Ameisen im Weinstock

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Beim gestrigen Spaziergang durch Weninger-Weingärten kamen wir (eine Gruppe internationaler Weinjournalistinnen) an einem flachen Stück zu stehen, das im Grunde recht beliebig aussah: Lehmboden, der gerade frisch aufgebrochen wurde, halbwegs alte Rebstöcke in halbwegs nahem Abstand, aber auf den ersten Blick (und bei dem späten Vegetationsverlauf dieses Jahres auch nicht verwunderlich) konnte nichts Besonderes wahrgenommen werden.

Das ist Dürrau, meinte Franz Reinhard Weninger, der Junior, woraufhin sich ein überrascht-betroffenes Was, da ist nicht mehr? kaum vermeiden ließ, ist Dürrau doch die Toplage dieses Horitschoner Weingutes. Die Ameisen würden die Besonderheit dieses Platzes andeuten, meinte der Winzer lakonisch, die hier so gehäuft wie kaum sonst wo ihre Hügel bildeten, und sogar bis hinauf in die Stöcke kröchen, um kleine Behausungen zu bilden. Ja und Würmer gäbe es auch reichlich – was mit einer Handvoll durchlöcherter Erde veranschaulicht wurde, abgesehen von der Tatsache, dass der Boden viel dichter und schwerer sei als an anderen Stellen, der Traktor für die Aufbrecharbeiten in diesen Zeilen den Allradantrieb benötigte, um durchzukommen. Sicher, auch Alter der Weinstöcke und Stockdichte, sicher, aber eigentlich der Boden, der Boden sei es, der die Qualität dieser Lage ausmachte. Ja und deshalb haben sich die Weningers auch dazu entschlossen, ihren Böden insgesamt die höchste Aufmerksamkeit zukommen zu lassen, alles auf biodynamischen Anbau umzustellen.

Das gilt auch für die Weingärten im benachbarten ungarischen Balf, die nach langen kommunistischen Kunstdüngungsjahren behutsam wieder zu ihrem möglichen Leben geführt werden müssen. Den Lagen dort gesteht Franz Weninger jun. großes Potential zu, und wenn man in dieser beeindruckenden Ruhe der Hänge mit Blick auf den südlichsten Teil des Neusiedlersees mit dem breiten Schilfgürtel steht, dann muss man das auch glauben.

Jedenfalls: für die Belebung der Wurzeln wird mit Brennesseltee gespritzt, die beiden biodynamischen Präparate aus Kuhhorn werden selbst gefertigt, am Kellerbau in Balf wird eifrigst gearbeitet, der soll zur nächsten Ernte stehen, und die ganze Familie ist überzeugt davon, dass der eingeschlagene Weg der richtige ist: dem Boden Kraft geben und jene Informationen, die ihn wiederum befähigen, der Rebe die richtigen Informationen weiterzureichen, um das Traubenmaterial für lebendige, spannende und langlebige Weine hervorzubringen.

Der Konzentrator ist schon vor langer Zeit verkauft worden ....

(20.04.06 auf speising.net)