Sarah Wiener strudelt Bio

10.10.2010
tags: salon

Es ist nicht zu übersehen, nirgendwo, weil immer irgendwo eine Tankstelle ist: Bei OMV-VIVA gibts Bio-Apfelstrudel. Nicht irgendeinen, sondern Wiener Apfelstrudel, und gleich doppelt Wiener, weil von Sarah Wiener gefertigt. Sagt die Werbung auf den elektronischen Großformaten. Und „gar ned so schlecht“, war die ein oder andere Stimme zu vernehmen.

Da die Sonne heute so spät hinter den Nebeln hervorgekommen und es darob recht kühl geblieben war, schien mir der Gang zur nächsten Tankstelle der perfekte Kurzspaziergang zum Tage zu sein. Auch hier: Werbetafel, Aufsteller an der großzügigen Theke, selbst an der Serviettenentnahmestelle wird der Apfelstrudel beworben. Nur: Apfelstrudel gab es keinen. War schon aus, um 16 Uhr. Geht er so gut? frage ich, na ja, am Sonntag halt, unter der Woche immer nur ein paar Stück, sagt die Kassaservicedame. Aber ein bissl dauert‘s noch, dann ist der nächste fertig, setzt sie noch nach, eine Stunde vielleicht! Denn natürlich kommt der Strudel in vorgeschnittenen Stücken tiefgekühlt, wird offenbar langsam aufgetaut. Aber wenn‘s eine Mikrowelle haben, nehmen‘s einen mit! - Tun Sie ihn auch in die Mikrowelle? frage ich, nein, nur wenn‘s verlangt wird, ist die Antwort. Und weil ich mir in den Kopf gesetzt hab, endlich die Rubrik „Salon“ mit einem lockeren Geplauder zu eröffnen, nehm ich mir halt ein noch steifes Stück Strudel mit heim, setzt mich in die letzten warmen Sonnenstrahlen auf dem geschützten Balkon und warte aufs Klingeln der Mikrowelle. Nach drei Minuten duftet es nach Zimt, den relativ blassen Teig decke ich nicht mit Zucker zu. Nun ja, „gar ned schlecht“ kann ich ihn nicht finden, ganz schlecht freilich auch nicht; dass die Hülle nicht knusprig sein kann, von eiskalt zu halbwegs war, ist klar, wie sie das auf der Tankstelle hinkriegen wollen mit normalem Auftauen, weiß ich auch nicht. Die Fülle kompakt, viel, das ist ja gut. Rosinen sind drin, auch blasse Walnüsse. Brösel, die Zutaten eben bio. Aber undifferenziert süß, nicht zu süß (hab aber auch keinen Zucker dazu getan), aber es fehlt diese Prise Pikanz, ein Quentchen Säure, das Lebendigkeit hineinbringt. Vielleicht waren die Äpfel zu wenig säuerlich?

Und was ist nun das Wienerische dran, außer dass Sarah Wiener draufsteht? Bei Plachutta/Wagner heißt es: Für einen echten Altwiener Apfelstrudel bestreichen Sie die Äpfel vor dem einrollen mit 2 dl Sauerrahm oder geschlagenem Obers und streuen noch 80 g gehakcte Walnüsse darüber. Oje, hatt ich nicht daheim. Aber vielleicht gefällt Ihnen ja diese bildhafte Ansicht einer Wiener Apfelstrudelfertigung? Und beachten Sie bitte wohlwollend auch den abschließenden Rat einer „Issgesund“-Seite: Wiener Apfelstrudel ist ein Gedicht. Besonders lecker ist dieser Apfelstrudel, wenn er frisch serviert wird und selbst aus frischen Äpfeln gebacken wird. 

Die Ihre
Angelika Deutsch