Herrenhof Lamprecht

11.06.2011

Als ich am Herrenhof vorfuhr - nun gut, endlich hin fand, denn dieses Markt Hartmannsdorf ist eine für‘s Handynavi nicht eruierbare Adresse - war alles schon aus. Eine Flasche Buchertberg weiß 09 konnte ich noch ergattern, aber sonst musste ich mich an diffuse Erinnerungen von unter der Hand ausgeschenktem Blaufränkischen während der EWBC-Party halten; so gesehen war „Herrenhof im Herrenhof“, dieses den schönen Agentur-Damen zu verdankende Zusammentreffen von Herrenhof-Wein im Herrenhof-Hotel unlängst eine wirklich löbliche Gelegenheit für die Vertiefung ins noch kleine Weinwerk eines Jungwinzers.

Denn Gottfried Lamprecht, so heißt er, hat erst vor fünf Jahren mit dem Weinmachen begonnen. Der Herrenhof, muss man wissen, ist ein wunderschöner Ansitz auf einem Hügelzug in einem verlassenen Tal, wo Wein noch spärlich ist und auch sonst alles seinen sehr ruhigen Gang zu gehen scheint. Die Chorherren von Vorau waren früher die Eigner dieses Hofes gewesen, der dann von  Großvater Lamprecht erworben worden war. Der Vater hätte eigentlich schon gern Wein gemacht, aber aufgrund mühsamer behördlicher Prozeduren - es fehlte ihm die entsprechende Ausbildung - ließ er es blieben. Der Sohn endlich war beharrlich, und genau so muss man sich sein Weinmachen auch vorstellen.

Gleich richtig auf jeden Fall, also biologisch, so gut wie biodynamisch, nur das Esoterische lässt er weg, sagt er. „Bioweine schmecken besser, intensiver, nicht so vorlaut, haben Tiefe“. Das meiste, was er in der Ausbildung in Klosterneuburg gelernt hat, kann er hier im Praktischen kaum brauchen. „Man muss sich selbst mit der Praxis beschäftigen, auf die eigenen Gegebenheiten eingehen, sich auf Gebiet und Boden einstellen“, sagt er, und wenn ihm der Sankt Laurent abfriert, dann wächst er eben an der Stelle nicht, es kommt etwas anderes dorthin. Im Keller geschieht so wenig als möglich, aus lauter Angst, etwas Falsches zu machen. Und das kann, wie in diesem Fall, einfach das Richtige sein. „I geh gmiatlich in den Keller, koste und schau, ob‘s passt“. Zur Spontanvergärung sagt er nur: „Mir gfallt das so gut, dass so einfach geht!“

Ich war im Keller, und da ist fast nichts. Jedenfalls kein Hightech, ein paar Holzfässer, ein Tank zum Manipulieren, Schläuche, eine alte Korbpresse, die der junge Winzer eigenhändig zerlegt, instand- und wieder zusammengesetzt hat. Alles will er selber machen, das ist sein Anspruch; die Eichen aus dem eigenen Wald (die Eltern betreiben die Landwirtschaft weiter) liegen säuberlich geschnitten zum Trocknen hinterm Anwesen, für die eigenen Fässer: „Das Holzfass ist ein Supermedium!“ Die Etiketten, für jeden Wein anders, sind eigenhändig entworfen, sehr gelungen für einen, der sich die Grafik selbst angeeignet hat. Ein Experiment gibt es auch, einen in den Garten eingegrabenen Glasballon, „die neue Amphore ist das“, scherzt er. Aber eigentlich „bin i a Weingartentyp, ka Kellerwirtschafttyp, der den ganzen Tag herumpumpen tut“, Spaten und Hacke sind die wichtigsten Werkzeuge für viel Handarbeit.

Hanglagen, ein von Wärme begünstigster Kessel mit Süd-Ost-Exposition, leichte, karge Sandsteinböden: perfekte Bedingungen für Weißwein, zwei Drittel macht er aus, aber auch schwerer Opok für feine Rotweine, Blauburgunder, Blaufränkisch, Blauer Wildbacher. Neu ausgepflanzt hat er heuer, Gemischter Satz, denn wichtig ist, Diversität in den Weingarten zu bringen. Bis zu 25 Rebsorten stehen beieinander, als Tüftler schaut er genau, was wohin kommt, auf zwei Zentimeter genau! „Man geht so gern durch den Weingarten, weil es immer anders ist“. Das Zusammenspiel der Rebsorten bringt mehr Bodenausdruck, die Grundidee ist Weg von der Sorte, hin zum Garten. Es sind viele alte Sorten darunter, manche schon nicht mehr so recht bekannt. So schnell gerät alles in Vergessenheit, wenn da nicht jemand ist, der‘s hervorholt wie Gottfried Lamprecht. Und eben Wein daraus macht. Was es bislang gibt am Wenigem, ist bereits unglaublich gut; es sind entspannte, gelassene, erwachsene Weine - man stelle sich vor, der älteste Weingarten erst 5 Jahre alt, und bereits so dicht, differenziert! Das verspricht noch spannungsgeladenere Weine in Zukunft. Spannend.

Weißburgunder 2010 11,5%
Immer er erste Wein im Jahrgang, der Gutswein. Spät zu Mitte Oktober geerntet, in kleinen und großen gebrauchten Fässern ausgebaut. Reifer Apfel, Zitrus, diffus, aber eher verhalten, leicht rauchig, Steinobst; voll, dunkles gelb, sehr reich, Gerbstoff, ganz erstaunlich für den Alkoholgehalt, der in diesem Jahr zum ersten Mal so niedrig ist.

Buchertberg weiß 2009 Gemischter Satz
Dieser Wein soll die Spitze des Sortiments bilden. Weich, etwas malolaktische Noten; Fülle, burgundisch, Kräuternoten, leicht Vanille, unglaublich lebendig, mit Länge. Mineralisch, die Rebsorten sind nicht eruierbar - der Garten wurde in einem gelesen. Spontanvergärung, in 300l-Fässern ausgebaut. Um 9 € mehr als wohlfeil!  2010 kommt im Herbst

Eisenberger Hummergraben Blaufränkisch 2009
Bei einem alten Bauern am Eisenberg fand Gottfried Lamprecht eine wunderbare Blaufränkischanlage, fette Lehmschicht mit Schiefer drunter, Nachbar vis à vis ist immerhin der Reihburg von Uwe Schiefer. Er durfte da ein wenig nach eigenen Vorstellungen im Garten arbeiten (zum Glück hat der Bauer nicht gesehen, was und wie alles!) und hat die Trauben gekauft. Der Wein wurde offen vergoren, mit der Hand gestampft, „gemütlich übers Jahr gereift“, unfiltriert gefüllt. So entstand ein Blaufränkischer, wie er noch selten ist: hell und klar, mit feiner Kirschfrucht, leichtfüßig und doch von intensiver Kraft, mit feiner Würze, „ultraelegant“, unglaublich spannend und vor allem auch einfach angenehm. Ein low tech-Wein aus kleinen gebrauchten Fässern um keine 7 €, das ist geschenkt. Ein Jahrgang schlummert noch im Keller, den gibt es erst im Herbst - und dann heißt es Warten auf ein neues Projekt gewartet, denn dieser Weingartenleider ist inzwischen leider verpachtet.

Lesenswert sind, während man auf die Abfüllung der neuen Weine wartet, inzwischen Webseite mit Blog - denn Gottfried Lamprecht ist auch umtriebiger wie kundiger Web 2.0-User.

Herrenhof Lamprecht, Gottfried Lamprecht
Pöllau 43
8311 Markt Hartmannsdorf
Steiermark - Austria
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