwirts in Petzenkirchen. Food pairing, um zu zeigen, dass Mostello mehr kann als nur zum Aperitif oder zum Käse gereicht zu werden.

2010 Mostello  20,8% vol.  7,5 g Säure  96,8 g RZ
Getrocknete Früchte, Feige, Kletzen, frisch mit Säurebalance. Zu Rehlebermousse und Quittenragout auf Brioche sehr stimmig. Der Neige Apple Ice Cidre, an Apfelkuchen erinnernd, hat nicht ganz das Rückgrat, neben der Rehleber zu bestehen.

2006 Mostello  19,8% vol.  7,4 g Säure  118 g RZ
2014 gefüllt! Also 8 Jahre im Fass; die Gärung war 2006 früher als sonst gestoppt worden.  Süße Nase, aromenreich, malzige Komponenten, lebendig, komplex, ausgewogenes Zucker-Säure-Verhältnis dank der Speckbirnen darin. Zu Maronitascherl mit Sellericreme und Weintrauben kommt die ihm zu eigene Frucht mehr heraus, er gibt auch dem Gericht mehr Tiefe. Aber auch der Pineau de Charentes, weinig, leicht erdig, nussig, mit Fruchtfrische, passt mit seiner Süße gut zur Kastaniensüße der Fülle, ein molliges Miteinander.

2009 Mostello  18,5% vol.  7,4 g Säure  4 g RZ
Der erste trockene Mostello schmeckt für sich allein wunderbar: intensiv, birnig, salzig, streng, mit Spannung; einer meiner Favoriten als Solist. Zum Rehragout in Preiselbeersauce ist er aber doch etwas dominant, fast scharf, auch wenn er aromatisch passen würde. Da tut sich der Niepoort Dry White Port leichter, ergibt mit dem Ragout ein rundes Bild.

2007 Mostello  20,1% vol.  7,4 g Säure  93,2 g RZ
Datteln, Kletzen, feine Säure, schöne Balance. Geschmeidig, unter den süßen Mostellos der für mich derzeit ansprechendste. Dazu serviert Erich Mayrhofer, der „Bärenwirt“, Flugentenbrust in Topaz-Apfelsauce mit Erdäpfel-Kastanienknödel und Rotkraut. Der 2007 ist zwar nur zur Ente ein wenig zu süß, aber im Gesamtpaket, vor allem zu Knödeln und Apfel perfekt. Etwas grober dazu wirkt der würzig-kraftvolle Fino Tawny Casal dos Jordoes mit schönen Oxidationsnoten.

2005 Mostello  19% vol.  5,1 g Säure  79,2 g RZ
Der allererste Jahrgang. 2 Jahre im Freien gelagert, besonders konzentrierte, mollig-süßliche Aromen durch die starken Temperaturschwankungen der Jahreszeiten; insgesamt 9 Jahre im Fass. Strahlt ruhige Süße aus, Karamell, getrocknete süße Blüten, wirkt sehr frisch. Zu Birnentarte mit Schokomousse und Rotweinbirne ergibt das eine tolle Kombination, die Aromen ergänzen einander perfekt, der Mostello holt die Birne schön heraus, hellt die Schokolade auf. Auch der dunkle, erdige, raue Pommeau de Normandie AOC ist eine Möglichkeit, passt vor allem zur Schokolade – eine so feinaromatische Harmonie wie mit dem Mostello ergibt sich allerdings nicht.

Dank an Josef Farthofer und Doris Hausberger für die Einladung ins Mostello-Reich Mostelleria, wo auch beste Edelbrände, Rum, Gin und der mit IWSC-Gold und Trophy prämiierte O-Vodka entstehen!
Die internationalen Begleiter waren von Jürgen Schmücking zusammengestellt worden, präsentiert hatte sie spirits-Spezialist Reinhard Pohorec.

 

 

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