Spa-Gedanken: Salz auf meiner Haut

02.04.2014
tags: wohnen, salon

Meinen Großeltern mütterlicherseits verdanke ich eine tief verankerte Lust an Natur, eingeschrieben ab der frühen Kindheit mit Waldgängen, Einfachheit des Lebens, wilden Kräutern statt Fleisch. Und das nackte Eintauchen in die eiskalten Gumpen des Kaiserbaches an heißen Hochsommertagen, erwandert über den nicht ungefährlichen Wasserleitungsweg. Kindheit in den 1960ern.

Diese als lustvoll abgespeicherte Erlebnisse knapp 30 Jahre später in einem Liebesversuch wieder aufleben zu lassen ließ die gewünschte Wirkung vermissen. Weitere zwei Dekaden später finde ich mich – Jobentscheidungen zu danken – immer wieder vor jenen künstlichen Wasserwelten, die, als Wellness und Spa betitelt, in meiner Vorstellung lange Jahre Befremden und ein „nicht mit mir“ ausgelöst haben. Überbordende architektonische Verrenkungen, die meiner Vorliebe für Klarheit und Geradlinigkeit zuwiderlaufen, mögen einen Gutteil dazu beigetragen haben.

Doch wenn die Kraft nicht reicht, um durch Frühjahrsschnee über Wanderwege zu stapfen, dann kann eine Nachmittagsstunde unter der Erde zu einer wohligen Erfahrung werden. Schweben im Solebad: treiben lassen, lachend auf dem Wasser sitzen und von den Sprudeln angetrieben im Becken kreiseln. Ich bin allein, so ist es mir grad am liebsten. Zehn Minuten, mehr ist nicht angeraten. Und dann eine halbe Stunde auf dem Wasserbett ruhen. Auch hier ein wenig schaukeln, im gedämpften Licht, umrahmt von Frauenbildern.

Die Frauen sind überall, halbentblößt auf Bildern, Lehmtorsi als Lampen. Beim ersten Betreten des „Saunadorfes“ regte sich sofort mein feministisches Herz. Doch als ich dann im Solebad schwebe, über mir ein angedeuteter Sternenhimmel, fällt mir das Frauenbad in Budapest ein mit den Tageslicht-Durchlässen in der Kuppel. Ob es das noch so gibt, wie ich es in Erinnerung habe? Und jenes gute Gefühl von damals wird wieder wach: nur unter Frauen zu sein. Auf einmal beginnt alles zu stimmen, es ist mir egal, was der Innenausstatter im Sinn hatte mit dieser Anlage. Die Sinnlichkeit der Frauen auf den Abbildungen wird zur meinen, ich gleite mit meinen Phantasien auf dem Wasser, losgelöst von jeglicher Schwere.

Frei von Mann, nur mit mir, es ist gut so. Wenn die Zeit gekommen ist, darf es wieder anders sein. Im „Lehmhaus“, dem Raum der Stille, frage ich mich, wie hier wohl der Wein der Stille schmecken würde? "Schmecke das Leben" – im Salzwasser wie im salzigen Wein!

Diese Gedanken entstanden im Solebad des Burg Vital Hotel Spa