Brennende Frauen im Esszimmer

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Heidi Schröck ist eine mitreißende Rednerin. Mit wenigen leidenschaftlichen Sätzen versteht sie es, von der doch sehr submissiven Rolle der Bacchantinnen Roms überzuleiten zu den Erfolgen der Weinfrauen heute, der kurze geschichtliche Abriss dazwischen erinnert daran, dass das Winzerinnentum keineswegs eine Selbstverständlichkeit war.

Dass heute die provokante Eingangsfrage „Frauen machen Wein – was ist daran schon besonderes?" ein verwundertes „nichts" nach sich ziehen sollte, ist den vielen stillen Frauen, die an Männerseite Wein machen, aber vor allem auch den laut auftretenden, die den Erfolg und das Renommée für sich beanspruchen, zu verdanken.

Im einladenden und farbmutigen Ambiente des „Esszimmer" in Salzburg fand gestern eine Präsentation der Vereinigung „11 Frauen und ihre Weine" statt, die erste übrigens in dieser Form, welche nicht nur durch thematische Konzision hervorstach, sondern vor allem auch vom leidenschaftlichen Elan der 11 Damen lebte: in den einzelnen Beiträgen war das „Brennen" für die Sache unmittelbar zu spüren und zu verstehen, und mit diesem Enthusiasmus sei ihnen ein Platz am Olymp in der Riege der männlichen Weingötter durchaus zu gönnen! (frei nach Heidi Schröck ...)

Die inhaltliche Beschränkung auf autochthone Rebsorten zeigte gleichwohl deren inneren Reichtum und die Vielfalt an Möglichkeiten auf, die zu nutzen sind und genutzt werden:

Helma Müller-Grossmann, Ilse Maier, Michaela Ehn, Petra Unger und Birgit Eichinger als vornehmlich Weißwein-Winzerinnen präsentierten den Grünen Veltliner vom klassischen, frischen, jungen 2004er (Großer Satz Müller-Grossmann) bis hin zum gereiften Wein (Alte Reben 2000 Unger); von feinfruchtig-würzig (GV Harein 04 Ehn, Drehverschluss) über explizit mineralisch (Steinleithn 04 Maier, Geyerhof) bis hin zu exotischer Opulenz (Goliath 2003 Eichinger) reichte die dargebotene Palette.

Ein besonderes Verdienst kommt jenen Winzerinnen zu, die sich mit großem Einsatz des sicher nicht einfachen St. Laurent annehmen: Judith Beck, mit einem 2002 und einer Fassprobe von 2004 vertreten, zeigt mit ihren Beispielen deutlich, dass die Zurücknahme des Holzeinsatzes dieser Rebsorte nur dienlich sein kann; Silvia Prieler hat mit dem 2003 Altenberg das erste Mal diesen Wein auf Flasche, er präsentiert sich wunderbar mineralisch und profitiert – als Burgunderrebsorte – von den Kalk- und Schieferböden der Schützener Lagen. Das Potential des St. Laurent verdeutliche ein Wein von 1993, den Birgit Braunstein mitgebracht hat: noch immer intensivste Frucht nach Himbeeren und warmen Erdbeeren, Würze, und auch am Gaumen voller jugendlicher Dynamik.

Der Blaufränkische, dessen Ursprünge sich im geschichtlichen Nebel verlieren, aber seit 20 Jahren (österreichische)Weingeschichte schreibt, punktet nicht nur, aber vor allem bei den Mittelburgenländerinnen: Silvia Heinrich mit dem Goldberg 03 und dem Goldberg Reserve 03 als Beispiele einer reichhaltigen, unmittelbaren Zugänglichkeit, Rosi Schuster mit BF Reserve 03 von alten Reben und Eichberg 02 als Exponentin einer traditionsbewussten, eleganten, vielschichtigen Interpretation. Silvia Prieler hingegen bewies mit dem Goldberg 02, der nur in besten Jahren entsteht und dem 3 Jahre Fasslagerung gegönnt werden, über welches Potential diese Rebsorte in so hervorragenden Lagen verfügt!

Heidi Schröck oblag es, nach ihren einführenden Worten auch für einen entsprechend versüßenden Abschluss zu sorgen: mit Ruster Ausbruch 03 Auf den Flügeln der Morgenröte, und Turner 02 – Einzellage und reinsortig Furmint.

Nicht unerwähnt bleiben sollte die perfekte logistische und organisatorische Abwicklung durch Petra Bader, ehemals Partnerin von Andreas Kaiblinger im Perkeo, mit Hilfe des Esszimmer-Teams; einen kleinen Einblick in das Können des Küchenchefs brachten die zwischendurch als Belohnung für harte Verkostungs"arbeit" gereichten Amuse bouches. Am Abend hätte es dann noch ein ausgefeiltes Menü, zu weiteren Weinen der 11 Frauen komponiert, gegeben ....

www.11frauenundihreweine.at
www.esszimmer.com

(21.04.05 auf speising.net)