Projekt Weingalerie am Philharmonikerball 2013

30.01.2013

Ein Musiker und Fotograf. Ein Architekt. Ein Gläserproduzent. Die Traditionsweingüter. Und der Mann mit Mut. Im beherzten Zusammenspiel all dieser Menschen entstand ein neues Element innerhalb des elegantesten der Wiener Bälle, ein Geniestreich, der abseits vom Blitzlichtgewitter dem Ball der Wiener Philharmoniker eine weinkulturelle wie zusätzlich künstlerische Dimension hinzufügte: die Weingalerie.

Wein und Wiener Bälle, das kennt man sonst eher als Heurigenatmosphäre, mit braven Flaschen braver Weingüter, einfach zu trinken und gewiss nicht billig ausgeschenkt. Doch Andreas Großbauers Anspruch ist größer. Der Ballorganisator hat gute Kontakte zu Michael Moosbrugger von Schloß Gobelsburg. Er ist auch mit Josef Karner, Zalto-Glas, durch die Arbeit an Philharmonic Taste verbunden. Und so entwickelte sich in Gesprächen aus der ursprünglichen Idee, eine Ausstellung mit den Fotos von Wilfried Hedenborg, erstem Geiger und passioniertem Fotografen, zu gestalten, dieses Mehr, eine regelrechte Installation.

Thomas Mayrhofer ist der Architekt, der mit seinem Team in atemberaubend kurzer Zeit (am 1. November wurde mit der Ideenumsetzung begonnen) und mit Spannung bis zum letzten Augenblick (der letzte Genehmigungsbescheid für die ziviltechnische Abnahme kam erst um 16:30 am Balltag selbst!) im sogenannten Erste-Foyer, dem Pausengang im Musikvereins-Untergeschoß, ein Gebilde aus Form, Bildern und Licht geschaffen, das seinen eigenen Sog besitzt.

Ein besonderes Format für einen Ball-Aufenthaltsraum verlangt auch nach entsprechendem Format beim ausgeschenkten Wein: Großflaschen der Traditionsweingüter, 5 Liter fassend, in rot und weiß, aktuelle und gereiftere Jahrgänge, ausgeschenkt in den schwebenden Zalto-Gläsern, das wurde zur perfekten Symbiose mit dem in den lang gestreckten Gang gepassten mobilen Kunststück.

36 Meter lang und insgesamt über 100 Laufmeter an speziellem Gewebe verarbeitet, ist der Gang wie ein Zelt, in dem das indirekte Licht hinter den Wänden wie bei Kirchenfenstern ein lichtdurchflutetes Farbenspiel zeigt. Es ist die Art von Thomas Mayrhofer, Bilder zu gestalten. Statt einer schlichten Fotoausstellung und einer üblichen Weingrotte, vielleicht noch mit Ziegelwand und falschem Efeu, entstand so etwas künstlerisch Adäquates. Fotos wie die von Hedenborg, in solchem Nahverhältnis entstanden, konnte man nicht einfach nur aufhängen.

Ins Verschwimmende aufgelöst an den Seitenwänden, die ohnehin mit nur wenigen Menschen sofort verstellt sind, und kreisrund scharf fokussiert an der Decke: so entsteht ein Sog, der einen hineinzieht ins umhüllende Gebilde. Die Kreise an der Decke erinnern auch an das Objektiv der Kamera. Im Heben des Glases, es an die Lippen ansetzend, hebt sich auch der Blick nach oben, man wird der Bilder über einem gewahr. Und ist versucht, den Menschen darin zuzulächeln.

Thomas Mayrhofer ist mehr als nur Architekt, seit 1997 macht er solche Lichtbilder. Für diese Arbeit war ihm klar, dass er stark eingreifen würde ins Werk eines anderen, in diesem Fall von Wilfried Hedenborg. Der wiederum benötigte seine Zeit, um sich in das Vorhaben zu finden: mit dem Ergebnis, dass er seine eigenen Fotos, seine eigene Arbeit plötzlich anders sah. Denn Thomas entdeckte in den Fotos Dinge, von denen Wilfried selbst nicht wusste. Auf einmal die Menschlichkeit der Philharmoniker, eines sonst so entrückten Ensembles, in den Vordergrund gerückt: Blicke, Gesten, Gähnen, alles darf abgebildet sein.

Und die Musiker selbst, die sich da erkennen, sind gefangen von dem Nahverhältnis, das aus diesen Bildern spricht, wenn sie so bearbeitet, vergrößert, überlagert, geradezu zu Gemälden geformt sind, und werden von Erinnerungen ergriffen, einfach nur anhand der Instrumente, die zu sehen sind; „Ach das war da, und da waren wir dort ...!“

Das ganze komplexe Gebilde, das nur für eine Nacht aufgebaut wurde, ist in reiner Handarbeit entstanden. Die Konstruktion sorgte für Begeisterung - wäre das Gebilde nicht für das nächste Jahr aufgehoben worden (um fünf Uhr früh wurde gnadenlos abgebaut), es hätten sich einige interessierte Abnehmer gefunden. Ach ja, die noch frische und damit riechbare Farbe sei trinkbar, fast wie der Wein, sagte der Architekt und Gestalter. Aber da hielt man sich dann doch lieber an Hirsch und Gobelsburg und Huber und Malat und wie sie alle vertreten waren. Und freute sich über die besten aller Weingläser. Wahrlich ein Gesamtkunstwerk, das. Nächstes Jahr wieder!