Kussmaul. Ein Erstkontakt.

30.06.2014

Ich vergass, nach dem Grund für den Namen zu fragen – zu froh war ich, dass die sich über Wochen, um nicht zu sagen Monate ziehende Ankündigung der Eröffnung endlich stattfand und ich grad noch für ein kleines Frühstück in Wien sein konnte. Und damit zum ersten Gast wurde ...

Im Kussmaul, dem neuen Projekt von Mario Bernatovic am Spittelberg, darf das Team nun endlich loslegen, allerdings ein, zwei Wochen etwas gebremst: das Restaurant steht erst etwa Mitte Juli zur Verfügung, bis dahin müssen die Gäste mit Frühstück, Café + Pâtisserie sowie Bar vorliebnehmen. Aber war bereits zu sehen und zu ahnen ist, fühlt sich gut an. 

Der Kußmaul, das lässt sich nachlesen, war übrigens ein Dr., ein Arzt und Hochschullehrer, der gemeinsam mit dem Schriftsteller Ludwig Eichrodt die Figur des schwäbischen Dorflehrers Gottlieb Biedermeier erfand; dieser verhalf einer ganzen Epoche zum Namen, der Spittelberg ist voller Biedermeier, und so kam dieses allerdings bemerkenswert andere Rundumdieuhr-Extravaganz-Gebilde zu seinem Namen. Da passt auch der Hang zum Lumpazivagabundus, der sich vom Frühstück bis zu den Cocktails durch die Karte zieht, wie überhaupt Spielereien auf sprachlicher und Accessoirebene zum Charakter des Lokals gehören. 

Die Seriosität liegt in Team und Angebot begründet: an der Seite von Mario Bernatovic stehen Walter Leidenfrost, zuletzt Souschef bei Richard Rauch, Andreas Schaber, zuvor Souschef im Tian, und Markus Zapfel; die Pâtissière Julia Weber fertigt knusprige Sauerteig-Croissants, Pralinen und Macarons, Kuchen und Torten (der Kaffee dazu: Alt-Wien!); auch das Brot wird im Haus fabriziert. Der fähige Mann an der Bar heißt Hubert Peter und ist Herr über eine verdammt feine Spirituosen-Auswahl, darunter nicht wenig aus Bio-Produktion, gemixt wird mit hausgemachten Essenzen.

Bio ist ohnehin eine der Maximen, die sich durch Weinkarte und Küchenzutaten zieht; Kräuter, Gemüse, Blüten und Beeren werden in den glasgefassten Terrassen zu beiden Seiten des Lokals in Regalgärtchen gezogen, lebendige Elemente mit Genusswert im von Glas und Holz bestimmten Ambiente. Edle Eiche für die Tische, Stühle aus Japan, Chef‘s Tables in Nischen gegenüber von Bar und einsehbarer Küche (10 Gänge um 100 € nach Belieben der Küche), Zaltogläser für die vornehmlich bioproduzierten Weine, schlichte Teller in Schwarz und Weiß. 

Hausgemacht in allen Details, saisonal und möglichst direkt von den Produzenten bei den Zutaten, das sind die Küchengrundlagen. Auf der Frühstückskarte klingt das dann so: Rührei mit Avocacotartar, English Muffin mit Stundenei und Babyspinat, Sauerteigbrot mit confierten Karotten und Gervais, Porridge mit Kräuterölen, Anchovis und Kapern, Hummersemmerl zum Wochenendbrunch. Im aktuellen Mittagsangebot klingen Liebstöckelgnocchi mit Salsiccia, Erbsen und Eierschwammerl, Sauerteigpizza mit Asiago, Liebstöckel, Mascarpone und Spinat oder Lamm sous vide mit Sommerbohnensalat mehr als brauchbar. Aber die schnellen Wiener Kollegen werden das ohnehin bald testen, denke ich ;)

Damit auch der Service seine Namen hat: Restaurantleitung Hendrik Mergell & Markus Strohmaier, Sommelier Thomas Juranitsch. 

Die Adresse
„Kussmaul“  Spittelberggasse 12 1070 Wien  Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Die Öffnungszeiten  Mo.-Sa.: 8 - 2 Uhr  So.: 8 - 18 Uhr