Gut für die Seele: Schlossgut Oberambach

08.08.2012

Das Schlossgut Oberambach als Aufenthaltsort zu wählen ist so etwas wie der Premiumeinstieg in die Welt der Biohotels. Dabei könnte es einfach die Landschaft gewesen sein, die einen hierher zog, oder das Umfeld des Starnberger Sees, der auf dieser Hügelkuppe zwischen altem Baumbestand nur als kleiner Zipfel hervorblitzt. Weil man auf den Spuren jener Künstler vorüber kam, die in Murnau und Kochel residierten und vielleicht irgendwann einmal hier zu Gast waren, als ein Baron von Kleydorff in den Besitz des Hauses gelangte und es als Treffpunkt von Literaten, Denkern und eben Künstlern aus der Runde des „Blauen Reiters“ diente.

Ursprünglich war das Gut ein bäuerlich bewirtschafteter Hof gewesen, der ab 1574 zum Kloster Bernried gehörte und erst später herrschaftlich ausgebaut worden war; 1991 hatte es Familie Schwabe übernommen und zu dem gemacht, was es jetzt ist: ein großzügiges Hotel in absolut berückender Lage mit umfassendem ökologischen Anspruch. Das Bio-Konzept umfasst also nicht nur Küche und Keller, sondern ist auch bei Wasser und Energie durchdacht angelegt; von der Flüssigseife (aus Tirol) über Wandheizung bis zum Regenwasser für die Toilettenspülung bleibt nichts dem konventionellen Zufall überlassen. Denn ja, Bio ist in der Vermarktung zu einem gewichtigen Argument geworden und bekommt noch mehr Stimmigkeit, wenn man inmitten von so viel Landschaft sitzt - „Wia im Paradies“ sagt die Dreikinder-Oma am Nebentisch beim Sommermittagessen.

Genau das ist es, was einen so oder so packt: Weitläufigkeit und Entlegenheit irgendwo im bayrischen Land zwischen den Seen, diese Idylle (strapaziertes und doch geliebtes Wort) zu jeder Jahreszeit; da wird das Wort „bio“ schnell zum Subtext, den man als Selbstverständlichkeit annimmt, weil man sich in der Hauptsache auf das Inmitten-Sein konzentrieren will (und hat vielleicht das gute Gewissen zusätzlich zur Dinkel-Nackenrolle auf die feine Matratze gelegt).

Das Haupthaus strahlt mit Schlosscharakter, die meisten Zimmer liegen im langgestreckten Anbau, der in seiner Anlage wie die ehemalige Tenne wirkt, denn über eine steingepflasterte Auffahrtsrampe gelangt man direkt in den ersten Stock. Das Gästehaus nebenan, gut verborgen hinter hohen Sträuchern, ist mit weiteren sechs Zimmern wie ein Privatissimum, die Vorratsräume daneben müssen früher einmal der Stall gewesen sein. Eine gelungene, behutsam gestaltete Verbindung aus historischer Bausubstanz, lokaler Bautradition und den Anforderungen, die ein Hotel heute generell zu erfüllen hat; ein Bio-Hotel als ein Ort, wo man ohnedies sein möchte und der, so mit Mehrwert gefüllt, eine tiefere Sinnhaftigkeit erfährt.

Am Rande des Anwesens, da wo gleich die Bauernwiesen beginnen und Spazierwege zum nächsten Dorf führen, liegt der Schwimmteich, klein, schilfverwachsen, tief und am frühen Morgen ganz still. Im dunklen Wasser kann man die Pflanzen nicht sehen, nur ihre Umschlingungen von unten spüren, während über den Wiesen noch nächtliche Nebel aufsteigen, über dem Wald gegenüber sich ein zarter Sonnenkranz bildet und der Duft frischen Gebäcks ums Haus streicht.

Das Frühstück in der Morgensonne muss auch im Winter schön sein, statt Terrasse mit Gartenblick eben helles Café, viel frisches Obst und Gemüse; die Apfel-Holunder-Marmelade geht nicht mehr aus dem Gaumengedächtnis, die Tees sind alle portionsgerecht in kleine Säckchen gefüllt, der Kräutertee ist sehr ans Herz zu legen. Es fehlt nichts, nur die Eier sind fest gekocht, dabei sind sie sicher so frisch und sauber, dass sie auch weich keine Gefahr in sich trügen.

Einen Tag hier zu füllen ist nicht schwer: man könnte hinunter zum See laufen, zum eigenen Seegrundstück, ganz klein, nur für eine Handvoll Menschen. Oder sich im Schlosspark aufhalten, überall stehen Stühle und Liegen unter alten Bäumen und zwischen Büschen; es gibt eine reichhaltige Bibliothek im Haus. Oder das Vitalzentrum, das mitsamt Heilpraxis in einem kleinen Gebäude gleich bei der Einfahrt untergebracht ist, aufsuchen; das Angebot hier umfasst eine Vielzahl an Behandlungen und Therapien mit allerlei Körperwohltaten. Auch der Relaxbereich mit Sauna und Dampfbad ist in einem Nebengebäude untergebracht - dass man so zum Wandern gezwungen ist, tut gut, man will ja aus dem Schauen nicht herauskommen.

Die Küche übt sich in Eleganz und Vielfalt, das Restaurant wird auch gerne von Tagesgästen frequentiert. See- und ganz in der Ferne Bergblick, das zieht, aber vor allem auch das Wissen um die Biozutaten hier. Zum Gedeck gibt es Senfkörnerbutter von hohem Suchtfaktor; die Kirschtomaten, zumeist wenig guter Aufputz, haben eine unglaubliche Geschmackstiefe. Der Küchenchef achtet auch die Jahreszeit, serviert sommerliche Karotten-Fenchelsuppe und dann Saiblingsröllchen mit Lauch und Tomatenpolenta - der Fisch aus dem See hat einen Stern in der Karte, der für die gute Qualität stehen könnte, aber anzeigt, dass Wildfang-Fisch eben nicht biozertifiziert ist, obwohl mehr bio eigentlich nicht geht; im Herbst gilt dieselbe Ausnahmegenehmigung dem Wild. Auch die Getränkekarte ist umfangreich, Bio heißt hier gewiss nicht Verzicht.

Am Abend herrscht frühe Ruhe. Ist es das ungewohnte, aber ermüdende Ausmaß an Frischluft oder einfach der Komfort der Zimmer, den man ja auch auskosten will? Ich liebe es, barfuß über den Naturholzboden zu gehen, und bin, als immer und überall Arbeitende, dankbar für die vielen Steckdosen. Allerdings auch für den Nachtschalter, der alle Stromkreise unterbricht. Netzfreischaltung, kein Elektrosmog, betont der Hausprospekt. Kein anderes Licht als das der Nacht, die durchs offene Fenster schimmert, sage ich.

SCHLOSSGUT OBERAMBACH
BIOHOTEL - VITALZENTRUM
OBERAMBACH 1  D-82541 MÜNSING
Tel.: +49 (0)8177 9323 Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
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www.schlossgut.de