Wining and Dining

Zu den beglückendsten Erlebnissen kulinarischer Natur (wenn auch mit viel natura morta verbunden) zählen jene, wo dem Zusammenspiel von Gerichten und Wein schon im Vorfeld überlegter Platz eingeräumt wurde. Wenn dann auch noch ein besonders appetitliches Ambiente (sagen wir z.b. das Coburg) und Weine aus besonders wertzuschätzenden Regionen (sagen wir z.b. Wachau und Bordelais) hinzukommen und zudem ein launiger Moderator wie René Gabriel durch den Abend führt, macht sich in einem Event-Seminar (des Hauses Wein & Co z.b.) weniger Lern- denn Hedonismusstimmung breit.

F.X.Pichler, Grüner Veltliner Frauenweingarten 2001 (zum Zweierlei vom Kalbskopf): auch Federspiele haben ein längeres Leben, wenn man es ihnen ermöglicht! Und die Tatsache, dass die Frauenweingärten einfach jene dem Winzerhaus am nächsten gelegene waren, damit die Frauen zwischen Kochen und Waschen auch noch schnell die Rebstöcke betreuen konnten, verhilft dem "weiblichen Wein" zu einem ganz neuen Sinn.

Rieslinge vom Kellerberg zu den Flusskrebserln: Smaragd 1994 Knoll, glockenklar mit ganz sanften Petroltönen, von vegetabiler Würze, nicht von jedem Teilnehmer verstanden und akzeptiert, und Smaragd 1998 F.X. Pichler – dieser verströmte seine Dichte und Reife mit samtenem Charme, entfaltete seine vielen Schichten nach und nach.

Veltliner Smaragd Kreutles 1997 Knoll versus Veltliner M 1998 F.X.Pichler (zum Zander auf Räucherlinsen): transparenter können die Unterschiede, die auf einem so kleinen Landstrich entstehen können, nicht gemacht werden. Knoll mit verhaltener zarter Frucht, klar und schlank, wieder recht kräutrig, nussig, würzig, zunächst noch sehr verschlossen, aber nach einiger Zeit im Glas sich mehr und mehr preisgebend – und perfekt zum Gericht passend; der monumentale M schon im Anblick mit sattem Gold verführend, voll und intensiv, mit Würze und Honig, ein Wein, der in Wellen kommt und kommt, nachhaltig und bewegend, in seiner Üppigkeit einfach für sich stehend.

Die roten Paarungen: 1995 Calon-Ségur und Palmer; 1985 Léoville-Las-Cases und Mouton Rothschild; 1995 Angelus und La Fleur-Petrus. Palmer gibt sich als der trinkreifere des ersten Flights, mit seiner Merlot-Süße zur Wachtelbrust samt Pignoli-Kürbisravioli vorzüglich harmonierend, während Calon-Ségur, frisch und noch hart, grünpfeffrig und erdig, vor Jugendlichkeit nachgerade noch strotzte und für weitere 15 bis 20 Jahre Reifung plädierte.

Zum Hasenrücken, zwanzig Jahre und kein bisschen leise, ein weiter und offener Léoville mit verführerischer Frucht, sanft adstringierend und von großer Eleganz; der Mouton mit weicheren Tanninen, sehr süßem Fruchtkern ein Wein von direkter Verständlichkeit, mit „Ikea-Wein" vielleicht etwas gar locker-flockig tituliert – aber Mouton als die "Erotikzentrale des Pauillac" (R.Gabriel) ergibt ein schönes Sinnbild!

Käse mit seinen Salzen tut sich schwer mit Tanninen, da waren die merlotlastigen Weine vom rechten Ufer die richtigen Begleiter. Der 95er Angelus bestach mit dunklen Beeren, Vanille, Schoko und ganz feingewebter Tanninstruktur; karamellig-kirschig und in seiner Balance schon sehr reif wirkend (aber durchaus noch am Beginn seiner Reifephase stehend) präsentierte sich der La Fleur.

Die Abrundung brachte zuletzt der Château Suduiraut von 1998 zu den soufflierten Marillenpalatschinken: Honig und getrocknete Marillen im Glas, 3 lustige Marillengeleekreise am Teller, denn ohne Gemälde geht's auch im Coburg nicht.

(07.11.05 auf speising.net)

 

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