Der Einsertisch

23.09.2012
tags: salon

Den Einsertisch (nicht zu verwechseln mit Chef‘s Table) gibt es in jedem Lokal. Er hat freilich keinen fixen Platz und kommt auch nicht einfach so zustande. Schon gar nicht genügt es, dass Leute mit Namen oder Prominentenstatus an einem Tisch sitzen - dann mag sich zwar der Service in Übereifrigkeit überschlagen, aber die Blicke draußen, im Gang, in der Küche, in den Nebenräumen, die möcht ich nicht sehen müssen. Der Einsertisch kann auch ganz unscheinbar sein, immer aber ist er ein Resultat von Dynamik. An ihm treffen Menschen aufeinander, für die es einen begründeten Zusammenhang gibt; den bringen sie mit oder er fällt ihnen zu. So ein Einsertisch kann also zum schönsten Zufallsort im Universum werden.

Einsertisch-Menschen sind Persönlichkeiten, die eines immer mit dabei: Herz; es ist ihre Zutat am Tisch. Während andere Tische von einen Oben-Unten bestimmt sind - die Sitzenden schauen auf die Stehenden hinunter - herrscht am Einsertisch Augenhöhe. Er ist wie ein kleines Universum, das von seinen eigenen Anziehungskräften bestimmt ist; auch der Service hat Planetenstatus.

An ein Einsertisch-Erlebnis erinnere ich mich gerne: Kitzbühel, Promisaison, bei Hasi Unterberger ging es lebhaft zu. Wir waren an einem kleinen Tisch zu dritt, Freunde. Der Kellner kam in immer kürzeren Abständen zu uns, schenkte unbestellt nach, blieb auf einen Satz länger als notwendig, andere Tische fast schon flüchtend, und bedankte sich am Schluss für unser Dagewesensein: dass wir ihm den Abend gerettet hätten. Andere Einsertische sehen anders aus, doch was immer sie entstehen lässt: sie haben immer eine große Wärme in sich.