Symposion. Vorabend.

11.03.2013
tags: salon

Eine lange Tafel im noch stillen Raum. Allmeinde. Das Arbeits/Gemeinschaftsprojekt von Katia und Gerold Schneider, als Architektenpaar ohnehin eine Ausnahmeerscheinung in der Lecher Hotellerie, ist der stilistisch eindrucksvolle Schauplatz für ein bemerkenswertes Symposion. The Importance of the Sommelier - Two Days of Tasting and Discussion on the Future of Winemaking and Wine Communication, maßgeblich auch organisiert von Roland Velich, hat von 9.-11.3.13 namhafte Weinpersönlichkeiten von New York über London und Kopenhagen, aus Deutschland und aus Österreich, in Lech zusammengeführt, fast schon extraterritorial, nämlich hoch droben zwischen Bergen, und an einem Ort, der für sein extremes Angebot an großen Weinen (nach klassischer Definition) bekannt ist. Ausgerechnet hier sollte fast schon subversiv über „great wines from lesser known origins“ (und anderes) gesprochen werden, was bei einem Referenten wie Mads Kleppe vom Noma immer einen Fokus auf natural wine bedeutet.

Der Vorabend, als Get Together und bring your own bottle konzipiert, entwickelte sich zu etwas, das dem Symposion in griechischem/platon‘schem Sinne sehr nahe kam: Dialog, Miteinander, im Reden Essen Trinken. Die Nacht wurde lang, die Gespräche verschwammen vom Präzisen ins Ausgelassene.

Sätze wie „Der Weinbauer ist von seinem Wesen her Fanatiker“ (Ewald Tscheppe) oder „Keller ist vorbei. Es geht nur mehr um die Weinberge“ (Martin Kössler) aber blieben hängen. Wobei letzterer damit nicht die immer haarscharf an der Lüge schrammenden Winzer-Webseitentexte meinte, sondern, aus der Erfahrung vieler Gespräche mit internationalen Vorreitern, dass „weniger“ oder „nichts tun“ im Keller (das, was sich die natural Weingüter auf die Fahnen heften) nicht genügt, dass nur die intensive Befassung mit der Rebe im Weingarten, wozu auch die Auswirkung von Erziehung und Rebschnitt gehört, eine Weiterentwicklung im Weinbau ermögliche.

Die mitgebrachten Weine jedenfalls legten die Weinvorlieben der Gäste bloß; am Morgen danach sah man wieder klar.